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Selbstmord nach Depressionen

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Autor Trixie
registriert
#1 | Gesendet: 12 Nov 2009 16:47
Dies hier ist zwar kein "Depressionsforum", aber die aktuellen Ereignisse - der Selbstmord von Robert Enke, gehen mir nahe. Dieser Mensch hatte doch tatsächlich Angst, ihm würde das Sorgerecht für seine adoptierte Tochter entzogen, wenn er wegen seiner Depressionen in die Klinik ginge. Wo bitte leben wir? Ich kann es noch verstehen, wenn man sich bei Schizophrenie nicht traut, es in der Öffentlichkeit zuzugeben, wenn man in einer Klinik war oder die Krankheit überhaupt. Aber wer bitte nimmt heute noch Anstoß daran, wenn jemand sich wegen Depressionen behandeln lässt.
Da ich selbst unter Depressionen leide (neben der Schizophrenie) kann ich nachempfinden, wie man sich fühlt. Eine Mitpatientin hat sich damals während ich in der Klinik war auch das Leben genommen, weil ihr über Monate nicht geholfen werden konnte.
Ich habe das Gefühl, was ich hier schreibe ist ziemlich konfus, aber ich bin so aufgebracht über die ganze Sache. So etwas dürfte einfach nicht passieren. Ich hoffe inständig, dass der aktuelle Fall in der Öffentlichkeit das Bild, das man von Depressiven bzw. Klinikinsassen hat, sich ändert und es etwas mehr Aufklärung gibt.
Mein eigener Mann war übrigens über diesen Selbstmord sehr verärgert. Er hat für sowas kein Verständnis. Er kann sich halt auch nicht vorstellen, wie es ist unter Depressionen zu leiden und man am Leben nicht mehr richtig teilnehmen kann.
Autor Helene
Gast
#2 | Gesendet: 12 Nov 2009 19:32 | Edited by: Helene
Hallo oknos,

wie willst du jemandem helfen, der gezielt nach außen verbirgt, wie schlecht es ihm geht.

Allerdings, warum muss er das verbergen? Die Fußballwelt, die nun trauert, hätte wohl kaum einen schwer kranken, depressiven Torwart geduldet, der sich in der Psychiatrie behandeln lässt. In die Klinik zu gehen hätte wohl sein Leben gerettet, aber auch das berufliche - und vielleicht gesellschaftliche Aus bedeutet.

Gruß, Helene
Autor MariaT
registriert
#3 | Gesendet: 12 Nov 2009 20:28
Hallo,

Helene, da muss ich dir leider Recht geben, das hätte es wohl wirklich bedeutet.

Ich bin selbst schwer depressiv und kenne das.

Leider ist es aber so, dass man zu Depressionen nicht stehen kann. Weder Behörden, noch Arbeitgeber oder andere Leute im Umfeld akzeptieren das. Viele vielleicht schon.

Aber ich selber mache die Erfahrung, dass ich von z.b. meiner Schwester immer total runter gemacht werden, weil sie meint, ich bilde mir das alles nur ein, und ich sei ja gar nicht krank. es sei unverantwortlich und dumm, Tabletten zu nehmen.
Das macht leider alles nur noch schlimmer. Und diese Sprüche kommen eben nicht nur von ihr, aber hauptsächlich. Meine familie glaubt nicht, dass ich depressiv bin, weil man es mir nie angemerkt hat. Nur meine mutter sagt, 'du bist schon immer etwas depressiv gewesen' . Leider hat das kein Arzt erkannt und ich konnte es dadurch gut verstecken. Hätte ich in der Schule oder nachher im Job jemanls erwähnt, dass ich depressiv (=psychisch Krank) bin, hätte mich doch keiner mehr ernst genommen.

Daher kann ich Robert Enke verstehen, dass er nicht wollte, dass das alles raus kommt.
Ich denke, daran ist aber einfach nur unsere oberflächliche Gesellschaft schuld.
Wie wir hier alle wissen, sind nicht wenige Menschen psychisch krank und wir sind trotzdem alle 'normale' Menschen wie alle anderen auch.
Das sollten viele erst mal kapieren und ich hoffe auch, dass durch diesen Selbstmord endlich in die Köpfe der Leute geht, dass das nun mal eine Krankheit ist, die sehr weit verbreitet ist, auch wenn man sie niemandem ansieht.

Liebe Grüße,
Nati
Autor Laura
registriert
#4 | Gesendet: 12 Nov 2009 23:40
Hallo!

Bei Prominenten aus dem Showbusiness gehört es fast schon zum guten Ton, therapiebedürftig zu sein, ob mit oder ohne Drogen, mit oder ohne Beziehungsprobleme.

