Hallo Solaria,
weil Heidi hier wieder Katastrophenszenarien über jede Art von psychiatrischer Behandlung reinschreibt, und ihr noch keine Erfahrung habt, was eigentlich ein gutes von einem schlechten KH unterscheidet, melde ich mich dazu noch mal -
Die allerwenigsten Psychose-Patienten sind nach nur 2 Wochen Behandlung schon wieder frei von Wahnvorstellungen, so was dauert fast immer länger. Das allein hat nichts mit schlechter Prognose zu tun.
In einem ordentlichen Krankenhaus gibt es während der Akutbehandlung von Psychosen normalerweise zwei Medikamente gleichzeitig: Ein antipsychotisches Mittel (hochpotentes Neuroleptikum), dazu meist was Beruhigendes (Sedierendes), z.B. Diazepam (besser bekannt unter den Markennamen Valium oder Faustan) oder ein niederpotentes NL wie z.B. Taxilan oder Truxal. Außerdem manchmal zeitweilig eine Schlaftablette, wenn der Patient dann immer noch viel zu wenig pro Nacht schläft. Ärzte und Pflegepersonal geben den Patienten und den Angehörigen jederzeit Auskunft, welche Medikamente und wie viel gegeben werden. Die Medikation bleibt so und man wartet erst mal ab, denn das ist natürlich jedem Insider bekannt, dass nach zwei Wochen noch nicht alles wieder in Ordnung ist. Sedierende Mittel werden wieder abgesetzt, noch bevor der Patient entlassen wird, er wird normalerweise mit nur einem Medikament wieder entlassen.
Ein Medikamenten-Cocktail von 4 oder mehr Medikamenten wäre ein schlechtes Zeichen für die Qualität der Behandlung. Darüber könnte man nun noch viel schreiben, was ein gutes KH kennzeichnet … dazu gehört natürlich auch, dass die Angehörigen von den Ärzten nicht arrogant abgebügelt werden, sondern auf Wunsch informiert bzw. ihre Fragen beantwortet werden.
Aber ein gutes KH erkennt man viel schneller, nämlich auch daran, dass auch auf einer geschlossenen Station über 50% der Patienten einen normalen, und auch normal lebhaften, Eindruck machen, so dass man nicht weiß, warum die da drin sind, bevor sie es einem selbst erzählen.
Das sind so meine Erfahrungen mit einem guten KH.
Vor 10 Jahren war ich in einem grottenschlechten, und das sah man auch als Angehöriger ziemlich schnell, dort drin schlichen alle Patienten stark sediert und deprimiert herum, manche machten gar einen geistig behinderten Eindruck (hospitalisiert). Meine Kinder durften mich nicht auf dieser Station besuchen (den Anblick hätten sie auch nicht verkraftet).
Eigentlich ist es eher ein gutes Zeichen, dass der Sohn deiner Freundin noch Wahnvorstellungen hat, denn das heißt, er wird dort nicht so vollgepumpt, dass er kaum noch denken und reden kann.
Viele Grüße
Nadja |