Allgemeine Fragen Diskussionsforum des Kompetenznetz Schizophrenie / Allgemeine Fragen /
Short link for this topic:

Angehörige nach Suizid

Page  Page 1 of 9:  1  2  3  4  5  6  7  8  9   
Autor luis
registriert
#1 | Gesendet: 21 Jun 2016 21:40
Ich habe mein 16-jährige Tochter im Mai durch einen Suizid verloren. Sie war an paranoide Schizophrenie erkrankt. Ich suche Angehörige, die dasselbe durchleiden mußten, oder Betroffene, welche mir Hinweise geben könnten, warum meine Tochter sich umgebracht haben könnte.

Vielen Dank!

Luis
Autor EndlessFighter
registriert
#2 | Gesendet: 21 Jun 2016 21:52
luis

Mein Beileid. Das tur mir sehr leid.

Es ist nicht einfach zu erklären. Die Symptome, die post schizophrene Depression. Das ist für die Psyche irgendwann nicht mehr zu ertragen.
Ich glaube keiner von uns kann wirklich in Worte fassen wie intensiv und extrem unsere Gefühle und Wahrnehmung ist.
Autor anonym2
Gast
#3 | Gesendet: 21 Jun 2016 21:56 | Edited by: anonym2
Zuerst einmal mein Beileid. Ich als Betroffener der Krankheit kann ich nur sagen, dass die Krankheit meiner Meinung nach fast der Hölle auf Erden gleicht. Man fühlt sich mit der Krankheit nicht als Mitglied der Gesellschaft.
Anhedonie, Antriebslosigkeit und dazu noch extreme Gewichtszunahme lassen die Hoffnung immer weiter schwinden ein geregeltes Leben zu führen. Die meisten Schizophrenen fühlen sich wohl gefangen in ihrem eigenen Körper.
Außerdem haben einige Leute, die diese Krankheit haben nichts falsch gemacht. Sie sind einfach zu sensibel gegenüber Stress. Wenn eine solch schwere Krankheit auf sehr sensible Menschen trifft, dann finde ich es nicht verwunderlich, dass die Suizidversuchsrate bei Schizophrenen bei 20-50prozent liegt.
Zum Schluss möchte ich noch kurz Asmus Finden erinnern, der ebenfalls die rhetorische Frage gestellt hat, ob es wert ist ein Leben mit Schizophrenie zu führen. schlussendlich muss das jeder Patient meiner Meinung nach für sich selbst bestimmen können. Lg
Autor Himbeere
registriert
#4 | Gesendet: 21 Jun 2016 22:17
Lieber luis,

es tut ,ir sehr leid, dass sich deine Tochter das Leben nahm. Es fällt mir jedoch nicht leicht, mit dir eine Antwort auf die brennende Frage nach dem Warum zu suchen, da zu wenig über die Symptome deiner Tochter bekannt ist. So läßt sich nur spekulieren.

Ich bin selber Betroffene der Schizophrenie und habe einen Bruder, der ebenfalls an Schizophrenie erkrankt ist und nach mehreren mißglückten Selbstmordversuchen halbseitig gelähmt und mit erheblich eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten in einem Pflegeheim lebt.

Manche Schizophrene hören z.B. Stimmen, durch die sie sich zu außergewöhnlichen Handlungen getrieben fühlen. Andere halten es nicht mehr aus, ständig mit Rückfällen konfrontiert zu werden, wieder andere fühlen sich durch die Erkrankung unwert zu leben und sehen keinen Sinn so weiter zu leben ...

Es gibt zu viele mögliche Antworten auf deine Fragen, wenn ihre Symptome hier nicht bekannt sind. Vielleicht magst du uns von deiner Tochter erzählen?

Viel Kraft und Mut für dich und deine Familie!

Himbeere
Autor DA JAGNA
registriert
#5 | Gesendet: 21 Jun 2016 23:07
Hat sich deine Tochter im psychotischen Schub umgebracht????
Autor fragezeichen90
Gast
#6 | Gesendet: 21 Jun 2016 23:40
wie schon oben erwähnt, man kann es genau nicht sagen. eine sache steht jedoch fest, jeder der diese erkrankung schonmal erlebt hat, empfindet einen enormen leidensdruck. die frage wäre natürlich folgende: ist es in der psychose oder danach passiert. wenn es in der psychose war, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie es garnicht wollte.
Autor DA JAGNA
registriert
#7 | Gesendet: 21 Jun 2016 23:41
fragezeichen90
eben
Autor luis
registriert
#8 | Gesendet: 21 Jun 2016 23:46
An alle, die mir Antwort gegeben haben!