Sportler hingegen haben das Image, sowohl physisch als auch psychisch vor Gesundheit nur so zu strotzen. Es ist doch nach wie vor ein beliebter Tipp, gegen depressive Verstimmungen mit Sport anzugehen und kaum eine Psychiatrie ohne ihre Gymnastikgruppe und ihre Tischtennisplatte.

Wenn also sogar ein Spitzensportler psychisch erkranken kann, dann ist es "amtlich", dass es nicht nur "bestimmte" Leute trifft.

Niemand kann wissen, ob dieselben Fans und Fussballmuftis, die nun öffentlich ihre Trauer bekunden, bei einem "gewöhnlichen" Menschen aus dem vertrauten Umfeld besorgt reagieren würden, wenn der sich mit Depressionen oder einer anderen psychischen Erkrankung outen würde. Oder ob da solche Sticheleien kommen würden, wie, derjenige würde sich ja nur anstellen und seine Pflichten mutwillig vernachlässigen. Ich finde es dennoch rührend, was da jetzt stattfindet. Es ist traurig, dass es im Fall von Robert Enke zum Äußersten kommen musste, damit seine Depressionen bekannt und ernst genommen werden konnten. Um den Deissler wurde nicht ganz so ein Rummel veranstaltet, als der sich frühzeitig mit seinen Depressionen geoutet hatte. Aber vielleicht wird es in naher Zukunft mehr Promis geben, die sich lieber outen und somit etwas aufs Spiel setzen (wobei die ja oft finanziell schon mehr als ausgesorgt haben) als es auf eine verzweifelte Selbsttötung ankommen zu lassen.

Die Suizidgefahr belegt ultimativ das Gravierende an einer psychischen Erkrankung. Wer sich jetzt noch leichtfertig über Depressionen äußern will, macht sich zwangsläufig unbeliebt.

Und wenn es einen Sympathieträger wie Enke trifft, dann kommen wir psychisch Kranken ein Stück mehr von unserem "Schmuddelkinder"-Image weg.

Mann, das klingt jetzt so, als würde ich diesen tragischen Fall für unsere Sache instrumentalisieren wollen. Die Leute, die ich gekannt habe, die sich aufgrund einer psychischen Erkrankung umgebracht haben, kommen allerdings nicht in die Presse und da sagt kein Mensch, dass ganz Deutschland um sie trauere.

Wie auch immer, ich hoffe, dem Enke geht es gut, dort, wo er jetzt ist und dass seine Witwe bald wieder auf dem Damm ist und sie sich keine unnötigen Vorwürfe macht.

VG

Laura
Autor soria
registriert
#5 | Gesendet: 12 Nov 2009 23:44 | Edited by: Admin
...

Ich glaube nicht, dass sich jemand aus der Verantwortung stiehlt, der sich suizidiert - sondern dass dieser Mensch keinen Ausweg mehr für sich sieht.
Und Selbstmord ist ein genauso blöder Begriff wie Freitod....
Autor oknos
Gast
#6 | Gesendet: 13 Nov 2009 00:53 | Edited by: Admin
Kein weiterer Kommentar mehr... von mir.

...
Autor oknos
Gast
#7 | Gesendet: 13 Nov 2009 01:17 | Edited by: Admin
Klick Klack...
Gute Besserung wünsche ich noch allen anderen hier...
>Ciao<
Autor Paulina
registriert
#8 | Gesendet: 13 Nov 2009 07:54
Morgen

Es ist traurig und schlimm, wenn jemand diesen Weg wählt. Auch, dass man als Außenstehender nichts verhindern kann, trotz aller Fürsorge.
Was ich aber nicht nachvollziehen kann, warum ein zweiter Mensch mit ins Unglück gezogen wurde. Der Lokführer muss nun sehen, wie er mit diesem Erlebnis fertig werden kann.
Viele können ihren Beruf ein Leben lang nicht mehr ausführen, weil sie die Bilder nicht verarbeiten können.
Warum vor einen Zug, Fahrzeug springen? Das versteh ich nicht.

LG Paulina
Autor Sanjo
registriert
#9 | Gesendet: 13 Nov 2009 10:53 | Edited by: Sanjo
@ Oh upsi, was ist denn hier los...??

Ich bleibe mal beim Ausgangsthema von Trixie - dem Thema Depression.

Ich habe seid Jahren eine sogeannte mittelgradige Depression
( inzwischen chronisch. Man könnte auch sagen - es tut gleichmäßig weh.

