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vergangenheit vergessen und ignorieren?

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Autor bigcoder
registriert
#16 | Gesendet: 8 Nov 2004 02:41
OK, ich versuche jetzt alle Fragen zu beantworten und Alles zu verstehen. (Entschuldigt, wenn ich was übersehe oder vergesse.)

Wie nehme ich euch wahr:
Ich bin mir nicht sicher. Da ich kein Gefühl für andere Menschen aufbauen kann, fällt mir diese Frage schwer. Ich denke, ihr seit Menschen mit Erfahrung. Menschen mit Erfahrung in "Schizophrenie".

wünsche ich mir, mein Leben währe anders verlaufen?:
Eindeutig, JA! Wie hier sicher bekannt ist, hätte ich mir gewünscht, das man mich und meine Probleme ernst nimmt. Probleme werden erst ernst genommen, wenn Dies für Andere auch ein Problem ist. (Meine Mutter hatte erst was gegen meine Suizidpläne, als ich das Diplom hatte. Auffällig, nech?) Damals hat sich kein Arsch um mich gekümmert. Heute wird im "grossen Stiel" versucht, mich vom Leben zu überzeugen. (Warum nur?)

wie hatte ich mir meine Zukunft vorgestellt?:
Nun, ihr sagtet ja selbst, das Ablenkung eine "Lösung" - oder zumindest ein "Lösungsansatzt" ist. Hätte ich den "tollen Job" geschaft, hätte ich mich tag ein, tag aus, mit "Informatik" (und mit meiner Sexualität) beschäftigt. - Die anderen Probleme währe ich dann so nebenher angegangen. (Hatte ja Nichts akutes mehr.) - Durch die Psychose ist meine ganze Vergangenheit wieder hoch gekommen.

Das Gedicht ist schön ... ich kann mich in den ersten beiden zeilen wieder erkennen. - so mit "kleinen Zielen". ... mir hatte es schon immer geholfen, über probleme "zu schlafen". - Nun, sagen wir fast immer.

Hoffe, ich habe Nichts vergessen.

MfG Michael alias BigCoder
Autor Gast
#17 | Gesendet: 8 Nov 2004 11:35
Hallo bigcoder,

ich frage mich, warum Dein Denken nur noch um das Thema Informatik und Sexualität kreist. War Deine Psychose nicht hart genug- frage ich mich?
Bei meinem letzten Arztbesuch wurde ich von einem Arzt ganz dreist nach meinem Sexualleben vor und nach der Erkrankung befragt, während ich von ihm ein paar Antworten auf meine seelischen Problemchen (soziale Stigmatisierung) erwartet hätte. Auf meine Fragen ist er nicht eingegangen- nein. Diesen Arzt, den ich nur einmal aufsuchte, werde ich nicht mehr kontaktieren.
Ich bin auch schon öfters im Internet von Psychotikern auf dieses Thema angesprochen worden.
Weißt Du was? Ich bin dieses Sex-Thema leid!
Ich könnte auch ohne Sex leben- von mir aus auch ins Kloster gehen- ganz ehrlich- wenn nur diese schreckliche Erkrankung, welche mir wirklich Qualen bereitet hat, nie wieder ausbricht!
Und wenn Dich ein Mensch kennenlernt und gern hat, dann nimmt er Dich auch mit Deiner veränderten Sexualität an.

Was ich nicht begreife, ist, dass Du Dein Denken nicht mehr auf Dein psychisches/seelisches Wohlbefinden- unabhängig von Job etc.- lenkst.
Seit langer Zeit habe ich gar keine Gedanken mehr für meine Jobsituation usw.
Ich besuche gerade die "Schule des Lebens", welche mich in meinem Denken und Fühlen etwas weiterbringen soll. Ich versuche dieser Erkrankung etwas Positives abzugewinnen, indem ich mir sage, dass ich an dieser Erkrankung wachsen und reifen kann und die Bewältigung meiner Lebenskrise auch schon eine unbezahlbare Leistung darstellt.

Vielleicht erkennst Du auch irgendwann, dass eine schwere Krise auch einen Sinn haben kann.

Grüsse
Autor Gast
#18 | Gesendet: 8 Nov 2004 15:17
Übrigens habe ich in "Schizophrenie" auch nicht mehr Erfahrung als Du, denn meine Psychose ist erst zwei Jahre her.
Ich dachte, ich wäre ein hoffnungsloser Fall, aber Deine Beiträge geben mir zu erkennen, dass es noch eine Steigerung gibt!


Grüsse
Autor Gast
#19 | Gesendet: 8 Nov 2004 15:26
:-)
Gruß S.
Autor Gast
#20 | Gesendet: 8 Nov 2004 15:33
Bigcoder,

ich habe mich gerade für einen Kurs bei der VHS "Neurobic" angemeldet, da ich festgestellt habe, dass ich ziemlich vergesslich geworden bin.
Vielleicht hilft es mir, meine geistige Leistungsfähigkeit wieder zu steigern.
Vielleicht bringt es aber auch gar nichts!
Dann war es zumindest eine neue Erfahrung für mich, etwas Neues, was mein derzeitiges Leben bereichert.
Und wenn ich glaube, dass ein anderer Kurs mehr bringt, dann werde ich es damit auch noch versuchen... .
Immer weiter, denn ich möchte ja nicht auf der Stelle stehenbleiben!

Grüsse
Autor bigcoder
registriert
#21 | Gesendet: 9 Nov 2004 02:04
Ich habe meine psychose eigentlich nicht so ganz mitbekommen. - Ich hatte mehr Suizidgedanken als normal und habe auch ungewollte Suizidversuche, aber mehr nicht.

