Laien und Betroffene Diskussionsforum des Kompetenznetz Schizophrenie / Laien und Betroffene /
Short link for this topic:

Take These Broken Wings - Psychosen heilen ohne Medikamente - Doku Youtube

Page  Page 3 of 7:    1  2  3  4  5  6  7   
Autor fototelekronidas
registriert
#31 | Gesendet: 23 Jan 2016 12:24 | Edited by: fototelekronidas
Deswegen... anstatt dass man vorgegaukelt bekommt, dass man etwas hilfreiches bekommt, sollte klar sein bei den Medis, dass einem etwas eigenes genommen wird. Nämlich Willenskraft (und Gleichgewicht im Körper). Und diese ist auch wichtig für ein gutes Leben.

Ansonsten braucht es ja keine Therapie, wenn man sinnvollen Tätigkeiten nachgehen kann, bzw. darf. Mit der Schizophrenie Diagnose darf man das dann nämlich erstmal nicht. Das kann die Lage zusätzlich erschweren und Selbstzweifel enorm verstärken. Damit ist ein "Rückfall-faktor" gesetzt. Auch der Zwang in der Klinik wirkt sich sehr negativ auf das Weltbild besonders bei jüngeren Leuten aus und hat sogesagt traumatisches Potential. Beim Absetzen kann sowas alles hochschwappen. Das ist auf jeden Fall bedenklich.
Autor Cool
registriert
#32 | Gesendet: 23 Jan 2016 14:33 | Edited by: Cool
Habe mir die Doku "Heal These broken wings" jetzt mal angeschaut. Sehr interessant und informativ!
Nur die zwei Beispiele sind für mich weniger Schizophrenie sondern viel mehr dissoziative Störung mit Traumata.
Es ist nicht richtig, wenn ein Arzt im Film sagt, dass alle Psychose-Patienten ein schlechtes und traumatisch belastendes Leben geführt haben bevor es zum Ausbruch der Psychose kam.
Was mir imponiert hat, ist wie viel Zeit und Arbeit sich die Therapeuten genommen haben. Als ich in der Klinik war, hieß es schon nach zwei Wochen "letzter Versuch".

Und natürlich werden heutzutage zu viele Medikamente verabreicht und sich zu wenig individuell mit dem Patienten beschäftigt.

Bei Psychose-Patienten würde ich eine Station von 20 auf 5 Patienten reduzieren und sich mit diesen intensiv beschäftigen.
Autor Cool
registriert
#33 | Gesendet: 23 Jan 2016 14:34
Es gibt auch die andere Herangehensweise an die Thematik "Schizophrenie". Ein deutlich negativerer Film. https://www.youtube.com/watch?v=Rv0b1unxUpM
Autor asSirat
registriert
#34 | Gesendet: 23 Jan 2016 16:46
Zeroquaelchen:
Ich suche für mich noch nach einem gangbaren Weg. Die Neuroleptika einfach von einem Tag auf den anderen wegzulassen musste ich bitter bezahlen - das hat mir letztlich einen schweren Schub beschert und damit noch viel mehr NL als je zuvor

wer heute die NL einfach so absetzt hat echt nix gelesen. das ist heutzutage nicht mehr nötig solch einer fehler.

lies Professor Aderhold oder Peter Lehmann.

geh in das forum ADFD

psychotherapie ist genauso wichtig

http://www.deutschlandradiokultur.de/psychose-behandlung-herausforderungen-einer-stig matisierten.976.de.html?dram:article_id=331342
Autor asSirat
registriert
#35 | Gesendet: 23 Jan 2016 16:48
fotoelektronidas bei mir waren es 700 euro für medikamente. ich wollte auch besser das geld. dann wäre weniger stress, weniger stress hilft gut bei psychosis.
Autor Zeroquaelchen
registriert
#36 | Gesendet: 23 Jan 2016 20:07
@ asSirat: ich hatte auch nirgendwo etwas über Psychosen gelesen als ich die Neuroleptika einfach absetzte, ich war also schlecht informiert und dachte ich wäre nur einmalig erkrankt. Tja falsch gedacht und ich habe dafür bezahlt.
Autor Balanced
registriert
#37 | Gesendet: 23 Jan 2016 20:44
Zeroquaelchen:
ich hatte auch nirgendwo etwas über Psychosen gelesen als ich die Neuroleptika einfach absetzte, ich war also schlecht informiert

Hallo Zeroquaelchen, wenn beim Absetzen unerwünschte Effekte wie Psychosen auftreten, dann ist das nicht unbedingt der Krankheit zuzurechnen. Die medikamentös veränderte Rezeptorlandschaft sehe ich als Hauptproblem. Wenn man dann in den Botenstoffwechsel abrupt eingreift, passieren eben schlimme Dinge. Also nicht verzagen, nicht die Krankheit ist das Problem, sondern das Absetzen der Medis. Das geht eben nicht bei allen so einfach.
Autor fototelekronidas
registriert
#38 | Gesendet: 24 Jan 2016 12:13 | Edited by: fototelekronidas
asSirat:
bei mir waren es 700 euro für medikamente