Ich habe keine Ahnung, ob sie sich in einem psychotischen Schub befand.
Da ich selbst nicht erkrankt bin, kann ich ihre Gedanken und Gefühle nicht nachvollziehen. die Krankheit trat erstmals im Herbst vorigen Jahres auf. Sie hat sich zurückgezogen, wollte nichts mehr unternehmen, ist stundenlang spazieren gegangen, hat Stimmen gehört, litt unter Verfolgungswahn, Misstrauen. Schulisch lief gar nichts mehr. Irgendwann hat sie angefangen auch Menschen zu sehen, die nicht da waren. Sie hat immer so extreme Sachen gemacht. Ist mehrmals abgehauen, auch nachts, hat sich die Haare abgeschnitten oder all ihre Sachen weggeschmissen. Mehrmals wurde sie polizeilich gesucht. Im Dezember wurde meine Tochter auf Abilify eingestellt und sie nahm wieder am Leben teil. Dann kamen die Selbstmordgedanken und Versuche. Wir haben angenommen, dass es Nebenwirkungen des Medikaments seien. Im März 2016 wurde sie auf Risperidal eingestellt. Die Medikamente hat sie vorbildlich genommen. Dennoch ist sie weiterhin abgehauen, auch aus der Klinik. Stundenlang war sie unterwegs, im Wald und an den Bahngleisen. Die Klinik war für sie ein Gefängnis. Sie war ein Naturmensch, liebte ihre Freiheit und war gern zu Hause. Meine Tochter war sehr sensibel, mitfühlend und lieb. Eine Ärztin sagte mir mal, dass mein Kind zu lieb für diese Welt sei. Das traf es auf den Punkt.
Am Tag Ihres Todes, ist sie wieder einmal abgehauen. Stress gab es keinen. Sie sollte für eine Stunde in die Schule. Mein Mann hat sie dann mehrere Kilometer weit im Wald entdeckt. Sie ist vor ihm weg gerannt und wir haben sie stundenlang gesucht, mit der Polizei und Hund. Gefunden haben wir sie nicht, da die Polizisten keinen Bock hatten. Ein Nachspiel wird folgen. Wir haben bis in die Nacht hinein mit meinem Mann gesucht. Es war mitten im Wald, dunkel, kalt und regnerisch. Ich hatte eine furchtbare Angst. Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, dass eine 16-jährige diese Gefühle nicht hat, wenn sie 12 Stunden allein im Wald ist und keine Jacke hat. Jeden würde es doch aus dem Wald heraustreiben. War sie im Wahn und hat nichts mehr wahrgenommen? Gegen Mitternacht hat sie sich dann das Leben genommen. Ihr Suizid ist für mich absolut nicht nachvollziehbar und vollkommen sinnlos. Sie hatte Tage zuvor noch Zukunftspläne geäußert und ich war der Meinung, dass es aufwärts geht. Ich dachte, dass sie irgendwo am Leben hängt. Nie hätte ich angenommen, dass sie soviel Mut aufbringt, sich umzubringen. Wir waren immer für sie da, haben uns viel um sie gekümmert und versucht mit ihr zu reden. Das war nicht immer leicht, da es ihr immer schwer fiel über ihre Krankheit zu reden. Ich hatte mich ausführlich über ihre Krankheit informiert und versucht, ihr klar zumachen, dass sie mit ihr leben kann und es auch Heilungschancen gibt. Ob sie mir geglaubt hat, weiss ich nicht. In der Klinik hat sie eine Todessehnsucht geäußert. Man war der Meinung, dass es Wahnvorstellungen sind und Reden nichts bringt, nur Medikamente. Ich habe versucht, Ihr zu erklären, wie wir uns nach ihrem Tod fühlen werden, dass unser Leben vorbei sein wird. Es hat nichts genützt.
Ich habe versucht, Euch die Symptome und den Verlauf der Erkrankung meiner Tochter darzustellen. Vielleicht könnt Ihr Ihre Reaktion nachvollziehen und mir Antworten geben.
Und ich möchte allen, die an einen Suizid denken nahe legen, es nicht zu tun. Die Schmerzen und die Trauer der Hinterbliebenden sind grenzenlos und mit nichts zu vergleichen. Hinzu kommen noch Wut und Schuldgefühle. Ich weiss nicht, ob ich den frühen Tod meiner Tochter verkraften werde, aber ich möchte Antworten finden.
Vielen Dank im Voraus.

