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Zusammenhang Psychose - Intelligenz

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Autor hochmoch
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#1 | Gesendet: 30 Jul 2010 00:17
Hätte da mal ein Anliegen:

Mich würde mal interessieren ob es einen direkten Zusammenhang zwischen Psychose und Intelligenz gibt. Damit ist gefagt ob es in einem psychotischen Schub, der eher manisch verläuft, so ist, dass die intellektuellen Fähigkeiten zunehmen sprich auch der Intelligenzquotient steigt. Wäre ja schon denkbar - wenn ich so meine psychotischen Schübe betrachte hatte ich immer das Gefühl, dass mein Unterbewusstsein immer mehr Bewusstsein geworden ist. Bin sehr gespannt auf eure Antworten!

gruß hochmoch
Autor oknos
registriert
#2 | Gesendet: 30 Jul 2010 01:52 | Edited by: oknos
Hallo Hochmoch,
am Anfang meiner ersten psychotischen Schübe war ich immer besonders kreativ und habe tatsächlich Dinge gemacht, die ich "normal" niemals auf die Reihe bringen würde und die mir tatsächlich geholfen haben. Dazu zählte das Entwickeln von besonders leistungsfähigen Computerprogrammen. Aber, per saldo, ist es natürlich jedesmal ein katastrophaler Absturz geblieben. Ich würde sagen, am Anfang einer Krankheitsepisode, da kann die Krankheit durchaus leistungssteigernd sein, doch dann verliert man total den Zusammenhang und alles bricht zusammen. Eine Psychose "bringt" was, doch die Kosten sind gewaltig zu hoch, so würde ich das beschreiben.

Deshalb vermute ich auch, dass die Fähigkeit zur Psychose bei einem kleinen Teil der Menschen dazu dient, vielleicht in besonders kritischen Situationen eine Lösung zu finden, auch auf Kosten der geistigen Gesundheit/Überlebensfähigkeit dieses Teils der Menschen. Das passt auch zum Stress-Vulnerabilitäts-Modell und dazu, dass die Psychose erstmal bei mir in einer privat und beruflich sehr stressigen und angespannten Situation aufgetreten ist.

Viele Grüße
Oknos
Autor ubik
registriert
#3 | Gesendet: 30 Jul 2010 10:17
Hallo,

dass Menschen, die eine Psychose haben, intelligente Menschen sind, halte ich für ein Gerücht. In der Psychiatrie habe ich nicht wirklich intelligente Menschen getroffen, die meisten waren Durchschnittsmenschen oder wirklich dumm, jedenfalls war das mein Eindruck.

Aber Oknos hat vollkommen recht. Bei einer Psychose ist man viel kreativer, bzw. psychotische Menschen sind sehr kreativ. Man hat eine größere Assoziationsvielfalt. Wobei sich das wiederum negativ, auch auf das Umfeld eines Psychosekranken, auswirken kann, wenn man dadurch unter Wahnideen (z. B. wie es in meinem Fall war: "alles ist ein Test") leidet. Kreativität ist aber etwas anderes als Intelligenz, wobei beide Begriffe sehr abstrakt sind.

Es gibt viele Künstler, Musiker, Dichter, ..., die an Psychosen erkrankt sind. Aber es gibt nur wenige Mathematiker, die an Psychosen erkrankt sind. Ich könnte mir nicht vorstellen, eine Mathematikaufgabe oder Gedächtnisaufgabe während meinem psychotischen Ausbruch zu lösen. Vielleicht in der Phase davor, als ich manisch war.

Aber ansonsten kann ich mich noch genau daran erinnern, wie ich versuchte während meiner Krankheit einen Roman zu lesen. Jedes Wort stach so deutlich aus dem Text heraus, dass ich jedoch keinen Zusammenhang zwischen den Wörtern erkennen konnte. Schwer zu erklären. Das Wort, was ich gerade gelesen habe, brachte ich nicht in Zusammenhang mit den anderen Wörtern, sondern betrachtete es als einzelnes Wort und assoziierte damit meine eigenen Ideen, jedoch nicht die Idee des Romans, bzw. der Erzählung. Weiß nicht, ob das was mit Intelligenz zu tun hat. Ich denke, da passt der Begriff Kreativität besser.
Autor Capriccio
registriert
#4 | Gesendet: 30 Jul 2010 10:45 | Edited by: Capriccio
Hallo,
das was mir spontan dazu einfällt ist, dass ich denke, das schlauere Menschen ihre Psychose schneller und besser in den Griff bekommen können und sich auch nicht so sehr davor scheuen fremde Hilfe anzunehmen.
lg
Autor fhes
registriert
#5 | Gesendet: 30 Jul 2010 11:11 | Edited by: fhes
Definiere Intelligenz.
Ich behaupte, dass es innerhalb einer Psychose zumindest jede Menge Chancen und Potential fuer die eigene Entwicklung gibt. Viele Filter sind eben ausgeschaltet und man nimmt daher viele Ebenen wahr, die sonst nicht so ohne weiteres zugaenglich sind. Siehe buddhistische Moenche - bevor jemand zur Erleuchtung durchdringt, durchschreitet er eine Phase des Wahnsinns und Verrueckt-seins. Eben das, was man in unseren Breitengraden Psychose nennt.