2006 hatte ich über Monate eine sehr schwere Depresssion und war teileise noch arbeiten. Hilfe habe ich von allen Seiten erfahren und ich habe mich dafür geschämt, dass diese Hilfe nicht half!! .. was alles noch schlimmer machte. Ich versuchte, so gut es ging, die Fassade zu wahren, was dann immer weniger gelang.

Dem vorrangegangen war eine Brustkrebserkrankung, mit Amputation einer Brust und allen Lyphknoten aus der Armachsel.
10 Ops folgten.

Aber das alles zusammen war besser auszuhalten, als die von mir erwähnte schwere Depression!!

Ich finde leider keine treffenden deutsche Vokablen dafür, um diese wenigstens annähernd beschreiben zu können!!

Eine Medikamentenumstellung auf AD und Tavor, hat mir dann nach und nach geholfen.

Wer sich für den Freitod entscheidet, weil es nicht mehr aushaltbar ist ...man nicht mehr atmen kann, schreien geht nicht!! ...weinen geht nicht!! Nichts geht mehr! 24 Stunden täglich unermäßliche Qualen ... !!

Ich verurteile nicht!!, wenn man dann an nichts mehr anderes, als an die eigene Befreiung denkt!!

Das Recht, so bitter es für die Angehörigen ist, sollte man aus meiner Sicht, jeden Menschen lassen. Genauso wie das Recht auf friedliches Einschlafen in Würde, bei unheilbaren Krankheiten.

LG
Sanjo
Autor Heidi
Gast
#10 | Gesendet: 13 Nov 2009 11:25
Hi Oknos,

ich habe deine Gedanken nicht mehr lesen können, waren offensichtlich politisch äußerst inkorrekt. Meine Meinung zu diesem Thema ist es auch - deshalb halte ich hier lieber meine Klappe, will ja nicht noch einen Sturm lostreten.

Sehr richtig Sanjo, es geht auch um das Recht auf Selbstbestimmung, selbst wenn die Entscheidungen in den Augen der überwiegenden Mehrheit der anderen irrational sind.

Aber den Lokführer da mit reinzuziehen, dass ist einfach nur rücksichtslos. Man macht sich darüber in dem Moment natürlich weniger Gedanken, aber ich finde, die Presse sollte das thematisieren und zwar nicht nur in einem Nebensatz.

Heidi
Autor Nomi
registriert
#11 | Gesendet: 13 Nov 2009 13:30
Das Recht, so bitter es für die Angehörigen ist, sollte man aus meiner Sicht, jeden Menschen lassen.

So sehe ich das auch Sanjo und dein Leidensweg ist ähnlich wie der meinige. (s. starke Schmerzen und, und, und) Bei mir ist es aber kein Krebs, jedenfalls noch nichts festgestellt.
Ich freue mich echt das du deine innere Ruhe und deine Kraft wieder gefunden hast. *drück ganz doll*
Autor soria
registriert
#12 | Gesendet: 13 Nov 2009 14:14
Wenn Oknos seinen Beitrag einfach löscht, anstatt zu seiner Meinung zu stehen, finde ich das ehrlich gesagt schade.......
Ich überlege mir doch vorher, was ich hier schreibe.......ob ich das vertreten kann.
Autor oknos
Gast
#13 | Gesendet: 13 Nov 2009 14:57
Schau gerade noch mal herein. Also, zu meinen Beiträgen, auch den gelöschten, kann ich absolut stehen, hab ich kein Problem mit. Sie sind auch korrekt gewesen. Aber ich gebe sie Euch nicht mehr. Warum einige andere hier noch schreiben, ist mir auch ein Rätsel. Jedenfalls will ich nicht mehr zu dem Club hier gehören.
Oknos
Autor admin
Admin
#14 | Gesendet: 13 Nov 2009 16:08
@ all,

leider mussten einige Beiträge in diesem Thread gelöscht werden, weil sie destruktiv und kränkend waren und dazu noch am Thema vorbei.

Gruß
admin
Autor cameron
registriert
#15 | Gesendet: 13 Nov 2009 19:06
@oknos:

das meiste, was man mit wachem Verstand in Internet-Foren schreibt, ist eh Perlen vor die S**e.

Millionäre wie Deissler und Enke haben im Gegensatz zu Unsereins jederzeit die Möglichkeit, Vorzugsbehandlung bei Ärzten zu genießen. Die "interessierte Öffentlichkeit" (Bild-Zeitungs-Leser etc.) ist m. E. bloß sensationshungrig wie immer.

Ich habe es vor einigen Jahren aufgegeben, mir Mühe zu geben, tolerant zu sein. Obwohl ich selbst an chronischen Depressionen leide, habe ich wenig Verständnis für Suizid und finde ihn ziemlich feige, zumal wenn man Frau und Kind zurück lässt.

cameron
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