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Krisenbegleitung

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Autor Doris316
registriert
#1 | Gesendet: 26 Jul 2010 07:51
@ all

Hat jemand von Euch schon einem einen Betroffenen, der eine Behandlung durch die Psychiatre ablehnt, durch eine Krise begleitet?

Habt Ihr Tipps?

Eine Freundin hängt seit ein paar Tagen in einer Psychose...

Für Unterstützung wäre ich dankbar.

LG Doris

(wenn ich bei ihr bin, kann ich nicht ins Internet - lese also erst heute abend wieder mit)
Autor ingo
registriert
#2 | Gesendet: 26 Jul 2010 09:14
man muss ja nicht gleich in eine psychiatrie, nen psychiater würde reichen. mein 2.schub hab auch nur mit psychiater durch.
gruß iguddi
Autor Helene
registriert
#3 | Gesendet: 26 Jul 2010 09:23 | Edited by: Helene
Hallo Doris,

ich habe schon Erfahrung damit. Allerding hörte die Krise bei der Frau, die ich begleitet habe nicht von selber auf und sie kam schließlich doch in die Psychiatrie, als sie auf einer vielbefahrenen Straße spazierenging, und vorher fast ihre Wohnung abgefackelt hatte, nachdem sie überall Kerzen aufgestellt hatte.

Du darfst sie also keinen Moment alleine lassen. Ist diese rund-um-die-Uhr Betreuung - auf unabsehbare Zeit - organisierbar? Es müssen unbedingt mehrere Leute involviert werden, du alleine kannst das nicht schaffen. Leider hören Psychosen sehr häufig nicht nach einigen Wochen von selber wieder auf. Kannst du mit der Frau einen Zeitrahmen vereinbaren, wie lange ihr ohne Psychiatrie durchhalten wollt/könnt? Was, wenn die Betreuung nicht mehr leistbar ist, sie aber immer noch psychotisch ist?

Achte ganz genau auf deine eigene Belastungsgrenze und ziehe dich raus, wenn du überfordert bist. Es ist keinem damit gedient, wenn ihr dann beide psychotisch seid.

Sehr wichtig, auf hochkalorische Nahrung zu achten und ausreichend Trinken. Nüsse und/oder Studentenfutter geht ganz gut, auch wenn der erkrankte Mensch gerade nicht mehr essen will/kann. Bei starker Unruhe und Angst mit Düften arbeiten, z.B. etwas Zitronenmelisse zwischen den Fingern zerreiben.

Beruhigungsteee aus der Apotheke: Nestmann VI, deutlich stärker aufgegossen und lange ziehen lassen.

Keine Veranstaltungen besuchen, reizarme Umgebung, am besten in der vertrauten Wohnung bleiben.

Bei psychotischen Inhalten korrigieren. Etwa wenn gesagt wird, Außerirdische wollen sie entführen, sagen, daß ihr Gehirn ihr diese Empfindungen gerade vorgaukelt, daß das aber nicht so ist. Ich hoffe, ihr habe eine ausreichende
Vertrauensbeziehung, daß du so mit ihr sprechen kannst und sie es annehmen kann. Das wäre eine ganz große Hilfe. Denn wenn Ängste und Wahngedanken nicht korrigiert werden, schrauben sie sich immer höher.

Evtl. kommt sie von selber an den Punkt, daß sie bereit wäre, Medikamente zu nehmen. Versucht dann, mit einem Arzt ambulant zusammenzarbeiten. Sie muss nicht aus Prinzip oder Ideologie medikamentenfrei bleiben.

Steck dir als Begleiterin einen Rahmen, innerhalb dessen du die Begleitung machen kannst. Wenn sie stark suizidal wird oder sehr aggressiv, solltest du dafür sorgen, daß sie in der Klinik behandelt wird.

LG, Helene
Autor Capriccio
registriert
#4 | Gesendet: 26 Jul 2010 12:35
Hallo Doris,
ja und nein, denn wir stecken noch mitten drin in einer Krise...
Es ist auch für einen „Normalo" sehr kräftezehrend und nervenaufreibend einen Betroffenen zu begleiten, gerade wenn dieser Krankheitsuneinsichtig ist.

In erster Linie, denke an Dich und Deine eigene Gesundheit, also pass gut auf Dich selbst auf, dass Du Dich nicht damit überforderst.
lg
Autor Sanjo
registriert
#5 | Gesendet: 26 Jul 2010 12:43
@ Hi Doris,

eine sehr schwere Aufgabe, die Du Dir auferlegst - Respekt!!

