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Können Schizophrene (wahre) Liebe empfinden?

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Autor Alice
registriert
#1 | Gesendet: 11 Jul 2014 13:58
Hallo ihr Lieben,

ich bin vor ca. 2 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt und war seit dem öfter stationär in der Klinik. Jetzt habe ich eine neue Beziehung angefangen, weil ich leider kaum noch Gefühle für meinen -nun Ex-Freund- aufbringen konnte. Natürlich hat mich die Trennung verletzt und ich habe auch so etwas wie Vertrautheit,Zuneigung und Zusammengehörigkeit gefühlt aber es war keine echte Liebe. Ich habe sehr gehofft, dass sich das in meiner neuen Beziehung ändert, jedoch ist es wieder nur dieses Gefühl der Vertrautheit. Solche Dinge wie kuscheln oder Nähe allgemein sind mir total fern. Von daher fragt es sich für mich, ob Schizophrene überhaupt Liebe empfinden können (wenn es so etwas wie die große Liebe überhaupt gibt) oder ob es nur bei mir so ist. Es würde mich freuen, wenn ihr mir von Euch berichten könntet, wie es bei euch ist? Gern auch per PN!

Liebe Grüße,

Alice
Autor Psyche
registriert
#2 | Gesendet: 11 Jul 2014 14:00
Liebe können sie wie normale Menschen empfinden, aber unter Medikamenteneinfluss ist das eher schwierig seine Gefühle leben zu können.
Autor Chikita
registriert
#3 | Gesendet: 11 Jul 2014 14:14
Kommt denke ich auf die Medikamente an..,
Psyche:
aber unter Medikamenteneinfluss ist das eher schwierig seine Gefühle leben zu können

Autor Chikita
registriert
#4 | Gesendet: 11 Jul 2014 14:16
Und auf die Dosierung natürlich auch.,
Autor Alice
registriert
#5 | Gesendet: 11 Jul 2014 14:41
Also ich nehme z.B. 20mg Abilify und 2mg Risperidon. Letztes macht unheimlich lustlos auf alles.
Autor LuckyLive
registriert
#6 | Gesendet: 11 Jul 2014 14:44
Ja, ich denke, man kann durchaus richtig verliebt sein als jemand, der eine Psychose gehabt hat; nur ob man geliebt werden kann, wenn man immer etwas depressiv und antriebslos ist, das ist eine andere Frage..

Und da du ja einen Partner gefunden hast, scheint die Sache doch ersteinmal positiv zu sein..


LG
Autor Cappu_ccino
registriert
#7 | Gesendet: 11 Jul 2014 14:47
Liebe ist nur eine Beyiehungsstruktur auf der bio/chemischen Ebene. Es sind immer so viele Dinge, die man in eine Beyiehung hinein interpretiert. Wenn Vertrautheit da ist, reicht das doch f[rs erste oder-
Autor ingo
registriert
#8 | Gesendet: 11 Jul 2014 16:35 | Edited by: ingo
@ ronn, stell mal deine tastatur auf deutsch um.

@ alice, der witz ist, psychotisch erlebt man liebe, sex und orgasmen viel intensiver. den umkehrschluss brauche ich wohl nicht erklären.
Autor AphroditEsChild9
registriert
#9 | Gesendet: 11 Jul 2014 18:08
@Alice:

>>Können Schizophrene (wahre) Liebe empfinden?<<

Nach meiner Einschätzung gibt es _keine_ Wahrheit. Es gibt einen Moment. Und der ist verhandelbar, über ein Gefühl und/oder Sachverhalt.

>>Also ich nehme z.B. 20mg Abilify und 2mg Risperidon. Letztes macht unheimlich lustlos auf alles.<<

Ist das immer so? Kein Antrieb? Bleibt es so, solltest Du es mit Deiner Ärztin besprechen.

Freundlichen Gruss

F25.9
Autor Alice
registriert
#10 | Gesendet: 11 Jul 2014 21:53
Die meisten scheinen ja sehr rational mit dem Thema Liebe hier umzugehen,
das überrascht mich etwas.

@AphroditEsChild9
Nein, es war nicht immer so, dass mein Antrieb vermindert war, das kam durch die NL.
Autor AphroditEsChild9
registriert
#11 | Gesendet: 11 Jul 2014 23:19
@Alice:

>>Die meisten scheinen ja sehr rational mit dem Thema Liebe hier umzugehen,
das überrascht mich etwas.<<

Liebe, wie Mensch sie definieren mag, kann von Mensch sooooo stark empfunden werden, dass es Mensch nicht mehr gut tut.