Luis
Autor luis
registriert
#9 | Gesendet: 21 Jun 2016 23:47
Hallo,

kann eine Psychose auch noch nach mehrmonatiger Einnahme von Medikamenten auftreten?

Luis
Autor fragezeichen90
Gast
#10 | Gesendet: 21 Jun 2016 23:56 | Edited by: fragezeichen90
mein beileid. ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen. vielleicht erzähle ich dir etwas von mir und mache es etwas begreiflicher was in einem vorgeht. ich hatte die psychose mit 21 jahren als ich anfangen sollte zu studieren, doch drei wochen danach wurde ich von heute auf morgen krank. mit medikamenten ist es möglich die krankheit in den griff zu kriegen, doch man merkt schnell, dass nichts mehr so sein wird wie früher. halbes jahr nach der psychose kam ich in die klinik, weil ich mit den suizidgedanken nicht mehr zurechtkam. auch ich habe den todeswunsch geäußert woraufhin ich von den ärzten keine all zu große antwort bekommen konnte. ich habe dann gemerkt, wie nutzlos die psychiatrie für mich ist und wie wenig hoffnung ich noch habe. als ich aus der klinik rauskam war ich wrack. ich hatte sogar angst fuer paar stunden alleine zu sein, weil ich mir sonst was antun könnte.
ich möchte dir versichern, dass ihr alles richtig getan habt, denn mehr als zuhören konntet ihr nicht. diesen leidensweg mit der krankheit zu gehen ist nicht einfach und wenn man erst 16(!) ist, ist es noch ein stück schwerer . bitte verurteilt sie nicht zu sehr, denn wenn man soweit ist und es wirklich tut, dann hat man einen ausweg leider nicht mehr gesehen.


alles gute dir und allen angehörigen. ich würde dir noch ein forum empfehlen wo du dich mitteilen könntest, da bin ich auch oft unterwegs und es sind auch sehr nette menschen dort mit ähnlichen schicksalen.

https://www.hoffnungsschimmer-forum.de
Autor DA JAGNA
registriert
#11 | Gesendet: 22 Jun 2016 00:08 | Edited by: DA JAGNA
Ich denke das die Krankheit sie getötet hat.
Ich bin sicher das sie Symptome hatte sonst hätte sie sich anders verhalten.
Vielleicht wurde sie zum Selbstmord von Stimmen gezwungen.
Ich denke sie ist bei Gott und es geht ihr gut
Autor unbekannt
Gast
#12 | Gesendet: 22 Jun 2016 02:10
Als ich mal einen ausgeprägten Verfolgungswahn hatte, hielt ich mich ebenfalls im Wald auf.

Und es könnte auch vorkommen, dass man trotz konstanter Einnahme psychotisch wird, wie es beispielsweise mal bei mir der Fall war (Zyprexa & Solian).

https://www.youtube.com/watch?v=lgq0Spp33Cg
Autor ingo
registriert
#13 | Gesendet: 22 Jun 2016 02:21
luis,
ich arbeite schon seit über 10 jahren an den problem, ich denke deine tochter hat was schlechtes erlebt. bei mir wars die arbeit
Autor Himbeere
registriert
#14 | Gesendet: 22 Jun 2016 07:42
Wut und Schuldgefühle kann ich nachvollziehen und auch eine grenzenlose Trauer.
Ich begab mich nach dem letzten mißglückten Suizidversuch meines Bruders in therapeutische Behandlung.

Wut hatte ich auf das Klinikpersonal, dem ich vorwerfe, die Situation nicht richtig eingeschätzt zu haben. Schuld, weil ich ihn, obwohl er nach Hause wollte, bei der Tagesklinik abgeliefert habe. Ich war am Ende meiner Kräfte und er fragte mich am Morgen noch, ob ich meine Ankündigung wahr machen würde, mir auch etwas anzutun, wenn er sich das Leben nähme.
Meine Eltern meinen, es sei ein Unfall gewesen aufgrund eines wahnhaften Schubes. Ich meine er hat es geplant. Als es passierte war mein Bruder Anfang 30.

