Hallo Günter!
Ich bewundere Deinen Mut und Deine Unbeirrbarkeit, mit denen Du um Gerechtigkeit kämpfst. Du legst Dich dabei mit Leuten an, die unausgesprochen und inoffiziell ein hohes Maß an "Immunität" besitzen und gegen die die Erfolgsaussichten umso wackliger sind.
Dein Anliegen ist in der Tat brisant. Ein paar Ärzte fürchten Strafen und irgendwer befürchtet wahrscheinlich auch einen allgemeinen Vertrauensverlust in die Psychiatrie und somit eine neue Generation von Patienten und Angehörigen, die sich nicht mehr alles gefallen lässt. Aber das Besondere in diesem Fall ist, dass der Gegenseite keine Argumente übrig bleiben, denn Du teilst die Überzeugungen der meisten Psychiater, was in einer Klinik machbar und notwendig ist, um einem Patienten das Leben zu retten. Dinge wie geschlossene Abteilung, zu lange Verweildauer in der Klinik, zu viel Kontrolle kommen am ehesten aus dem antipsychiatrischen Lager und dieses wird von den Psychiatern nicht so ernst genommen. Aber Du vertrittst eben dieselbe Meinung wie die Psychiater, nur mit dem heiklen Punkt, dass all diese Dinge, die Psychiater selbst für nötig halten und für die sie oft genug zum Buhmann gemacht werden, eben von denselben nicht durchgeführt wurden. Du bist ganz einfach im Recht und kannst das auch noch durch die Krankenakte beweisen. Und da wird's erst richtig gefährlich im Disput mit Ärzten. Sie können es verkraften und würden auch von Nicht-Insidern gestärkt werden, wenn da mal wieder jemand 'nen Psychiater als "Projektionsfläche" für ganz anderen Frust nehmen würde. Sprich, wenn die Kritik haltlos wäre und darüber hinaus nichts Schlimmes passiert wäre. Aber weder bist Du ein Psychiatriepatient, den man schnell mit einem trotzigen Kind gleichsetzen kann noch geht es um einen Bagatellfall noch geht es darum, dass Du Übermenschliches von den betreffenden Ärzten erwartet hättest. Nein, Du kannst die Ärzte, die Deinen Sohn behandelt haben, tatsächlich und mit gutem Grund belasten, sei es mit dem Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung oder gar dem der fahrlässigen Tötung. Und gerade bei berechtigten Vorwürfen muss man sich gerade bei Ärzten warm anziehen, wie Du ja vor Jahren auch schon an Dir selbst erlebt hast.
Ich wünsche Dir alles Gute in Deinem Kampf. Jeder, der von dieser Geschichte erfährt, wird nicht umhin können, sich über Machtverhältnisse in der Psychiatrie Gedanken zu machen. Selbst wenn Du irgendwann würdest kapitulieren müssen, so kann ich mir nicht vorstellen, dass es die Verantwortlichen bis dahin völlig kalt gelassen hätte, auch wenn sie bis zum bitteren Ende das Pokerface aufgesetzt hätten. Und ich denke, damit wäre das wichtigste Ziel erreicht. Harte Strafen schaffen nicht automatisch ein Unrechtsbewusstsein beim Täter, wenn er auch immerhin aus dem Verkehr gezogen wird. Aber dass insbesondere Psychiatriebeschäftigte, die von diesem Fall erfahren, auf eindeutige Weise vorgehalten bekommen, dass sie sich nur dann mit der Verantwortung ihres Berufes brüsten können, wenn sie diese Verantwortung auch tatsächlich ernst nehmen und sei es "nur", indem die ganz Abgebrühten endlich mal Gewissensbisse bekommen, ich denke, das wird auf jeden Fall dabei herausspringen.
Viele Grüße
Laura |