hochmoch:
Die große Frage, die sich dann wie schon fast von selbst stellt ist dann: Wie erlangt man seine Fähigkeiten zurück, welche einem gegeben sind?
Problem ist nur, dass weiß ich selbst, dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist...
Hallo hochmoch,
das ist ja alles ziemlich schwierig zu beantworten und wenn man auf diese Frage eine Antwort hätte, dann wäre die Psychose/Schizophrenie wohl nicht mehr als eine Grippe.
Das Problem ist ja wohl in verschiedenen Ebenen zu zerlegen.
Einmal ist das Erleben der Psychose einerseits selber danach eine traumatische Erinnerung. Zum anderen ist das Umgehen mit dem Kranken auch nicht immer sehr freundlich. So wurde ich bspw. in Handfesseln im Krankenwagen in die Klinik gebracht, und auch in der Klinik ist man möglicherweise wochenlang eingesperrt, unter Bedingungen, in denen so ziemlich alle Menschenrechte außer Kraft gesetzt sind.
Und dann ist man auch noch mehr oder weniger gezwungen, zunächst einmal Hammermedikamente in hoher Dosis einzunehmen, die dann in dieser Dosis zwar erst richtig wirken, die aber gerade dann auch ganz massive Nebenwirkungen haben. All das in einer Situation, in der man gar nicht in der Lage ist, das alles richtig einzuschätzen.
Und wenn man dann irgenwann aus der Klinik entlassen wird, dann muss man "Leben" überhaupt erst wieder neu lernen, und vermutlich wird man auch weiterhin Medikamente einnehmen müssen.
Ich meine, ich nehme jetzt schon 20 Jahre die Medikamente, davon mindestens 17 Jahre ungefähr die gleiche Zusammensetzung und Dosis.
Das hat ja auch Wirkungen, die nicht nur gut sind.
Nun, das ist alles "state-of-the-art". Man kann sich also nicht wirklich darüber beschweren. Weiß man doch nicht, wie man das besser behandeln könnte. Aber man behandelt Psychosen auch nicht an der Ursache, weil man die gar nicht kennt und keinen Zugriff darauf hat, sondern an den Symptomen. Und solange dies so ist, wird sich wohl auch nichts wesentliches ändern.
Heilung, und das ist ja das Wieder-Erlangen der Fähigkeiten, ist also so lange auch eine Illusion. Denn man wird die Erinnerung und die Lebenszeit, die man mit der Psychose verbracht hat, nicht löschen können, sondern man kann nur nach dieser Erfahrung und mit den Konsequenzen der Erkrankung weiter machen und von dieser Situation aus dann sein Leben weiter leben. Das ist doch nur das, was man als Heilung verstehen kann.
Heilung bedeutet also nicht unbedingt, dass man keine Medikamente mehr nimmt, sondern bedeutet, dass man mit dem Leben nach der Psychose wieder klar kommt. Dieses Leben ist aus meiner Sicht ganz klar ein anderes Leben als vor der Psychose. Ob man weiter arbeiten kann und in welchem Umfang und in welcher Verantwortung, das ist individuell unterschiedlich. Genau so die Frage, ob man doch besser Rente oder Grundsicherung erhält. Wichtig ist doch nur, dass man sich mit seinem Leben "danach" identifizieren kann und auch mit diesem Leben klar kommt. Keine Psychose mehr, das ist, glaube ich, das ist das Beste, was man für sich erreichen kann. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Das ist aber auch eine Folge der Medikamenteneinnahme. Ansonsten lassen die kognitiven Fähigkeiten wohl nicht nach. Allerdings lässt eines nach, so kann ich das bei mir feststellen, das ist nämlich die Fähigkeit, mit anderen Menschen "mit zu schwingen". Also, zu verstehen, was die eigentlich meinen, wenn sie es nicht explizit ausdrücken. Das fällt mir eigentlich am schwersten.
Viele Grüße
Oknos