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Loyalitätskonflikte

Autor oedipus
registriert
#1 | Gesendet: 24 Nov 2017 10:44 | Edited by: oedipus
Polonius: "Dies über alles: Sei dir selber treu!
Und daraus folgt so wie die Nacht dem Tage,
du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen."

Das lässt Shakespeare, der Großmeister des Dramas, ausgerechnet Polonius sagen, der in dem Stück ansonsten die unrühmliche Rolle des Dummschwätzers, Wichtigtuers, Großhubers, Gschaftlmachers abgibt und dabei Sohn und Tochter in den Tod treibt - und sich selber sowie seinen Dienstherrn und Dienstherrin samt Hofstaat und Schranzen. Ironie?
Es ist etwas faul ... usw.

Naja. Mein Anliegen: Höre ich einem aufmerksam zu, so begreife ich gleich, ja, nur so kann es sein und nur so kannst du handeln.
Höre ich aber einem anderen zu, der eben das Gegenteil behauptet, so begreife ich, ja, nur so kann es sein und nur so kannst du handeln.

Am End fallen alle übereinander.

Ist dann Schwarz und Weiß Gegenteil oder wie soll das nun gehen, mit der Selbertreue? Ist ein Mensch ein Chamäleon, Wendehals oder Spiegel oder was ist ein Mensch, der sich selber treu?

Jemand eine Idee?
Autor Mowa
registriert
#2 | Gesendet: 24 Nov 2017 11:48
Hallo oedipus,

oedipus:
Ist dann Schwarz und Weiß Gegenteil oder wie soll das nun gehen, mit der Selbertreue? Ist ein Mensch ein Chamäleon, Wendehals oder Spiegel oder was ist ein Mensch, der sich selber treu?

Spontan würde ich sagen, dass es so etwas wie "die letzte Wahrheit" nicht geben kann.

Schwarz, Weiß, oder Irgendetwas dazwischen, es gibt eben ein breites Spektrum an möglichen Zuständen, und jeder Mensch sollte nach seinen eigenen Überzeugungen leben dürfen. Hauptsache, leben und leben lassen, und eben nicht die eigene Sicht den Anderen aufdrängen. Das ist zumindest meine persönliche Überzeugung, ja, und keine letzte Wahrheit.

Sich selbst treu bleiben heißt ja nicht, dass man sich einmal eine Überzeugung aneignet, die zeitlebens so bleiben muss. Ganz im Gegenteil, wir alle werden geprägt durch unsere individuellen, subjektiven Erfahrungen. Also bedeutet das für mich eher, dass ich mir (trotz meiner menschlichen Grenzen und Fehlern) selbst vertraue und mich nicht aufgebe.

Jede überstandene Krise hat mich auch mit neuen "Werkzeugen" ausgestattet, um mit dem Leben besser klarzukommen. Wenn ich mich vergleiche mit damals, wie ich noch vor 5-, 10- und mehr Jahren war, dann ist es offensichtlich so, dass ich mit zunehmendem Alter immer unverkrampfter und offener geworden bin. Also weitermachen und noch näher am Leben sein, sage ich mir dann. Wie sagt man doch auch so schön, Übung macht den Meister!

Liebe Grüße,

Mowa
Autor Bazifischer
registriert
#3 | Gesendet: 24 Nov 2017 11:53
Ich finde, Vertrauen ist die Grundlage für Loyalität, die wiederum höher als das Recht steht. Deshalb muss z.B. ein Mann nicht gegen seine Frau aussagen vor Gericht.
Autor oedipus
registriert
#4 | Gesendet: 24 Nov 2017 11:57 | Edited by: oedipus
Mowa:
eben nicht die eigene Sicht den Anderen aufdrängen

Danke für die Antwort.

Nur halt sehe ich es nicht so, als wenn ich großartig anderen meine Sicht aufdränge, sondern anders herum von mir erwartet wird, die Sicht des/der anderen zu goutieren.

Bin ich einfach nur so vor mich hin wie ich bin - schon kommt: sei nicht. Sei nicht so. Füg dich den Regeln, die je und je völlig widersprüchlich mir scheinen. Absurd scheinen.

Du begreifst?

Im Grunde kommt eine Mordswut in mir hoch, fuchsteufelswild, wenn meine Art zu sein, zu denken, zu schreiben, die keinem was nehmen will, eher im Gegenteil, so nicht gelassen sein kann. Bis ich irgendwann aushole ...

Das ist das Problem. Dann habe ich keine Lust mehr "lieb" zu sein.

lg.
Autor oedipus
registriert
#5 | Gesendet: 24 Nov 2017 12:21 | Edited by: oedipus
Bazifischer:
Deshalb muss z.B. ein Mann nicht gegen seine Frau aussagen vor Gericht.