Ich habe also kein Problem damit, das Ganze eine Begabung, Talent oder Faehigkeit zu nennen. Ob diese in einem richtigen Rahmen gefoerdert und genutzt werden, steht natuerlich auf einem anderen Blatt - es macht einen riesigen Unterschied, ob man in einem Kloster oder in einer Psychiatrie sitzt. Aber was genau soll Intelligenz sein?
Autor oknos
registriert
#6 | Gesendet: 30 Jul 2010 14:00 | Edited by: oknos
Hi ubik,

Es gibt übrigens auch berühmte Mathematiker mit Psychosen.

Ich erinnere da an den Film : A beautiful mind, der sich um den amerikanischen Mathematiker John Forbes Nash Jr. dreht, der auch den Nobelpreis für Wrtschaftwissenschaften bekommen hat. Darüber kann man auch in der Wikipedia lesen. ->hier klicken für den Wikipedia-Artikel<-

Jemand, der eine Psychose erlebt, ist nicht weniger oder mehr intelligent als ein Gesunder. Meiner Ansicht nach gibt es da gar keine Unterschiede.
Und vor allem ist die Psychose eine Krankheit der Wahrnehmung und nicht eine Krankheit des Verstandes.

Viele Grüße
Oknos
Autor oknos
registriert
#7 | Gesendet: 30 Jul 2010 14:03
@admin,

Übrigens gibt es hier einen Fehler im Board. Der Link oben ist mit einem Punkt beendet, aber wenn man den Link aufruft, dann ist der Punkt immer verschwunden. Deshalb funktioniert der obige Link nicht direkt. Aber über die Suchen-Funktion von Wikipedia wird man das dann auch finden.

Viele Grüße
Oknos
Autor hochmoch
registriert
#8 | Gesendet: 30 Jul 2010 14:35
Moin,

vielen Dank für Eure Antworten.

Den Begriff Intelligenz hier am Anfang von mir aufzunehmen war evtl. nicht ganz richtig. Vielmehr meine ich die kognitiven Fähigekeiten eines Erkrankten, die scheinbar bei manchen fast ins Unermässliche steigen bis es dann zuviel wird - und schließlich Wahngedanken entstehen.

Für mich ist es oft ein unertägliches Gefühl gleichzeitig zu wissen was in mir steckt aber auf der anderen Seite es nicht ausleben zu können - aber ich denke mal, dass dieses Gefühl bei vielen von Euch in ähnlicher Form auftritt.

Die große Frage, die sich dann wie schon fast von selbst stellt ist dann: Wie erlangt man seine Fähigkeiten zurück, welche einem gegeben sind?
Problem ist nur, dass weiß ich selbst, dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist...

Übrigens kenne ich auch einen erfolgreichen Mathematikprofessor, welcher unter Schizophrenie leidet.

gruß hochmoch
Autor fhes
registriert
#9 | Gesendet: 30 Jul 2010 16:14
hochmoch:
Die große Frage, die sich dann wie schon fast von selbst stellt ist dann: Wie erlangt man seine Fähigkeiten zurück, welche einem gegeben sind?
Problem ist nur, dass weiß ich selbst, dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist...

