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Bedeutet psychisch krank ein leben in Armut?

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Autor Schizophrenic
registriert
#1 | Gesendet: 15 Okt 2012 00:46
hab mal ne frage wie sieht es mit der finanziellen Situation der meisten Leute hier aus...

Mir geht es eigentlich finanziell dank meiner Eltern recht gut. Lebe zuhause und brauche so nicht viel Geld. Verdiene da ich nur eine Halbtagsstelle habe zwar auch nur 500 Euro, Anfang des Jahres hatte ich noch ne Vollzeitstelle wo 1800 blieben.
Hab schon mit meinen Eltern gesprochen und wir werden irgendwann in Zukunft das Haus meiner Eltern teilen sodass ich in dieser Hinsicht abgesichert bin.
Ich werde ja Erzieher lernen und somit natürlich nie mehr an den Verdienst eines Ingenieur herankommen. Aber Geld ist mir im Vergleich zu einem erfüllenden Job unwichtig...

Liebe Grüße Markus

Ps.: Freue mich auf viele Feedbacks
Autor Merula
registriert
#2 | Gesendet: 15 Okt 2012 07:41 | Edited by: Merula
Hallo Markus,
ich bin berentet. Vor der Erkrankung war ich Mediengestalterin und habe vergleichsweise gut verdient. Ich habe zwar nicht lange gearbeitet, da ich mich um die Erziehung meiner Tochter kümmern musste, die in der Pflegestufe I war. Die Krankenkasse hat zum Glück in die Rentenkasse einbezahlt. Meine Rente kann ich zum Glück voll behalten, da mein Mann das Haus alleine finanziert. D.h. es geht mir gut, aber es gab einen finanziellen Abstieg.

Aber was ist das im Vergleich zu selbstverdientem Gehalt? *jammer*

Edit: Ich muss mich revidieren. Ich weiß, wie wenig manche von euch haben, da gehts mir vergleichsweise echt gut. Ich jammere nicht weil ich zuwenig habe, sondern weil ich nicht mehr arbeiten kann.

LG Merula
Autor Salvador
registriert
#3 | Gesendet: 15 Okt 2012 10:50 | Edited by: Salvador
hallo schizophrenic,

für die meisten bedeutet schizophrenie deswegen armut, weil sie ihr potential dadurch nicht entfalten können. armut bedeutet, wenn man seine kreativität nicht ausleben kann. oder einfach, man kann nicht tun, was man möchte. und da können sogar die eigenen psychologischen filter einen menschen einschränken. wenn also jemand sich sehr schlecht fühlt und gerade trauert, auch dann sagt man, "der ärmste", oder "er ist arm dran".

so ist armut nicht nur von geld und wohlstand abhängig, denn sogesehen haben wir hier im gegensatz zu indischen oder cubanischen verhältnissen mehr freiheiten, auch wenn jemand nur staatshilfen bekommt. es ist nat. trotzdem so, dass auch geldmangel die kreativität einschränkt. nur nicht alleine.. wenn ich mir zusätzlich noch schlechte laune deswegen mache, dann kommt das noch dazu, also ich vergleiche mit leuten, die mehr schnick schnack haben und setze mich in relation zu denen stufenmäßig herab. fühle mich unterlegen. und das ist dann seelische "anreicherung" von zusätzlichen geistigen einschränkungen mich zufrieden zu sehen.

