Hallo,
so, bin jetzt wieder daheim.
Wolf:
Psychose muß nicht immer Psychiatrie bedeuten. Du kennst ja meine Auffassung über die Tagesklinik.
Tagesklinik ist aber gleich Psychiatrie. Sie ist de facto ein Teil der Psychiatrie. Und wenn die merken, was wirklich abgeht, ist man ganz schnell auf die Geschlossene verlegt. Das ist mir 1999 passiert.
Die Verantwortlichen in der Beschäftigungstherapie in der Klinik heute haben übrigens nichts geschnallt.
Ich habe heute ihren Freund quasi dazu gezwungen Urlaub zu nehmen und sich morgen um sie zu kümmern, da ich mich für einen Tag ausklinken muss. Ich muss echt aufpassen, habe heute schon wegen einer Nichtigkeit geheult. Zum Glück hat sie es nicht mitbekommen.
Ihr Freund ist gar nicht ihr Partner - nur ein guter Freund. Aber ein echter Schatz, er hat sie aufgegabelt als sie vor fünf Jahren psychotisch herum geschossen ist und seitdem schon mehrere Krisen mit ihr durchgestanden. Da ist sie echt gesegnet.
Wolf:
Aber: Auf kompetente Menschen kommt es eben an. Kann da die psychoseerfahrene Psychologin nicht den nötigen Beitrag leisten?
Wir waren schon zweimal bei ihr. Ich denke, dass im Moment keiner außer mir weiß, wie tief sie in der Psychose drin steckt - noch gut genug, um gewisse Zeitstrecken Menschen sehr gut zu täuschen, aber schon tief genug, um sich in Probleme zu verstricken, die eigentlich keine sind, um vor einfachsten Entscheidungen (will ich ein Stück Erdbeerrolle oder einen Nusstaler?) völlig entscheidungsunfähig zu verharren, Kleinigkeiten weitreichende Bedeutungen zuzumessen etc. Wenn ich von sieben bis einundzwanzig Uhr mit ihr zusammen bin, dann heißt das halt auch, dass ich mehr mit kriege und vor allem, dass sie einfach nicht so lange dissimulieren kann. Der Freund ist wie gesagt ein sehr netter (wiso kriegen eigentlich immer die anderen Frauen die tollen Männer ab???), aber seine betont positive Sichtweise führt halt auch dazu, dass er die Lage verkennt (vekennen will?).
Zumindest sind wir drei uns einig, dass wir da jetzt gemeinsam durch gehen und dass wir einen Tag nach dem anderen angehen.
Paulina:
Ich würde mich zuhause niemandem psychotisch zumuten wollen.
Ich auch nicht. Falls ich noch checke, was Sache ist, gehe ich freiwillig in die Psychiatrie. Da greift dann aber auch meine Patientenverfügung - und in der steht: Erst mal drei Wochen keine NL.
Von meiner Seite aus ist die ganze Aktion von der Hoffnung getragen, dass es eine andere Möglichkeit aus der Krise geben muss, als sich in der Psychiatrie Gewalt antun lassen zu müssen.
In diesem Sinne eine gute Nachtruhe - zopiclon macht's möglich
Doris