Vor allem ist sie nur individuell zu beantworten.
Autor fhes
registriert
#10 | Gesendet: 30 Jul 2010 16:38 | Edited by: fhes
Hallo oknos,

oknos:
Übrigens gibt es hier einen Fehler im Board. Der Link oben ist mit einem Punkt beendet, aber wenn man den Link aufruft, dann ist der Punkt immer verschwunden.

ich wuerde erstmal nicht von einem Fehler im Board ausgehen. Das Punkt-Zeichen hat in Internet-Adressen eine Sonderbedeutung und ist, je nachdem, wo es in der Adresse auftaucht, fuer einen anderen Zweck reserviert. Eine Adresse, die mit einem Punkt aufhoert, ist eher unkonventionell, ich bin mir nicht einmal sicher, ob zulaessig, d.h. ich sehe den "Fehler" (oder, zumindest die Problematik) im Moment eher bei der Wikipedia.

Wieauchimmer, Du kannst den abschliessenden Punkt mit %2E darstellen, dann funktioniert der Link:
http://de.wikipedia.org/wiki/John_Forbes_Nash_Jr%2E

Gruss
Autor admin
Admin
#11 | Gesendet: 30 Jul 2010 17:00
Hallo Oknos,

wenn du trotz fhes`s möglicher Erklärung noch immer von einem Fehler im Board ausgehst, kannst du dich bitte im Thread "forensoftware" direkt an Eduard wenden.

Freundliche Grüße
admin
Autor oknos
registriert
#12 | Gesendet: 31 Jul 2010 09:30
hochmoch:
Die große Frage, die sich dann wie schon fast von selbst stellt ist dann: Wie erlangt man seine Fähigkeiten zurück, welche einem gegeben sind?
Problem ist nur, dass weiß ich selbst, dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist...

Hallo hochmoch,
das ist ja alles ziemlich schwierig zu beantworten und wenn man auf diese Frage eine Antwort hätte, dann wäre die Psychose/Schizophrenie wohl nicht mehr als eine Grippe.
Das Problem ist ja wohl in verschiedenen Ebenen zu zerlegen.
Einmal ist das Erleben der Psychose einerseits selber danach eine traumatische Erinnerung. Zum anderen ist das Umgehen mit dem Kranken auch nicht immer sehr freundlich. So wurde ich bspw. in Handfesseln im Krankenwagen in die Klinik gebracht, und auch in der Klinik ist man möglicherweise wochenlang eingesperrt, unter Bedingungen, in denen so ziemlich alle Menschenrechte außer Kraft gesetzt sind.
Und dann ist man auch noch mehr oder weniger gezwungen, zunächst einmal Hammermedikamente in hoher Dosis einzunehmen, die dann in dieser Dosis zwar erst richtig wirken, die aber gerade dann auch ganz massive Nebenwirkungen haben. All das in einer Situation, in der man gar nicht in der Lage ist, das alles richtig einzuschätzen.
Und wenn man dann irgenwann aus der Klinik entlassen wird, dann muss man "Leben" überhaupt erst wieder neu lernen, und vermutlich wird man auch weiterhin Medikamente einnehmen müssen.
Ich meine, ich nehme jetzt schon 20 Jahre die Medikamente, davon mindestens 17 Jahre ungefähr die gleiche Zusammensetzung und Dosis.
Das hat ja auch Wirkungen, die nicht nur gut sind.
Nun, das ist alles "state-of-the-art". Man kann sich also nicht wirklich darüber beschweren. Weiß man doch nicht, wie man das besser behandeln könnte. Aber man behandelt Psychosen auch nicht an der Ursache, weil man die gar nicht kennt und keinen Zugriff darauf hat, sondern an den Symptomen. Und solange dies so ist, wird sich wohl auch nichts wesentliches ändern.
Heilung, und das ist ja das Wieder-Erlangen der Fähigkeiten, ist also so lange auch eine Illusion. Denn man wird die Erinnerung und die Lebenszeit, die man mit der Psychose verbracht hat, nicht löschen können, sondern man kann nur nach dieser Erfahrung und mit den Konsequenzen der Erkrankung weiter machen und von dieser Situation aus dann sein Leben weiter leben. Das ist doch nur das, was man als Heilung verstehen kann.
Heilung bedeutet also nicht unbedingt, dass man keine Medikamente mehr nimmt, sondern bedeutet, dass man mit dem Leben nach der Psychose wieder klar kommt. Dieses Leben ist aus meiner Sicht ganz klar ein anderes Leben als vor der Psychose. Ob man weiter arbeiten kann und in welchem Umfang und in welcher Verantwortung, das ist individuell unterschiedlich. Genau so die Frage, ob man doch besser Rente oder Grundsicherung erhält. Wichtig ist doch nur, dass man sich mit seinem Leben "danach" identifizieren kann und auch mit diesem Leben klar kommt. Keine Psychose mehr, das ist, glaube ich, das ist das Beste, was man für sich erreichen kann. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Das ist aber auch eine Folge der Medikamenteneinnahme. Ansonsten lassen die kognitiven Fähigkeiten wohl nicht nach. Allerdings lässt eines nach, so kann ich das bei mir feststellen, das ist nämlich die Fähigkeit, mit anderen Menschen "mit zu schwingen". Also, zu verstehen, was die eigentlich meinen, wenn sie es nicht explizit ausdrücken. Das fällt mir eigentlich am schwersten.

