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Take These Broken Wings - Psychosen heilen ohne Medikamente - Doku Youtube

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Autor fototelekronidas
registriert
#46 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:39 | Edited by: fototelekronidas
Also wer ist denn normal? Ein Durschnittsmensch. Ein Null Acht Fünfzehn Bürger..

In so einer Sichtweise drückt man gleichzeitig eine Abneigung gegen die Gesellschaft und zu sich selbst als Schizophrenie Meisterers aus. Die Parade des Schubladendenkens. Sich in dieses Denken einzutüten, ist genau das, was ich jahrelang vermieden habe. So kann man auch beobachten, dass alle paranoid sind. Studenten, Angestellte, Chefs... Militärs, Gangster... nur der Unterschied liegt darin, dass diese Leute Gesprächspartner haben, und eine Art "open dialogue" betreiben, wenn es drauf ankommt. In katholischen Kirchen gibt es da so eine kleine Kammer für zwei Personen mit einer Trennwand in der Mitte. Damals gab es auch den "Ablasskauf", also lange bevor es die Psychiatrie gab.
Autor Onta
registriert
#47 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:44
STimmt fototelekronidas, ich bin da auch nicht besser mit meinem "religiöse" haben alle nen dachschaden und werden trotzdem akzeptiert....

aber fakt ist, dass "normalos", also schlicht leute ohne psychose-erfahrung, in der überzahl sind und den psychose-erfahrenen diktieren können wie sie sich zu verhalten haben, bzw sie aus dem spektrum der gesellschaft entfernen wenn sie normen überschreiten.

war letztens am bahnhof meiner heimatstadt und da war ein wahnkranker oder vlt "nur" an tourett-leidender mitmensch der alle möglichen flüche ausstiess, ich musste dann eine gruppe junger menschen davon abbringen ihn wegen allen möglichen beleidigungen zu verprügeln (er war ganz klar nicht 100% bei sich), sie wollten nicht verstehen, dass es nicht seine schuld ist sich an die norm des-nicht-beleidigens halten zu können.
die älteren menschen waren mit ihren dummen sprüchen auch nicht besser die ich hier mal aussen vor lasse ihr könnt es euch ja denken.

und wenn wir ehrlich sind, werden unzählige harmlose menschen in die psychiatrie gesteckt, damit sie menschen schlicht nicht stören.

ich vermisse es dieses ich-bin-mensch-du-auch zusammengehörigkeitsgefühl, denn wenn man etwas anders ist, als gang und gäbe, wird man, wenn man glück hat nur blöd angeglotzt.
klar gibt es ausnahmen, aber das sind meist menschen die sich bemühen ihr wissen um solche mitmenschen und ihre probleme, zu erweitern, oder in der näheren bekanntschaft damit zu tun haben.

ich wusste zum glück schon einiges über die problematik der psychischen erkrankungen und so, da ich selbst in der klinik war als jugendlicher (noch ganz grün hinter den ohren) und wegen depressionen und suizidalität behandelt wurde. klar hat man sich drüber lustig gemacht (denn ehrlich gesagt sind psychotische manchmal extrem witzig und machen allen möglichen komischen stuss,wie ich selbst auch) aber den menschen nie vergessen der hinter dieser krankheit steht, man wird oft nur noch als kranker angesehen und die gesunden/menschlichen anteile ignoriert.
Autor Balanced
registriert
#48 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:45 | Edited by: Balanced
fototelekronidas:
Also wer ist denn normal? Ein Durschnittsmensch. Ein Null Acht Fünfzehn Bürger..

Die Abgrenzung ist hier klar zwischen Psychose-Erfahrenen (Schizos im weitesten Sinn) und Menschen ohne Psychose-Erfahrung (Normalos). Das ist eine Einteilung, die bestimmt nicht von mir stammt, sondern gesellschaftlich angelegt ist. Also müssen wir irgendwie damit umgehen. Und in diesen Kategorien zu denken bedeutet ja nicht, dass man nicht drüber stehen kann. Besser als sich krampfhaft der Realität zu verweigern indem man die Einteilung ignoriert.

fototelekronidas:
nur der Unterschied liegt darin, dass diese Leute Gesprächspartner haben, und eine Art "open dialogue" betreiben, wenn es drauf ankommt.

