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Wer hat Erfahrungen mit medizischer bzw. beruflicher Reha gemacht ?

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Autor Dr O
registriert
#1 | Gesendet: 3 Mai 2014 18:19
Mich interessieren vor allem Fragen wie ...

Wo beantragen, wer ist zuständig, Arbeitsamt oder Rententräger ?

Auf welche finanzielle Unterstützung kann man hoffen, wie ist das z.B. mit der EU Rente ?

Kommt jemand aus NRW und hat Erfahrung mit dem BBW Dortmund oder Hamm gemacht ?

Umschulung oder zurück in den erlernten Beruf, beides möglich ?

Macht vor der beruflichen eine medizinische Sinn ?

Ich bin ehrlich gesagt ein wenig zwiegespalten, einerseits bin ich 42 und seit fast 4 Jahren in der EU Rente + WfbM, andererseits kann ich mich nicht damit abfinden bis zur Altersrente in der Werkstatt zu verbleiben.
Autor Jonny
registriert
#2 | Gesendet: 3 Mai 2014 18:52
Hallo Dr O,

ich versuche einmal auf die Fragen einzugehen, zu denen ich aus eigener Erfahrung etwas sagen kann:

1.
Dr O:
Wo beantragen, wer ist zuständig, Arbeitsamt oder Rententräger ?

Das kommt darauf an, ob du schon mal sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast (und evtl. auch wie lange). Ich hatte davor nur studiert und somit keinen Anspruch der Kostenübernahme durch die Rentenversicherung. Bei mir waren während der medizinischen Reha die Krankenkasse und während der beruflichen Reha die Agentur für Arbeit für die Kostenübernahme zuständig.

2.
Dr O:
Auf welche finanzielle Unterstützung kann man hoffen, wie ist das z.B. mit der EU Rente ?

Dazu muss ich sagen, dass es evtl. darauf ankommt, ob du eine ambulante oder stationäre Reha machen möchtest. Ich kenne mich nur mit der stationären Reha in Rheinland-Pfalz aus.
Während meiner (beruflichen) Reha bekam ich eine Art Taschengeld vom Reha-Träger.

3.
Dr O:
Macht vor der beruflichen eine medizinische Sinn ?

Das kommt möglicherweise darauf an, wie es dir geht, wie stabil du bist und ob du gerne noch etwas an deiner Medikation ändern möchtest.
Ich hatte beides, kam aber auch mehr oder weniger direkt aus der Tagesklinik. Von daher würde ich das an deiner Stelle alles mit deinem zuständigen (ambulanten) (Haus-)Arzt besprechen.

Dieser war bei jedenfalls in meinem Fall Ansprechpartner, bzw. Initiator der Reha. Klar, ich musste auch noch etwas von der Krankenkasse ausfüllen, aber letztlich war der Arzt derjenige, der alles zum Rollen brachte.

Es ist i.d.R. auch so, dass ein Antrag nur genehmigt oder weitergeleitet wird. Das heißt, an deiner Stelle würde ich es erst mal bei der Rentenversicherung probieren. Ist die nicht zuständig, wird der Antrag in normalerweise an die AfA oder die KK weitergeleitet.

Schöne Grüße

Jonny
Autor konfusius
Gast
#3 | Gesendet: 3 Mai 2014 19:39
Bei mir war während der medizinischen und der beruflichen Reha die Rentenversicherung Kostenträger. Während der Reha habe ich Übergangsgeld von der Rentenversicherung bekommen.
Autor SiRoD924
registriert
#4 | Gesendet: 3 Mai 2014 20:19
Hallo Dr O,

in der medizinischen Reha wird - wo nötig - auch eine Belastungserprobung gemacht und es werden berufliche Möglichkeiten und Möglichkeiten für eine berufliche Rehabilitation geklärt.

Ich war zweimal in der Rothaarklinik in Bad Berleburg. Das erste Mal, 2002, wurde mir empfohlen eine berufliche Anpassungsmaßnahme zu machen (so hieß das damals) und nach ein paar Monaten Wartezeit konnte ich dann in Straubin im BTZ = Berufliches Trainingszentrum meine Belastungsfähigkeit langsam auftrainieren und das BTZ hat mir auch so gut getan, dass ich aus meiner damaligen Negativ/Depriphase raus kam und dann konkret etwas Berufliches anpacken konnte.

In meiner zweiten Reha in Bad Berleburg, Ende 2010 habe ich mitbekommen, dass dort für manche auch geklärt wird, ob für sie der Rentenstatus in Frage kommt oder ob sie so belastbar sind, dass eine intensive berufliche Reha in Frage kommt. Für die berufliche Reha gibt es viel verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist z.B. eine Umschulung in einem BFW (Berufsförderungswerk). In den BFWs werden auch noch über 50-Jährige umgeschult, selbst das rentiert sich noch für die Rentenkassen wenn diese Menschen dann einige Jahre im Beruf arbeiten so dass Du - so denke ich - keine Bedenken haben brauchst wegen Deines Alters. Der Vorteil von einem BFW ist, dass es dort nicht nur die Ausbilder gibt, die den neuen Beruf vermitteln, sondern auch Unterstützung durch Psychologen, Sozialpädagogen, Ärztlichem Dienst etc. Man ist nicht auf sich alleine gestellt. Vor der Umschulung wird ein Reha-Assessment gemacht so dass die Berufswahl relativ fundiert sein sollte.