Eine gute Summe! Damit kann man sich bestimmt schon eine guten Massage Sessel kaufen...

nochmal zum Thema:

Wenn man gleich mit 18, wie in meinem Fall, gleich ein paar Tage nach Ausbruch der ersten Psychose vollgedröhnt wird mit Tranquilizern und Zyprexa 25 mg, dann ist das echt zu doll, und kein Wissenschaftler kann dann sagen, wie es ohne Medis gewesen wäre, das heißt, die Chemobombe kann man auch nicht rückgängig machen, und sie kommt oben drauf, zur Psychose hinzu. Also zu sagen, dass ich dann für ewig psychotisch geblieben wäre, ist Quark mit Soße. Es geht also um das Ruhigstellen, möglichst schnell. Die Psychose allein ist traumatisch. Wenn man vorher noch etwas dolles erlebt hat, hat man also zwei Traumas. Kommt dann noch ein Psychiatrieaufenthalt mit zu viel Medikamenten dazu, ist das für meine Verhältnisse Trauma Nr. 3 in dieser Rechnung.

Was habe ich davon?

Bin ich jetzt Psychiatrie Experte? Aber was bekommt man dann dafür?
Autor Zeroquaelchen
registriert
#39 | Gesendet: 24 Jan 2016 12:53
Nun ja, manchmal hat ein Psychiatrieaufenthalt auch was gutes z.B. Dass man ebenfalls Betroffene Mitpatienten trifft und so auch Freundschaften entstehen können. Wenn man eine Psychose hatte ist es doch oft schwer mit den Normalos tiefgreifende Beziehungen zu pflegen, weil die oft Vorurteile haben und einen nicht verstehen.
Autor fototelekronidas
registriert
#40 | Gesendet: 24 Jan 2016 13:03 | Edited by: fototelekronidas
Zeroquaelchen:
mit den Normalos tiefgreifende Beziehungen zu pflegen, weil die oft Vorurteile haben und einen nicht verstehen.

Also wie ich das erleben durfte, haben Psychose Erfahrene nicht weniger Vorurteile oder verwenden gerne auch mal den "paranoiden Schwachpunkt" gegeneinander. Ist natürlich individuell. In meinem Umfeld haben sich alle dann zum Drogenkonsum angeheizt. Also, das psychotische Netzwerk ist vermint :P
Autor Balanced
registriert
#41 | Gesendet: 24 Jan 2016 13:20
Zeroquaelchen:
Wenn man eine Psychose hatte ist es doch oft schwer mit den Normalos tiefgreifende Beziehungen zu pflegen, weil die oft Vorurteile haben und einen nicht verstehen.

Es ist ja nicht nur so, dass man sich von Normalos (Familie inklusive) falsch behandelt oder gar abgelehnt fühlt. Nach einer Weile will man mit denen auch selber kaum noch etwas zu tun haben. Ihnen fehlt einfach eine gewichtige Erfahrung im Leben, die unsereins hinter sich hat. Da kann man von ihnen einfach kein Verständnis erwarten. Heute bin ich wieder bereit, auf Normalos zuzugehen, wenn sie nichts von meiner Schizophrenie wissen. Bei dem Wort allein setzt bei vielen schon der Verstand aus.

Meine angenehmsten Beziehungen habe ich derzeit mit ehemaligen Mitpatienten. Da ist eine tiefe Verbundenheit (auch durch gemeinsame Erlebnisse in der Klinik) einfach vorhanden. Man kann frei über Erlebtes reden, weil der Andere zumindest weiß, wie es sich anfühlt, Realität außerhalb des gewöhnlichen Spektrums wahrzunehmen und unter diesen Einflüssen komische Dinge zu tun.
Autor Zeroquaelchen
registriert
#42 | Gesendet: 24 Jan 2016 13:31
So geht es mir auch Balanced! Ich finde es schon schlimm mitzukriegen wie oft Normalos das Wort "schizophren " in ihrem Wortschatz anwenden um damit zu sagen, dass sie etwas verkehrt und doof finden. Bei mir rollen sich angesichts dieser Unwissenheit immer die Fußnägel hoch. Vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie sagen...
Autor Cool
registriert
#43 | Gesendet: 24 Jan 2016 13:54
Ich denke, dass beide Seiten aufeinander zu gehen müssen. Normalos und Schizos. Ich z.B. pflege sehr viele Freundschaften zu Normalos. Und das ist auch gut so, weil es meine Gesundheit fördert.
Oft höre ich im Forum heraus, dass die Gesellschaft scheiße sei und so weiter.
Ich finde die Gesellschaft ist eigentlich ganz in Ordnung, man muss nicht immer nur aufgrund seiner eigenen Erkrankung Frust und Hass schieben auf die Welt.
Es ist durchaus möglich sich mit dieser Erkrankung in der Gesellschaft zu integrieren.
Das dies nicht immer einfach sein kann, ist mir auch klar, aber dran bleiben lohnt sich.

LG
Autor fototelekronidas
registriert
#44 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:10 | Edited by: fototelekronidas
Cool:
Normalos und Schizos.