Ich kann mich nur den Foris anschließen ... pass auf Dich! auf!

Bitte nimm dies nicht "nur" als dahin geschriebene Worte!

Man verlässt schneller eigene Grenzen, als einem lieb sein kann!

Alle Kraft, die Du brauchst,

wünscht Dir
Sanjo
Autor fhes
registriert
#6 | Gesendet: 26 Jul 2010 15:44
Hat jemand von Euch schon einem einen Betroffenen, der eine Behandlung durch die Psychiatre ablehnt, durch eine Krise begleitet?
Ja, ich habe dann über Wochen 24/7 Seelsorge gemacht - bis klar war, dass sie lediglich den Zwang hat, zu lügen und mir die ganze Zeit nur Sch***e erzählt hat, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Also achte auf Dich und Deine Grenzen, und sag ggf., dass Du das nicht leisten kannst und sie woanders Hilfe suchen muss. Es lohnt sich nicht, sich wegen anderen kaputtzumachen.
Autor murksi
registriert
#7 | Gesendet: 26 Jul 2010 18:42
Ohoh..don´t do that...du bist doch selbst betroffen..unbedingt nen Arzt hinzuziehen , vielleicht geht ja auch ne Tagesklinik..oder Soteria oder ne nette Psychiatrie..solls ja auch geben....
Autor Doris316
registriert
#8 | Gesendet: 26 Jul 2010 20:41
@ all

Danke für den input.

ingo:
man muss ja nicht gleich in eine psychiatrie, nen psychiater würde reichen.

Sind beides keine Optionen für sie. Immerhin weiß ich mittlerweile, dass sie schon mal durch eine Krise ohne Psychiater durchgekommen ist. Das macht Mut.

Helene:
Du darfst sie also keinen Moment alleine lassen. Ist diese rund-um-die-Uhr Betreuung - auf unabsehbare Zeit - organisierbar?

Wir sind zu zweit derzeit - ihr Freund, bei dem sie auch wohnt (der aber Vollzeit arbeitet und daher tagsüber weg ist) und ich. Blöderweise wohnen sie 20 km entfernt, so dass noch leidiges Fahren dazu kommt. Mittlerweile haben wir Unterstützung durch die Psychologin C., von der ich schonmal schrieb. Wir beide waren heute Nachmittag bei ihr und hatten ein Gespräch.

Helene:
Leider hören Psychosen sehr häufig nicht nach einigen Wochen von selber wieder auf. Kannst du mit der Frau einen Zeitrahmen vereinbaren, wie lange ihr ohne Psychiatrie durchhalten wollt/könnt? Was, wenn die Betreuung nicht mehr leistbar ist, sie aber immer noch psychotisch ist?

Ich will ihr nicht mit der Psychiatrie drohen, nicht mehr Druck und Stress machen, als sie ohnehin empfindet. Ausserdem weiß ich ja vorneweg gar nicht wie lange ihr Freund und ich durchhalten, da kann ich mich auch nicht festlegen.

Helene:
Sehr wichtig, auf hochkalorische Nahrung zu achten und ausreichend Trinken. Nüsse und/oder Studentenfutter geht ganz gut, auch wenn der erkrankte Mensch gerade nicht mehr essen will/kann. Bei starker Unruhe und Angst mit Düften arbeiten, z.B. etwas Zitronenmelisse zwischen den Fingern zerreiben. ... Beruhigungsteee aus der Apotheke: Nestmann VI, deutlich stärker aufgegossen und lange ziehen lassen.

Danke für die praktischen Tipps!

Helene:
Ich hoffe, ihr habe eine ausreichende
Vertrauensbeziehung, daß du so mit ihr sprechen kannst und sie es annehmen kann.

Sie äußert ganz viel nicht, aber ich sehe wie sie denkt und leidet. Aber die Vertrauensbeziehung baut sich immer mehr auf.

Helene:
Wenn sie stark suizidal wird oder sehr aggressiv, solltest du dafür sorgen, daß sie in der Klinik behandelt wird.

Sie ist überhaupt nicht aggressiv, zum Glück.

murksi:
unbedingt nen Arzt hinzuziehen

Bin ich anderer Meinung, murksi.

Lieber Gruß an alle.
Ich geh jetzt bald ins Bett. Fühle mich erschossen.

Doris
Autor murksi
registriert
#9 | Gesendet: 26 Jul 2010 20:57
Schläft Sie??? Wenn nicht braucht sie was zum Schlafen..das wird sonst schlimmer..
Autor Doris316
registriert
#10 | Gesendet: 27 Jul 2010 08:53
Hallo,

in der vorvorletzten Nacht hat sie gar nicht geschlafen, in der vorletzten Nacht schon (aber wieviele Stunden konnte ich ihr nicht entlocken...), wie die letzte Nach war muss ich noch herausfinden.