Stimmt genau. Deswegen fühle ich mich auch eher mit einem Psychose-Erfahrenen verbunden, mit dem ich meinen Open-Dialogue führen kann, als mit einem "Normalo".
Autor fototelekronidas
registriert
#49 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:50 | Edited by: fototelekronidas
Ich sage nahezu jeder darf mal bisschen Psychose kosten. Der eine früher, der andere später. Deswegen sind die, die mit Erfahrenen zu tun haben ein wenig abgesichert, wenn da ein Dialog entstehen kann. Dazu bräuchte es theoretisch nicht extra Medikamente und Einweisungsverfahren, Stigma usw. denn psychotisch kann man schon seit Millionen Jahren werden, und ebenso lange konnte man das auch überwinden.

Aus einem sehr strengen Blickwinkel sind zB. alle Kinder psychotisch und paranoid. Eigentlich müsste es wirklich jeder kennen. Tiere können auch ausrasten. Und wenn man da einige Zusammenhänge erkennt, dann gibt es für solche "Anfälle" meist recht plausible Gründe. Diese kann man nicht unbedingt mit einem Wort zusammenfassen um dann eine Gruppe von "Anfälligen" zu definieren - denn Schizophrenie ist normal, seit tausenden Jahren.
Autor fototelekronidas
registriert
#50 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:56 | Edited by: fototelekronidas
Balanced:
Stimmt genau. Deswegen fühle ich mich auch eher mit einem Psychose-Erfahrenen verbunden, mit dem ich meinen Open-Dialogue führen kann, als mit einem "Normalo".

Ja und ich meine, dass in dieser Aussage ein Widerspruch besteht. Das ist so eine Gewohnheitssache, also an sich nicht zu verurteilen. Aber kritisieren muss ich es, und nicht nur das. Ich kritisiere noch sehr viele andere Dinge, was das Verhalten oder die "Redensarten" von sehr vielen Leuten mit oder ohne Psychose-Erfahrungen betrifft.

Das bedeutet am Ende, dass der Unterschied zwischen Erfahrenen und sogesehen Unerfahrenen nicht etwa in einem Ausbruch einer Psychose mit Klinik usw liegt, sondern in den Gründen dafür. Das öffnet ganz andere Wege und Sichtweisen, auch für Unerfahrene.
Autor Balanced
registriert
#51 | Gesendet: 24 Jan 2016 14:57 | Edited by: Balanced
fototelekronidas:
Ich sage nahezu jeder darf mal bisschen Psychose kosten. [...] denn Schizophrenie, ist normal.

fototele, du musst schon mit klaren Definitionen argumentieren. Psychose ist zeitweise, weitgehender Realitätsverlust. Hast Du das nicht selbst mal hier hervorgehoben? Und von Schizophrenie sind gerade mal 1% der Gesellschaft betroffen (so hab ich's zumindest in diversen Psychoedukationskursen gehört). Das hat mit "normal" nix zu tun. (Edit: wenn Du mit normal meinst, dass es schon immer Menschen mit der Symptomatik gab, dann ja. Aber sie sind eben nicht die Norm.)
Autor fototelekronidas
registriert
#52 | Gesendet: 24 Jan 2016 15:03 | Edited by: fototelekronidas
Balanced:
fototele, du musst schon mit klaren Definitionen argumentieren. Psychose ist zeitweise, weitgehender Realitätsverlust.

Das ist unmöglich. Man kann nicht vorübergehend die Realität verlieren. Was geschehen kann, ist, dass man vorübergehend seine Aufmerksamkeits-Anteile nicht mehr beherrschen kann. Dadurch wird man vorübergehend unfähig, alltägliches Pflichtbewusstsein einzuhalten.

