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Mit Schwächen abfinden fällt schwer

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Autor Chromedust
registriert
#16 | Gesendet: 9 Mai 2013 15:48
emmaus2013:
Allerdings ist meine Stimmung ziemlich schnell umgeschlagen und ich brauchte wieder eine höhere Dosis.

Das dürften die Absetzsymptome sein, dein Gehirn braucht eine Weile bis es sich an eine geringere Dosis gewöhnt hat, so wie es eine Weile braucht um sich an das Zeug zu gewöhnen.

Wenn du von dem Zeug weg willst musst du da durch.

Du machst dir viel zu viel Stress. Darum KÄMPFEN daß deine Beziehung und Arbeit läuft ist nichts was sinnvoll ist mit einer psychischen Krankheit.

Vieleicht wäre es sinnvoll eine Reha zu machen und dort in einer stressreduzierten Umgebung die Medikamentenreduktion anzugehen.
Autor emmaus2013
registriert
#17 | Gesendet: 21 Jan 2014 21:03
Letzten Mai schrieb ich von meinen Problemen auf der Arbeit und meiner Angst vor Entlassung und Abstieg. Damals hatte ich geschrieben, dass ich versuchen wolle zu kämpfen und das beste aus meinen Möglichkeiten zu machen.

Gestern hatte ich Jahresfeedback mit meinem Chef. Aus seiner Sicht habe ich seine Erwartungen zu seiner vollsten Zufriedenheit erfüllt, teilweis sogar übererfüllt. Meine Entwicklung vom schusseligen Träumer zu einem vollwertigen Mitarbeiter sei bemerkenswert.

Die radikalste Entscheidung war sicher, keinen Alkohol mehr vor Arbeitstagen zu trinken. Wir haben leckeren Wein im Keller, nichts hochwertiges aber selbst beim Winzer verkostet und nach meinem Geschmack ausgesucht. Davon hab ich durchaus mal eine Flasche abends getrunken. Damit war seit Juni Schluss. Hat mir gut getan, zumal ich immernoch meine Erhaltungsdosis an Fluanxol und Lithium habe, vielleicht hat da vorher was miteinander reagiert. Ansonsten habe ich einfach versucht, Fehler zu vermeiden und "das beste draus zu machen".

Ich kann nur sagen, dass es sich lohnt, sich nicht in sein Loch zu verkriechen und der Welt beim untergehen zuzusehen, sondern das beste aus den eigenen Möglichkeiten zu machen.

Diesen Sommer werde ich Vater. Ich freu mich, dass ich mir um meine Arbeit erstmal keine Sorgen mehr machen muss.
Autor Chromedust
registriert
#18 | Gesendet: 21 Jan 2014 22:14
emmaus2013:
Habt Ihr auch noch nach Jahren (bei mir sind es 4) Verbesserungen Eurer Leistungsfähigkeit gesehen?

Zumindest ein Teil des Problems dürfte an den Medikamenten liegen die du derzeit nimmst, nicht an der Krankheit.
Autor totalnormal
registriert
#19 | Gesendet: 21 Jan 2014 22:24
emmaus2013:
Hallo Forenmitglieder, ich suche ein bisschen Lebensweisheit von Euch. Ich hatte meine erste Psychose 2007 während des Studiums. Es war ein brutaler Absturz mit Selbstmordversuch, Geschlossener und 4 Monaten im Krankenhaus. Dann habe ich mein Studium abgeschlossen, mir einen zu anspruchsvollen Job gesucht, und der nächste Einbruch kam 2009, nicht so heftig wie der erste aber 3 Monate Krankenhaus waren notwendig.

Mein Leben war bis zum ersten Absturz sehr sanft verlaufen. Sehr gutes Abi, gutes Studium, nie Leistungsschwächen, es lief einfach alles. Ich war nirgendwo der Beste aber immer über der Mitte.

Nach der zweiten Episode bekam ich über einen Freund einen Job in seiner kleinen Firma. Seine Mitarbeiterin = meine Chefin hasste mich vom ersten Tag an. Ich machte Fehler, ich war nicht leistungsfähig genug. Mit Riesenglück bewarb ich mich erfolgreich weg zu einem Weltkonzern. Lockere Arbeitszeiten, Stress den ich aushalten konnte, ein Gehalt das für eine Familie reicht. Fast zeitgleich lernte ich meine Traumfrau kennen, inzwischen sind wir verheiratet. 2009 war ich verzweifelt gewesen. Würde ich jemals meinen Platz finden? Eine Frau, einen guten Job? Mein damaliger Job reichte nichtmal für eine eigene Wohnung, ich lebte nach 10 Jahren wieder bei meinen Eltern, alles andere als mein Traum. Eine Partnerin war nicht in Sicht, das war für mich Grundvoraussetzung für mein Glück. Ich hatte Angst, nie wieder richtig glücklich zu werden. Heute habe ich objektiv diese Dinge und könnte zufrieden sein.

Aber jetzt kommt das Problem. Ich komme im Job nicht so zu Recht. Ich bringe nicht die gewünschte Leistung. Mein voriger Chef hat mir vor Monaten ein Abfindungsangebot auf Basis gegenseitigen Einverständnisses gemacht, da ich für eine weiterführende Stelle nicht zu gebrauchen sei. Ich nahm das Angebot nicht an, wollte natürlich bleiben. Bekam dann einen anderen Job. Aber auch mein neuer Chef ist unzufrieden, manche Kritikpunkte kenne ich noch aus meinem Job mit der Hasschefin aus 2009. Wie oben gesagt: Vor der Krankheit lief alles rund, ich bin im Studium durch keine Klausur gefallen, was nur wenige schafften. Und jetzt denke ich, irgendwann rationalisieren sie mich weg. Zumindestens muss ich beim nächsten Effizienzprogramm wieder Sorge um meinen Verbleib haben.