Ich selbst lege mich seit zwei Nächten per zopiclon schlafen. Ich brauche alle Schlaf, den ich kriegen kann.

LG Doris
Autor Helene
registriert
#11 | Gesendet: 27 Jul 2010 14:12
Hallo Doris,

kann nicht noch jemand/möglichst mehrere aus dem Freundes- oder Familienkreis hinzugezogen werden? Ich mache mir Sorgen, daß das für dich allein jeden Tag zu viel ist. Du solltest zwischendurch Tage "frei" haben. Kann der Freund sich frei nehmen? Bei Frühwarnzeichen deinerseits ziehe dich zurück, kann ich dir nur dringend raten. Vor allem, weil du ja selber soviel ich mitbekommen habe, beim Reduzieren bist. Achte auf dich.

Du bist nicht dafür verantwortlich, daß sie es ohne Psychiatrie schafft. Wenn sie das will, muss sie in krisenfreien Zeiten eine Helfergruppe organisieren und nicht erwarten, daß andere dies für sie tun. Wenn sie keine Vorsorge getroffen hat, wird sie evtl. die Konsequenz aus dem Versäumnis, nämlich Psychiatrie, ziehen müssen. Wie gesagt, es ist nicht deine Aufgabe, dies zu verhindern.

LG, Helene
Autor admin
Admin
#12 | Gesendet: 27 Jul 2010 16:10
Hallo Doris,

wir schließen uns Helenes Meinung an.

Freundliche Grüße und gute Besserung für deine Bekannte
admin
Autor Doris316
registriert
#13 | Gesendet: 27 Jul 2010 21:38
Hi,

vor fünf Minuten hat sie ihr Freund abgeholt.

Helene:
kann nicht noch jemand/möglichst mehrere aus dem Freundes- oder Familienkreis hinzugezogen werden?

Ich kann mir keinen denken, ihre Familie hat den Kontakt zu ihr abgebrochen. Ich selber bin da auch eher reingeraten - sie hat mich am Freitag angerufen, weil sie mich wohl für kompetent hielt, ein geistliches Problem mit ihr auseinander zu sortieren. In unserer Gruppe wissen alle, dass ich gläubig bin.

Helene:
Du bist nicht dafür verantwortlich, daß sie es ohne Psychiatrie schafft.

Da hast Du sehr Recht. Ich sehe mich lediglich verantwortlich dafür, dass nichts entgleist in der Zeit, in der ich bei ihr bin und auch dafür zu sorgen, dass sie nicht alleine ist. Ich bin auch nicht dafür verantwortlich, sie aus der Psychiatrie rauszuhalten. Morgen hat sie einen ihrer regelmäßigen Therapietermine in der Klinik. Bin schon gespannt, ob sie sie dabehalten. Aber sie dissimuliert sehr gut. Ich habe mich dazu nicht groß geäußert, ob sie hingeht muss sie selbst entscheiden. Aber ich glaube nicht, dass sie sich bewusst ist, welches Risiko sie da eingeht.

admin:
Freundliche Grüße und gute Besserung für deine Bekannte

Ich werde ihr sicher nicht sagen, dass ich mich hier austausche über die Situation - Genesungswünsche bleiben also unausgerichtet ;-)

Bin bettreif, es ist hammeranstrengend. Am Freitag ist noch dazu eine Hausarbeit fällig. Gute Nacht
Doris
Autor Wolf
registriert
#14 | Gesendet: 27 Jul 2010 22:06
Hallo Doris,

mir ist das ganze noch sehr unverständlich. Einerseits spricht du von eurer Gruppe, anderseits von Therapieterminen von ihr in einer Klinik.
Warscheinlich brauche ich immer eine bildhafte Vorstellung, um die Komplexität zu erfassen.

Dissimmulation (guter Ausdruck) kenne ich von mir. Die Gefahr siehst du da schon richtig. Aber deine, ich sage mal Klientin, muß übervoll von Ängsten sein. Deshalb frage ich auch nach den allgemenen Umständen.

Lieben Gruß und guten Schlaf für dich nach solcher Anstrengung,

vom Wolf
Autor eischa
registriert
#15 | Gesendet: 27 Jul 2010 22:44
hallo Wolf,ich finde die Seite nicht mehr über die ich Euch erreiche,Eischa
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