Das ist eine dumme Einteilung. Das ist exakt was ich meine. Unter den Psychose Erfahrenen herrschen mit die derbsten Vorurteile. Sekundäre Devianz oderwas... von wegen "brave schwarze Schafe" :D
Autor Balanced
registriert
#45 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:37
fototelekronidas:
Das ist eine dumme Einteilung.

Naja...

Aber "Sekundäre Devianz" ist ein interessantes Stichwort. Deswegen sagte ich, ich lasse mich gerne mit Normalos ein, wenn meine Schizophrenie außen vor ist. Das Stigma dieses Wortes wird sich durch noch so viel Offenheit und offensivem Auftreten nicht in Luft auflösen. Deswegen geht es einen Normalo erstmal nichts an, dass ich Psychose-erfahren bin. Wenn man sie mit der information füttert, verändert sich das Verhalten der Normalos meistens so, dass mein Handlungsspielraum zu stark eingeschränkt wird. Ich bin es, der dann aufpassen muss, nicht "komisch" zu wirken. "Brave schwarze Schafe" trifft es ganz gut. Wenn Du diese Erfahrung noch nicht gemacht hast...

Mir hilft es jedenfalls nicht, gerade innerhalb der Familie, wenn ich mich nicht abgrenze und die Deutungshoheit über mein Verhalten abgebe.
Page  Page 3 of 7:    1  2  3  4  5  6  7   
Laien und Betroffene Diskussionsforum des Kompetenznetz Schizophrenie / Laien und Betroffene / Take These Broken Wings - Psychosen heilen ohne Medikamente - Doku Youtube Top
 
Diskussionsforum
Möchten Sie Gespräche mit Angehörigen, Patienten und interessierten Laien führen oder zu einzelnen Themen Stellung beziehen, Ihre Ansichten und Erfahrungen mitteilen? Das Diskussionsforum für Betroffene bietet Ihnen hierzu Gelegenheit. Selbstverständlich können Sie auch die Diskussion zu neuen Themenfeldern eröffnen. Das Forum ist offen für alle und anonym. Es ist jedoch erforderlich, dass Sie sich zuvor ein Log-In mit frei wählbarem Benutzernamen und Kennwort anlegen.
Das Diskussionsforum versteht sich als Plattform, die Laien und Experten gleichermaßen zugänglich ist, um so den Austausch zwischen und innerhalb der Gruppen zu fördern. Darüber hinaus sind engagierte Kooperationspartner im Kompetenznetz-Schizophrenie bemüht, die Beiträge im Diskussionsforum aus medizinisch-fachlicher Sicht regelmäßig zu sichten und im Rahmen allgemeiner Nutzungsbedingungen zu beantworten. Hierbei bleiben u.a. eine individuelle medizinische Beratung und Diagnostik ebenso wie die Gewährleistung eines Anspruchs auf Antwort ausgeschlossen.
Für die einzelnen Beiträge sind die jeweiligen Autoren verantwortlich. Dem freien Meinungsaustausch sind jedoch Grenzen gesetzt, wo diese gegen ethische, moralische und rechtliche Normen verstoßen. Sofern Beiträge dieser Art bekannt werden, behalten sich die Administratoren des Forums vor, diese zu löschen und ggf. rechtliche Schritte gegen den Verfasser einzuleiten. Machen Sie bitte die Netzwerkzentrale hierauf aufmerksam. Danke.
Kontakt: info@kompetenznetz-schizophrenie.de

Nutzungsbedingungen
Die Beiträge im Diskussionsforum obliegen der Verantwortung der jeweiligen Autoren. Es besteht kein Anspruch auf nachträgliche Löschung von einmal veröffentlichten Beiträgen, es sei denn, es handelt sich um personenbezogene Daten bzw. solche, die zur Identifizierung einer Person führen können.
  • Medizinisch-fachliche Antworten aus dem Kompetenznetz Schizophrenie sind als solche durch das Kürzel KNS gekennzeichnet.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Gewähr, dass jede medizinische Anfrage im Diskussionsforum von Kooperationspartnern im Netz beantwortet wird.
  • Medizinisch-fachliche Beiträge im Diskussionsforum ersetzen keine honorarpflichtige Beratung und Diagnostik durch einen Arzt / eine Ärztin oder einen Therapeuten / eine Therapeutin. Zur Abklärung von Symptomen, therapeutischer Behandlungsweisen etc. bleibt die honorarpflichtige Konsultation eines Arztes / einer Ärztin oder Therapeuten / Therapeutin erforderlich.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Haftung für Beiträge, wenn Auskünfte entgegen ihrer Zweckbestimmung zur Selbstdiagnostik und Selbstbehandlung verwandt werden.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Haftung für Beiträge, die gegen ethische, moralische und rechtliche Normen verstoßen, wird jedoch bei Bekanntwerden jeden Beitrag dieser Art löschen und behält sich vor, bei grober Fahrlässigkeit rechtliche Schritte gegen den Urheber des Beitrags einzuleiten.
  • Das Kompetenznetz Schizophrenie übernimmt keine Verantwortung für von seinem Diskussionsforum aus verlinkte Seiten.