Meine Fragen:
Habt Ihr auch noch nach Jahren (bei mir sind es 4) Verbesserungen Eurer Leistungsfähigkeit gesehen? Könnt Ihr meinen Frust verstehen oder sollte ich mich mit der Situation abfinden und Ruhe geben, genießen solange ich den Job habe und irgendwann andere Wege gehen, wenn ich geflogen bin? Mir fällt es schwer, von meinen Chefs als der Leistungsschwache gesehen zu werden, in jedem Teammeeting einen drauf zu bekommen, weil wieder was nicht perfekt ist. Darf ich insgeheim diese Schwächen auf meine Krankheit schieben? Gewöhnt man sich daran, ins hintere Leistungsdrittel im Team abzurutschen? Mir geht es nicht um Karriere. Ich will einfach nur friedlich meinen Arbeitsalltag absolvieren, gute Leistungen honoriert bekommen und mir keine Beine ausreißen oder wieder meine Gesundheit gefährden.

Das war ein langer Text. Ich würde mich riesig über ein paar weise Worte von Euch freuen und danke Euch fürs Lesen!

ja ich wollte schon die ganze zeit auf den ersten beitrag im theard antworten und mich auessern und merkte erst spaet das er schon so lange her ist

was du beschrieben hast ist auf messersschneide
es hoerte sich fuer mich so an als haettest du ein motivationsproblem gehabt. das durch den abbruch der beziehung und der verlust (weil du schreibst das dir die beziehung so wichtig ist und alles) die leistungsbereitschaft gesunken ist

man kann das aber auch so interpretieren das du durch deine psychosen auch leistungsschwaecher geworden bist

mein ziel war es in der antwort auf deine motivation zu zaehlen und diese anzusprechen und zu aktivieren aber es wenn du am rande an einer neuen psychose gewesen waerst auch nach hinten haette losgehen koennen

schoen das du dich durch geboxt hast das freut
leistungsbereitschaft und hartes an sich arbeiten lohnt sich
ich stecke auch gerade in einer aenlichen phase und weiss nicht wie ich mich entscheiden will ich versuche das positivste draus zu machen

und das du damals auf den deckel bekommen hast solltest du nicht zu persoenlich nehmen sondern es war wohl eine reflektion deiner leistungsschwaeche sei sie nun auf den verlust und die motivationslosigkeit zurueckzufuehren oder auf die psychose wannabe ankuendigungen

das ist ein tolles beispiel
Autor Jonny
registriert
#20 | Gesendet: 21 Jan 2014 22:51
Hallo emmaus2013,

vielen Dank für dein ausführliches Schreiben - es tut gut, Mitstreiter zu treffen. Danke auch für deine Rückmeldung! Es freut mich, dass es dir scheinbar gut geht und hoffe, dass es in allen Bereichen so bleibt.

Schöne Grüße

Jonny
Autor konfusius
Gast
#21 | Gesendet: 22 Jan 2014 08:47 | Edited by: konfusius
emmaus2013:
Hat mir gut getan, zumal ich immernoch meine Erhaltungsdosis an Fluanxol und Lithium habe, vielleicht hat da vorher was miteinander reagiert.

Ich finde es bemerkenswert, wie gut Fluanxol, das doch eigentlich ein sehr altes Medikament ist, bei vielen mit Diagnose Schizoaffektive Psychose hilft. Vor allem die Kombination mit Lithium oder Carbamazepin scheint richtig gut zu sein. Ich habe Fluanxol und Carbamazepin.
Zwar habe ich mittlerweile schon länger Rente, aber davor auch sehr lange einigermaßen erfolgreich gearbeitet. Dann hat zu großer beruflicher und persönlicher Stress zur Berentung geführt.
Autor Laura
registriert
#22 | Gesendet: 22 Jan 2014 11:41
Hallo emmaus!

Das sind ja tolle Neuigkeiten! Herzlichen Glückwunsch!

LG

Laura
Autor emmaus2013
registriert
#23 | Gesendet: 17 Okt 2017 21:43
Liebe Forenmitglieder,

Dreieinhalb Jahre sind meine traurigen Zeilen her. Und da ich tatsächlich noch mein Passwort gefunden habe schreibe ich euch jetzt.

Ich bin immer noch in derselben Abteilung beim selben Arbeitgeber, hatte seit 2014 den fünften Chef und bin seit 2014 ein geschätzter Mitarbeiter. Inzwischen gibt es ein Leistungsbewertungssystem, ich habe immer alle Ziele erreicht und fühle mich wohl auf der Arbeit und gehe gerne hin.

Karriere habe ich nicht gemacht, aber allein das Wissen ohne schlechtes Gefühl und Angst vor Ärger zur Arbeit zu gehen ist einfach Gold wert.

Inzwischen sind wir um zwei Kinder reicher, wir entscheiden in 2 Jahren ob die Kraft für ein Drittes reicht und auch ansonsten gibt es immer wieder viel Schönes im Leben meiner Familie.

Ich danke Euch für die Unterstützung damals. Niemand hätte vor 10 Jahren, als ich mitten in der Krise lebte, gedacht, dass ich jemals wieder so positiv auf mein Leben blicken könnte, wie nun schon seit so vielen Jahren.

Es lohnt sich zu kämpfen!
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