OK, das ist schon sehr "hart" (für Einige), aber da ich schon lange suizidgefährdet bin, sehe ich das als "nicht so dramatisch". - Muss ich halt etwas aufpassen. Vielleicht habe ich das Ausmas der Krankheit noch nicht begrifen, aber im Moment stören die Probleme durch die neuroleptiker mehr, als die Psychose.

Mittwoch habe ich einen Termin bei meiner Psychiaterin. (Warum? Weil ich gestern die Tabletten abgesetzt habe.) Die wird zwar von meinem besuch nicht begeistert sein, aber vielleicht bringt MICH der besuch etwas weiter.

Ach ja - ich habe keine "veränderte Sexualität" jetzt, ich habe "gar keine Sexualität"! Und Sowas passiert mir, nachdem ich meine Sexualität gerade erst akzeptiert habe. Alles, was bei mir irgendwie "gut" wird, wird mir genommen, egal, was ich mache.

Eine meiner "Hoffnungen" ist das verhasste "Arbeitslosengeld 2". Noch habe ich Hoffnung, das ich ab nächstes jahr mehr Geld zur Verfügung habe. (Dieses jahr muss ich Schulden machen, um Schulden zu bezahlen.)

Eine weitere Hoffnung ist, das ich die Tabletten bald absetzten kann. Ich bin ja im Moment dabei aus zu schleichen (und werde vorher das Medikament wechseln). - Vielleicht finde ich ja ein Medikament, welches mich nicht so blockiert.

Und noch eine Hoffnung für die Zukunft habe - und - das ist auch tatsächlich mal was Positives, was ich durch diese Krankheit habe:
So viele soziale Kontakte und so viele menschen, die mir helfen, wie ich jetzt habe, hatte ich bissher noch nie. Ich habe den Sozial psychiatrischen Dienst, der sich um mein "Seelenleben" kümmert. Dann noch meine betreuerin (vom ambulant betreutem Wohnen), die mir bei praktischen Dingen hilft. (Kann sein, das Dies nächstes Jahr weg fällt.) meine Mutter hilft mir (neuerdings) bei verschiedenen Dingen. Und nicht zu vergessen, die vielen Kollegen und Freunde, die ich jetzt durch "Fachoberschule" und "Fachhochschule" kennen gelernt habe. - nagut, für euch ist das vielleicht wenig (so 3 Freunde), aber für mich ist das schon sehr viel. - Und - ganz wichtig - ich habe meine Kontakte über das Internet. (Z.B. euch!)

hach, seit ich die Tabletten abgesetzt habe, fühle ich mich irgednwie besser - irgendwie mehr "mich selbst". Aber das wird (auf Grund der sog. Absetzt-psychose) warscheinlich nicht lange gut gehen. - Aber Mittwoch versuche ich ein neues Medikament durch zu setzten.

MfG Michael alias BigCoder
Autor Gast
#22 | Gesendet: 9 Nov 2004 12:23
Bigcoder,

was Freundschaften angeht, möchte ich Dir sagen, dass nicht die Quantität, sondern die Qualität zählt. Was nützt es Dir, wenn Du zehn Freunde um Dich scharst, die Dich hängenlassen, wenn Du ganz tief sinkst. Es ist nur wichtig, dass Du überhaupt Menschen hast, denen Du Dich anvertrauen kannst, die ehrlich sind, die Deine Freude aber auch Dein Leid mit Dir teilen, die Dir helfen, Deine Konflikte zu bewältigen und Dir treu bleiben, auch wenn Du Dich im Laufe der Zeit veränderst, Menschen, die Dich annehmen, so wie Du bist.
Ein Mensch kann von vielen Menschen umgeben sein und dabei doch sehr einsam sein. Alleinsein und Einsamkeit haben deshalb nicht viel miteinander zu tun.
Ich glaube, dass es für Schizophrene, die ja oft sehr misstrauisch sind und sich zurückziehen, wenn sie sich (oftmals grundlos)angegriffen fühlen, wichtig ist, dass sie einfach nur gute Kontakte, positive Erlebnisse mit Menschen haben.
Dabei ist es völlig egal, wo sie Menschen begegnen, ob nun beim sozialpsychiatrischen Dienst, im Supermarkt, im Stammcafe, im Verein, bei einer öffentlichen Veranstaltung, im Verwandten-Freundeskreis... .

Freut mich, dass Du wieder positive Gedanken hast!

Grüsse
Autor bigcoder
registriert
#23 | Gesendet: 9 Nov 2004 14:42
Danke!

Dann habe ich ja schon viel erreicht (und viel Glück gehabt!)

MfG Michael alias BigCoder
Autor Gast
#24 | Gesendet: 20 Nov 2004 13:57
Hallo bigcoder
ich habe jahrelang quasi in der Vergangenheit gelebt und konnte einfach nicht mit ihr abschließen, da das Erlebte mich viel zu sehr belastet hat. Ich war dadurch nicht in der Lage Freundschaften aufracht zu erhalten oder neue Freunde zu gewinnen.
Jetzt habe ich den Entschluß gefasst und meinen Psychiater auf eine Trauma Therapie angesprochen und er hat mit mir eine Passende Therapeutin vermittelt. Sie kann zwar nichts ungeschehen machen, aber man merkt schon das sie ein kompetenter Gesprächspartner ist, der mir auch neue Ansichten gibt und Wege aufzeigt, um aus diesem Dilemma heraus zu kommen.
Es ist jedenfalls besser als sich alleine mit seiner vergangenheit herumzublagen. Und Freunde habe ich gelernt , sind damit leider überfordert.
Viele GRüsse
Die kleine Hoffnung
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