Viele Grüße
Oknos
Autor murksi
registriert
#13 | Gesendet: 31 Jul 2010 09:46
Für mich stellt sich die Frage ob die emotionale Intelligenz nachläßt...unter hoch-oder mittelhochdosierten NL läßt die Schwingungsfähigkeit auf jedenfall nach..aber man ist auch nicht emotional oder sozial kompentent wenn man einen Wahn hat?..ich habe auch überall gelesen, daß Schizos nicht höher intelligent sind als Normalos..in einigen Quellen steht sogar, daß sie häufiger bei eher weniger Intelligenten vorkommt...aber wenn ich mich so umhöre und die Beiträge hier lese habe ich nicht den Eindruck, sondern eher erscheint es mir so als ob ausgerechnet die Intelligenten und Sensiblen, davon betroffen sind..ist ja auch irgendwie logisch, das besonders Intelligente und gleichzeitig besonders Sensible paranoid werden können, auch glaube ich sind es oft Menschen mit hohen moralischen Werten..also alles eher positive Eigenschaften, die in der Summe vielleicht die Vulnerabilität ausmachen können..es gibt da wohl ein Buch, das diese These unterstützt..an die ich natürlich gerne glauben möchte ;-)) da mein Selbstbewußtsein nach der Psychose ohnehin geschrumpft ist..wenn ich heutzutage behaupten würde ich werde gemobbt wer würde mir als Schizo noch glauben??? Mich würde mal interessieren ob es einen Zusammenhang zwischen Mobbing und Schizophrenie gibt..bei mir was das sicher so..aber ich war auch sicher sehr empfindlich und bezog alles auf mich..was aber Mobbing nicht ausschließt..
LG Murksi
Autor oknos
registriert
#14 | Gesendet: 31 Jul 2010 09:53
Hi murksi,
eines habe ich festgestellt. Die meisten Schizophrenen kreisen immer um sich selber und stellen sich selbst überall in den Mittelpunkt. Vielleicht machen das die anderen auch, nur dann aber geschickter. Und das ist dann ja ein perfekter Angriffspunkt für Mobbing.

Viele Grüße
Oknos
Autor murksi
registriert
#15 | Gesendet: 31 Jul 2010 10:50
@oknos..ja sicher besteht da ein Zusammenhang..wenn man sehr empfindlich alles auf sich bezieht..machen sich andere einen Spaß draus dich zu ärgern..verlieren den Respekt etc...wenn man ausstrahlt: ihr könnt mich alle mal, und es ist mir egal was ihr von mir denkt..lassen sie dich eher in Ruhe..auch weil sie denken, Vorsicht, mit der ist nicht gut Kirschen essen..auch wenn man Selbstwußtsein ausstrahlt bietet man viel weniger Angrifffspunkte..und es ist nunmal soll, oft suchen Leute nach nen Sündenbock..aber manchmal stimmt auch einfach die Chemie nicht zwischen dir und deinem Chef..dann sollte man einfach gehen..und manchmal hat man es doch mit ziemlichen Zicken, und Frustrierten Damen zu tun..die boshafte Kommentare machen..oft gibt es auch einfach Neid..naja. Früher hatte ich das dicke Fell nicht..das ist mir jetzt durch die NL nachgewachsen..weswegen ich sie auch lieber weiternehme...wenn man so will ist die soziale Kompetenz dadurch deutlich gebessert..da ich nicht mehr ständig Angst vor irgendwelchen Leuten habe..ich habe jahrelang versucht mit PT mir ein dickes Fell anzueignen..es war echt nicht möglich-.irgenwann dachte ich dann, daß muß biologisch sein, daß ich sovielmehr epmfindlicher bin als andere..dann erst viel später kam die Psychose..und der Ahaeffekt..
LG Murksi
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