Vielleicht wäre für Dich die sinnvolle Kombination erst einmal eine medizinische Reha zu machen und von da zu sehen, wie die Entwicklung hinsichtlich der beruflichen Schritte läuft?

Lieber Gruß
Doris
Autor Dr O
registriert
#5 | Gesendet: 4 Mai 2014 02:13
Danke für Eure Antworten, werd das mal bei meinem nächsten Arztbesuch thematisieren !
Autor LuckyLive
registriert
#6 | Gesendet: 6 Mai 2014 02:12
Ach, daß war ja genau das, was mich auch beschäftigt hat.

Herzlichen Dank @SIRoD924

Dr O:
Danke für Eure Antworten, werd das mal bei meinem nächsten Arztbesuch thematisieren !

genau das werd ich denn auch mal machen.

herzliche grüße
Autor SiRoD924
registriert
#7 | Gesendet: 6 Mai 2014 16:47
Hallo Ihr beiden,

habe eben meinen eigenen Antrag auf medizinische Reha losgesendet.

Auf der Webseite der DRV Bund habe ich gelesen, dass die Rentenversicherung innerhalb von 14 Tagen prüfen muss, ob sie zuständig ist oder aber den Antrag gegebenenfalls weiter leiten muss (z.B. an die Arbeitsagentur).

Für den Antrag musste ich zwei Formulare ausfüllen, ich konnte sie im Internet finden und mir ausdrucken (DRV Bund - Forumulare G100 und G110 http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/04_formulare _und_antraege/01_versicherte/03_reha/_DRV_Paket_Rehabilitation_%20Med_Rehabilitation. html ). Das habe ich am Samstag gemacht und vorhin war ich beim Briefkasten und habe den Antrag und die Anlage weggeschickt.

Dr O:
Danke für Eure Antworten, werd das mal bei meinem nächsten Arztbesuch thematisieren !

Wenn Du selber eine Reha machen willst, dann kannst Du - so denke ich - auch die Initiative ergreifen und den Antrag stellen. Sicher ist es eine gute Zusammenarbeit mit dem Arzt, wenn Du ihm Bescheid sagst, dass da eine Nachfrage des Leistungsträgers auf ihn zu kommt. Die Entscheidung, ob Reha ja oder nein, liegt aber bei Dir.

Lieber Gruß
Doris
Autor Dr O
registriert
#8 | Gesendet: 6 Mai 2014 16:59
Danke erstmal !

Mir spinnt seit zwei Tagen so ein Gedanke durch den Kopf !
Wenn man u.a. in der med. Reha auf seine berufliche Leistungsfähigkeit getestet wird,
und ich sage mal dabei kommt rum das ich wieder fit genug wäre für den ersten Arbeitsmarkt,
ich dadurch meinen Rentenanspruch verlieren sollte ... und ich aber dann keine Stelle finde
auf dem ersten Arbeitsmarkt und wohlmöglich in Hartz IV rutsche ... steh ich blöd da, weil
dann hab ich nix gewonnen.

Nur so ein Gedanke !!!!

Grüße
Autor SiRoD924
registriert
#9 | Gesendet: 6 Mai 2014 17:08
Hallo Dr O,

das könnte wohl so zutreffen. Ich weiß z.B. nicht, ob man für eine berufliche Reha in einem Berufsförderungswerk zu 100% leistungsfähig sein muss, vermute es aber stark, weil man ja die Umschulung in einen IHK-Ausbildungsberuf in zwei Jahren durchziehen muss (reguläre Ausbildungszeit ist meistens drei Jahre). Das ist schon ziemlich anstrengend.

Also Du kannst durchaus auch verlieren in dieser Konstellation.

Wie ist das denn mit Deiner Rente? Wird die nicht in einem regelmäßigen Turnus überprüft, ob die Voraussetzungen noch vorliegen dafür? Vielleicht liese sich eine medizinische Reha mit einer ohnehin notwendigen Überprüfung verknüpfen?

Lieber Gruß
Doris
Autor Dr O
registriert
#10 | Gesendet: 6 Mai 2014 17:22
Hallo Doris !

Die nächste Überprüfung ist 2015, ich hab bisher einmal verlängert, musste dafür aber
nicht zu einem Amtsarzt oder Ähnliches, wie ich das schon von Anderen gehört habe.
Bisher reichten immer die Unterlagen meiner behandelden Ärzte.