Zwar, zwar, aber aber. Muss er nicht. Soll er nicht.

Es gibt Regelungen wie Arztgeheimnis, Beichtgeheimnis. Aber die haben dann ihrerseits ihre Balintgruppe oder Beichtvater, um das nun wieder zu verknuspern. Ein Normalsterblicher hat eher kein Zornloch. Das ist jetzt eher abstrakt in die Luft gesprochen.

Aber! Mir geht es häufig so, dass ich echt überfordert bin, die Spannung zu ertragen, wenn mir x sagt x und y sagt y und x ungleich y und überhaupt ist mir das dann zu ville.
Speziell Sonderverwirrung, wenn x auf einmal y sagt und am Ende war es keiner gewesen.

Ich dann so ???

Ich führe das nicht konkret aus, weil es ein grundsätzliches Muster ist, dem ich immer wieder begegne, bis ich daran irre werde, ob ich vielleicht selbst die Ursache des Musters bin.
Autor Bazifischer
registriert
#6 | Gesendet: 24 Nov 2017 12:40 | Edited by: Bazifischer
Dann nehm ich mich notfalls heraus, wenn an Armen und Beinen aus allen Richtungen an mir gezerrt wird.
edit: Man kann nicht zu allem eine eindeutige Meinung haben. Siehe z.B. Israel-Palästina-Konflikt!
Also muss man auch manchmal die Energie aufbringen, zu schweigen, finde ich.
Autor Mowa
registriert
#7 | Gesendet: 24 Nov 2017 12:46 | Edited by: Mowa
oedipus:
Sei nicht so.

Es ist schwierig, klar! Aufforderungen wie "sei nicht so, wie du bist" werden ja üblicherweise mit dem Zusatz "... sondern so, wie ich bin" ausgesprochen.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass, praktisch immer wenn ich meinem Gegenüber "sei nicht so" gesagt (edit: oder auch nur daran gedacht) habe, es nicht mehr bzw. viel weniger gesagt (gedacht) habe, als ich diesen Menschen besser kennen gelernt und verstanden habe.

Also scheint es mir zu helfen, im Dialog zu versuchen mein Gegenüber besser zu verstehen, warum es so ist, wie es ist. Genau, ohne Wohlwollen, Verständnis und Vertrauen geht da nix, kann ich nur zustimmen.

Was wirklich zählt, sind also für mich solche Auseinandersetzungen mit den Mitmenschen, die mir persönlich sehr nahestehen. Denn da ist die Bereitschaft noch am größten, sich gegenseitig zu verstehen und zu akzeptieren.

Hier im Forum z.B. halte ich es für praktisch unmöglich, eine solche Bereitschaft selbst aufzubringen bzw. aufgebracht zu bekommen. Schön, falls das bei dem einen oder dem anderen Teilnehmer möglich ist, aber das sind sicher die Ausnahmen.
Autor Mowa
registriert
#8 | Gesendet: 24 Nov 2017 14:14
oedipus:
Ich führe das nicht konkret aus, weil es ein grundsätzliches Muster ist, dem ich immer wieder begegne, bis ich daran irre werde, ob ich vielleicht selbst die Ursache des Musters bin.

Mir ist nicht klar, worauf hier eigentlich angespielt wird, jedenfalls ist es viel einfacher, Muster egal welcher Art bei den Anderen zu erkennen als bei sich selbst. Das stelle ich meistens bei den Anderen und ganz selten auch bei mir :-)) immer wieder fest, vielleicht gibt es ja tatsächlich evolutionäre Vorteile, dass die menschliche Wahrnehmung so funktioniert, wer weiß.
Autor oedipus
registriert
#9 | Gesendet: 24 Nov 2017 14:28
Humorvoll ausgedrückt; Mowa, ich könnt mich weit außen im Meer auf eine Klippe setzen, kurz drauf kommen zwei Flaschenposten ausgerechnet an DIESE Klippe und die eine schreibt: so! Und die andere: Nichtso!
Das kenne ich inzwischen so gut, dass es sinnlos ist, dafür extra ferne Exklaven aufzusuchen, sei es konkret, sei es im Geiste.
Scheint mir, das Paradox klebt an mir wie Pech und Feder.
In anderen Fällen weiß ich, es hilf ungemein aufzuhören zu suchen, wenn man finden will.
Das ist in diesem Fall schon etwas schwer.
Danke für die Beiträge, ich schließ mal vorsichtshalber den Thread.
Greetz.
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