Eine "Entmachtung" DER Liebemacht Sinn. Es schont die Gesundheit.

>>Nein, es war nicht immer so, dass mein Antrieb vermindert war, das kam durch die NL.<<

Wie lange nimmst Du NL?

Freundlichen Gruss

F25.9
Autor Gammelfleisch
registriert
#12 | Gesendet: 12 Jul 2014 00:21
Also meine letzte Affäre hat mich komplett aus meiner "Nichtfühligkeit" rausgerissen in ein angenehmes Hoch und als es vorbei war fand ich es sogar gut, dass ich traurig war; besser so als eben "nichtfühlig".
Autor tenderboy
registriert
#13 | Gesendet: 17 Jul 2014 21:34
Können? Auf jeden Fall.

Doch ist es wahrscheinlich? Überhaupt nicht. Das liegt aber WIRKLICH nicht daran, dass man es nicht kann, sondern einfach nur, an den Umständen, Tabletten und Umfeld. Alles zusammen führt dazu, dass man sowohl abgestumpft erscheint als auch unfähig Liebe zu fühlen.

Ist aber meiner Meinung nach nicht unmöglich
Autor willmit
registriert
#14 | Gesendet: 18 Jul 2014 02:51
Ureigene Kräfte...

genau das Thema hatte ich gerade mit meiner Freundin, ich reflektierte meine Liebe zu ihr und ihre zu mir. Sie ist immer für mich da, ständig präsent und so verständnissvoll, während ich durch die Medikamente sehr abgestumpft bin und wenig Emotionen zeige. Ich ärgere mich den Zugang zu meinen Ureigensten Kräften verloren zu haben. Ich habe mit meinem Willen viel beeinflussen können, zumindest sportlich gesehen. Ziele zu erreichen die mich am Aufgeben hindern, das lernte ich bei der Bundeswehr. Genauso die Liebe, meine Leidenschaft, das Verlangen und meine Kreativität. Das alles oder überhaupt spielte in sich zusammen, dann gab es für mich Schlüsselreize die ich abrufen konnte.

Jedenfalls bevor ich Xeplion verordnet bekommen habe. Zudem teste ich gerade Abilify in kombi mit Xeplion um auch sexuell die Beziehung nicht zu strapazieren. Selbst als die hebevrene Schizophenie diagnostiziert wurde und ich unregelmäßig Zyprexa nahm, empfand ich Liebe. Meine Herzenergie ist irgendwie blockiert. Schizophrenie halt, Zwerchfell, Seelenabspaltung, Zwiespalt von Körper und Geist... irgendwie ist es schon grausam mit den negafivsymptomen aber auch wahnsinnig weitsichtig und fantastisch mit den positivsymthomen.
Autor Himbeere
registriert
#15 | Gesendet: 18 Jul 2014 08:58
Hallo Alice,

ich denke schon, dass viele noch richtig lieben können. Nicht alle Schizophrenen empfinden gleich stark. Manche sind sehr empfindlich, andere, wie ich, empfinden nichts mehr. Kannst Du denn noch Gefühle wahr nehmen? Wie steht es mit Freude und Traurigkeit? Spürst Du noch was? Wenn ja, kannst Du, denke ich, auch noch richtig lieben.

Ich bin trotz Gefühllosigkeit noch mit meinem Partner zusammen. Es ist nicht nur die Gewöhnung. Ich brauche ihn und wir gehören zusammen. Auch ich habe kein Verlangen nach Zärtlichkeiten und er hat es akzeptiert. Wir geben uns nur noch einen Kuß zur Begrüßung und zum Abschied. Mehr findet bei uns nicht statt.

Problematischer finde ich, die innere Leere bei den Gefühlen und im Kopf. Ich habe einfach nichts zu erzählen und wir schweigen die meiste Zeit wenn wir zusammen sind. Es ist keine lebendige Beziehung mehr. Wir sind fast wie ein altes Ehepaar.

Emotionslosigkeit muß nicht immer an den Medikamenten liegen. Es kann auch ein Negativsymptom der Erkrankung sein.

Für Deine neue Beziehung wünsche ich Dir alles Gute!

LG HImbeere
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