Es ist unsagbar traurig, dass deine Tochter so endete. Wenn ich dir etwas von deinem Leid nehmen könnte, würde ich es tun.
Autor xf20
registriert
#15 | Gesendet: 22 Jun 2016 09:50
Euch trifft keine Schuld. Im Wahn verliert der Selbsterhaltunsgtrieb ggü der wahnhaften, irrationalen Welt der sie wahrscheinlich entkommen wollte.

Früher wurden 'Geisteskranke' mit abstrusen Methoden gefoltert weil die Gesunden sich eben nicht vorstellen können dass ein Mensch nicht auf Hunger, Kälte, Hitze, Schmerzen usw reagiert, mit dem 'Foltern' sollten ja die angelegten Lebenstriebe angesprochen werden.
Page  Page 1 of 9:  1  2  3  4  5  6  7  8  9   
Allgemeine Fragen Diskussionsforum des Kompetenznetz Schizophrenie / Allgemeine Fragen / Angehörige nach Suizid Top
 
Diskussionsforum
Möchten Sie Gespräche mit Angehörigen, Patienten und interessierten Laien führen oder zu einzelnen Themen Stellung beziehen, Ihre Ansichten und Erfahrungen mitteilen? Das Diskussionsforum für Betroffene bietet Ihnen hierzu Gelegenheit. Selbstverständlich können Sie auch die Diskussion zu neuen Themenfeldern eröffnen. Das Forum ist offen für alle und anonym. Es ist jedoch erforderlich, dass Sie sich zuvor ein Log-In mit frei wählbarem Benutzernamen und Kennwort anlegen.
Das Diskussionsforum versteht sich als Plattform, die Laien und Experten gleichermaßen zugänglich ist, um so den Austausch zwischen und innerhalb der Gruppen zu fördern. Darüber hinaus sind engagierte Kooperationspartner im Kompetenznetz-Schizophrenie bemüht, die Beiträge im Diskussionsforum aus medizinisch-fachlicher Sicht regelmäßig zu sichten und im Rahmen allgemeiner Nutzungsbedingungen zu beantworten. Hierbei bleiben u.a. eine individuelle medizinische Beratung und Diagnostik ebenso wie die Gewährleistung eines Anspruchs auf Antwort ausgeschlossen.
Für die einzelnen Beiträge sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Dem freien Meinungsaustausch sind jedoch Grenzen gesetzt, wo diese gegen ethische, moralische und rechtliche Normen verstoßen. Sofern Beiträge dieser Art bekannt werden, behalten sich die Administratoren des Forums vor, diese zu löschen und ggf. rechtliche Schritte gegen den Verfasser einzuleiten. Machen Sie bitte die Netzwerkzentrale hierauf aufmerksam. Danke.
Kontakt: info@kompetenznetz-schizophrenie.de

Nutzungsbedingungen
Die Beiträge im Diskussionsforum obliegen der Verantwortung der jeweiligen Autoren. Es besteht kein Anspruch auf nachträgliche Löschung von einmal veröffentlichten Beiträgen, es sei denn, es handelt sich um personenbezogene Daten bzw. solche, die zur Identifizierung einer Person führen können.
  • Medizinisch-fachliche Antworten aus dem Kompetenznetz Schizophrenie sind als solche durch das Kürzel KNS gekennzeichnet.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Gewähr, dass jede medizinische Anfrage im Diskussionsforum von Kooperationspartnern im Netz beantwortet wird.
  • Medizinisch-fachliche Beiträge im Diskussionsforum ersetzen keine honorarpflichtige Beratung und Diagnostik durch einen Arzt / eine Ärztin oder einen Therapeuten / eine Therapeutin. Zur Abklärung von Symptomen, therapeutischer Behandlungsweisen etc. bleibt die honorarpflichtige Konsultation eines Arztes / einer Ärztin oder Therapeuten / Therapeutin erforderlich.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Haftung für Beiträge, wenn Auskünfte entgegen ihrer Zweckbestimmung zur Selbstdiagnostik und Selbstbehandlung verwandt werden.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Haftung für Beiträge, die gegen ethische, moralische und rechtliche Normen verstoßen, wird jedoch bei Bekanntwerden jeden Beitrag dieser Art löschen und behält sich vor, bei grober Fahrlässigkeit rechtliche Schritte gegen den Urheber des Beitrags einzuleiten.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Verantwortung für von seinem Diskussionsforum aus verlinkte Seiten.