Realität=Wirklichkeit ~von wirken, etwas wirkt auf uns, oder wir auf es... (Wirkung)

Ich kann mich bis heute an Details erinnern, die ich während der Psychose erlebte. Nichts ist verloren. Leute die aber diese Stressreaktion miterlebt haben bei mir, haben sich wahrscheinlich aus Schuldgefühlen mir gegenüber von mir distanziert. Das ist gar nicht so dumm.
Autor Balanced
registriert
#53 | Gesendet: 24 Jan 2016 15:18
fototelekronidas:
Man kann nicht vorübergehend die Realität verlieren.

Keine Haarspaltereien bitte... Mit Realitätsverlust ist Verlust des Alltagsbewusstseins/der Alltagswahrnehmung gemeint. Wenn ich jetzt jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, schießen wir übers Ziel hinaus.
Autor fototelekronidas
registriert
#54 | Gesendet: 24 Jan 2016 15:22
Balanced:
Keine Haarspaltereien bitte... Mit Realitätsverlust ist Verlust des Alltagsbewusstseins/der Alltagswahrnehmung gemeint. Wenn ich jetzt jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, schießen wir übers Ziel hinaus.

Ich sage, dass kein Unterschied besteht, zwischen "normal" und "schizo". Das ist in Anbetracht der Menschheitsgeschichte Humbug.
Autor Balanced
registriert
#55 | Gesendet: 24 Jan 2016 15:24
fototelekronidas:
Ich sage, dass kein Unterschied besteht, zwischen "normal" und "schizo".

Weil jeder Mensch in seinem Leben die Erfahrung der Psychose macht... Sehr stichhaltig...
Autor fototelekronidas
registriert
#56 | Gesendet: 24 Jan 2016 15:26 | Edited by: fototelekronidas
Balanced:
Weil jeder Mensch in seinem Leben die Erfahrung der Psychose macht...

Genau das. Ohne das wären Psychiater und Therapeuten arbeitslos, versprochen :)

man beobachte mal die Verkaufsstatistiken von Ritalin... das boomt richtig. Menschen gehen beinahe schon davon aus, ständig verrückt zu werden. Es fehlt oft nicht viel, und trotzdem erlangen sie wieder Rückhalt. -So "normal" ist "schizo".
Autor Cool
registriert
#57 | Gesendet: 24 Jan 2016 16:47
Entschuldige mal, lieber fototele, wenn du bei mir schon diese Trennung auf die Goldwaage legst. Meine Vorredner balanced und zeroquaelchen haben dies so beschrieben mit "Normalos" und "Schizos".
Und was ich geschrieben habe, finde ich immer noch sehr, sehr richtig.
Dass beide Seiten, Psychose-Erfahrene und Nicht Psychose-Erfahrene, einen Schritt aufeinander zu machen müssen.
Damit auch Psychose-Erfahrene in die Gesellschaft integriert werden.
Autor Cool
registriert
#58 | Gesendet: 24 Jan 2016 16:48
Wir sind hier doch in einem Psychose-Forum. Und natürlich ist das ein großes Thema hier im Forum.
Gesellschaft und Schizophrenie. Integration von Psychose-Erfahrenen in Freundschaften, Arbeit usw. in die Gesellschaft.
Autor fototelekronidas
registriert
#59 | Gesendet: 24 Jan 2016 16:58 | Edited by: fototelekronidas
Cool:
Wir sind hier doch in einem Psychose-Forum.

Genau, und dies hier ist ein Thread "Heilen ohne Medikamente". Da kann man schonmal drauf eingehen. Die Medikamente sind nämlich nicht so hilfreich.
Autor fototelekronidas
registriert
#60 | Gesendet: 24 Jan 2016 17:02 | Edited by: fototelekronidas
Cool:
Entschuldige mal, lieber fototele, wenn du bei mir schon diese Trennung auf die Goldwaage legst.

Ich fange damit erst gar nicht an, und ich nehme auch die Medikamente nicht. Ich verlange das auch von "der Gesellschaft", sozusagen, mich nicht als "Schizo" oder "Normalo" einzuteilen. Das ist also gar keine Goldwaage, sondern soetwas wie eine Bitte. (aber auch eine Einstellung)
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