Das es anstrengend ist hab ich gehört, ein Bekannter hat neulich die Umschulung abgebrochen
weils Ihm zuviel wurde. Soviel ich weiß, laufen im Vorfeld einer solchen Umschulung aber auch Tests, Belastungserprobungen , etc. Das ist es was ich auf jedenfall von dem BBW Dortmund
gehört habe.

Ich habe Abitur und eine abgeschlossene Berufsausbildung, und die Sache ist , dass ich mich
in der Werstatt dann doch teilweise unterfordert fühle, und der Verdienst ist eben nicht so das Wahre. Zur Zeit bekomme ich 420 € für einen 36 Std/Woche Job. Da ist noch etwas Luft nach oben, die maximalen Verdienstmöglichkeiten bei uns liegen bei 660€ . Hab heute vorsichtig erste Kontakte aufgenommen was sich da machen lässt .

Grüße
Autor LuckyLive
registriert
#11 | Gesendet: 6 Mai 2014 17:58
Hallo ihr beiden,

wenn ich da mich noch mal kurz einklincken darf, was wird denn bei einer medizinischen Reha so alles mit einem gemacht, ich habe da noch gar keine Vorstellung. Ist das so etwas wie eine Kur ?
Ich selbst habe wohl auch Abi und abgeschlossene Berufsausbildung und bin momentan noch krankgeschrieben und erhalte Krankengeld, werde aber in Zukunft meinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben können (ich habe stark abgebaut und der Beruf ist wirklich zu stressig für jemanden mit Psychose..) und da frag man sich ja, wie es wohl weitergeht.
Werde auch mal die Sozialarbeiterin der Klinik kontaktieren und beim nächsten Termin meine Ärztin mal interviewen.

freundler Gruß
Autor Dr O
registriert
#12 | Gesendet: 6 Mai 2014 18:12
Also ich hab vor 4 Jahren im Zusammenhang mit meiner Erkrankung eine Reaha gemacht, ob das eine medizinische war von der wir hier reden, bin ich mir nicht sicher !
Dort lief viel mit Gruppen - und Einzelgesprächen, Ergotherapie, Sport, verschiedene Entspannungstechniken usw.
Über Belastbarkeit im Beruf oder sonst irgend etwas in dieser Richtung lief nichts. Allerdings
bin ich im Anschluss dieser Reha berentet worden ! Aber keiner verlor ein Wort darüber
wie es weitergehen sollte.
Allerdings muss ich sagen hing ich auch noch relativ tief in der Psychose zu der Zeit. Mir geht
es jetzt viel besser und ich bin seit gut 2 Jahren stabil mit dem ein oder anderen kleinen Tief, aber keinerlei psychotischen Symptomen.
Ich denke es kann nicht früh genug sein sich zu informieren, und hoffentlich geräts Du an
halbwegs kompetente Leute. Das würd ich Dir wünschen !

Grüße
Autor LuckyLive
registriert
#13 | Gesendet: 6 Mai 2014 18:34
Danke dir, Dr O, für die guten Wünsche und die Info.

Hoffe sehr, bei dir wird es auch so klappen, wie du es dir vorstellst.


freundlicher Gruß
Autor SiRoD924
registriert
#14 | Gesendet: 7 Mai 2014 15:06
Hallo LuckyLive,

LuckyLive:
wenn ich da mich noch mal kurz einklincken darf, was wird denn bei einer medizinischen Reha so alles mit einem gemacht, ich habe da noch gar keine Vorstellung. Ist das so etwas wie eine Kur ?

Bei mir in der medizinischen Reha gab es Gruppentherapie, Einzelgespräche, Psychoedukation, Tanztherapie oder Musiktherapie, Kunsttherapie, Sporttherapie, Wassergymnastik, Progressive Muskelentspannung, Fangopackungen und Massageliege (nur in ganz "schweren" Fällen Massage durch einen Physiotherapeuten), Ernährungsgruppe mit gemeinsamen Einkaufen und Kochen.

Und ganz viel hat ausgemacht, was sich bei den Patienten und Patientinnen untereinander getan hat in der Freizeit. Ungefähr so wie hier im Forum: Ins Gespräch kommen, voneinander lernen, auch: zusammen was unternehmen und Spaß haben miteinander.

Lieber Gruß
Doris
Autor LuckyLive
registriert
#15 | Gesendet: 7 Mai 2014 15:54
Hi Doris,

wow, das klingt ja super. Während meines Aufenthaltes in der Klinik gabs hauptsächlich rumsitzten und warten, wie die Medikamente wirken, denn die meisten Therapien, von den wenigen, die geplant waren, sind immer ausgefallen. Es hab Psychoedukation, Ergotherapie und Spazierengehen und morgen etwas Gymnastik.
Die meisten Patienten waren so psychotisch, daß sie keine normales Gespräch führen konnten.
Meint ihr mit medizinischer Reha den Erstaufenthalt in der Klinik bei einem psychotischen Schub oder ist das noch was anderes ?
Darf ich fragen, in welcher Klinik oder Reha Einrichtung du warst, Doris?

LG
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