ein guter freund von mir zB ist gesetzlich betreut und kommt mental damit überhaupt nicht zurecht, dass er von einem pflegedienst die tabletten bekommt. dazu muss er jeden tag 20 uhr zu hause sein, um einen pfleger für paar minuten zu empfangen. noch dazu wird sein konto vom betreuer geregelt und auch verträge kann er selbst nicht abschließen, geschweige denn eigenwillig eine reise machen etc... und er selber leidet sehr stark darunter und eben auch dadurch, dass er mit anderen vergleicht, mit mir und unserer bande. ein ständiges leben mit innerem groll gegen die gesellschaft und versteckter neid nach eigentlich völlig normalen freiheiten entsteht ja dann beinahe zwangsläufig, so wie wir in der westlichen welt egoismus und vergleich ankonditioniert bekommen. und das ist bestimmt öfter so, also fühlt man sich arm. dass man immernoch mehr freiheiten hat und in einer recht bunten welt mit vielen möglichkeiten lebt, verliert man dabei fast gänzlich aus den augen. vieles wirkt bedrohlich, was nicht bedrohlich ist, sondern nur der natur der sache nach etwas widersprüchlich erscheint. die natur lebt vom paradox. sie definiert sich darüber.

es gibt also auch innerhalb der von "schizophrenie betroffenen gesellschaft" noch unterschiede in sich. aber die frage nach der armut ist berechtigt und sicher muss sich die mehrheit von schizophrenie betroffenen finanziell der erfahrung wegen reduzieren.
ursprung dessen ist aber das geistige überangebot von vergleichen und schwierigkeiten auf psychischer ebene. diese ziehen ja stoffwechselveränderungen, tagesrhythmus- und motivationsstörungen und entfernt dann auch geldprobleme nach sich, alleine deswegen, weil man mit zyprexa einen termin morgens beim amt verpasst. das ist mir sehr oft passiert.

grübel grübel...
guten morgen :)

salvador
Autor Merula
registriert
#4 | Gesendet: 15 Okt 2012 14:06
Salvador:
armut bedeutet, wenn man seine kreativität nicht ausleben kann.

Jep! Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

LG Merula
Autor Malwina
Gast
#5 | Gesendet: 15 Okt 2012 16:29
ich bin finanziell abgesichert, weil ich eine kleine Rente und eine gute Pension habe.
Gottseidank war ich beim Staat angestellt.

liebe Grüße Malwina
Autor Neuromancer
registriert
#6 | Gesendet: 15 Okt 2012 17:04
Ich habe vorhin ein Gespräch mit meinem Vater gehabt. Er meinte dass für die Familie das Ziel sei, dass ich nicht irgendwann alleine von Grundsicherung leben muss. Insofern kann ich jetzt zwar nicht sagen, ich bin finanziell abgesichert, andererseits muss ich sagen, wozu brauche ich Geld. Hätte ich die 150.000 Dollar die ich bräuchte für einen suborbitalen Raumflug inkl. Schwerelosigkeit, dann würde ich das Geld dafür ausgeben. Alles andere sind sowieso Peanuts. Ich bekomme ja auch Unterstützung durch die Familie,ich habe regelmäßig Essen etc. und Klamotten kriege ich auch bezuschusst. Ich kann von Harzt4 damit gerade so leben, weiß aber dass das anders ist für jemanden der alleinig darauf angewiesen ist und sonst nichts hat.

Glücklich bin ich darüber, dass ich Zeit habe für mich und die wichtigen Dinge die Menschsein ausmachen, da ich meine Lebenszeit nicht für eine Vollzeitstelle verschwenden muss. Selbst wenn ich richtig arbeiten würde, finanziell lohnt es sich hier wo ich wohne für mich auch als guter Akademiker nicht. Und vielleicht bekommen wir mal ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dann hätte die Gesellschaft vielleicht wieder richige Werte und würde wieder wertvoll werden.

Ich bin soweit zufrieden, auch wenn es wirklich wenig Geld ist.
Autor psybomb
registriert
#7 | Gesendet: 15 Okt 2012 20:32
Also mir gehts finanziell ganz gut. Liegt aber daran das ich bei meinen Eltern kostenlos wohnen kann.
Ich gehe Vollzeit arbeiten verdiene aber relativ schlecht. Da ich keine Miete zahlen muss hab ich viel Geld zur Verfügung. Ich hoffe aber das ich mitte nächsten Jahres eine Gehaltserhöhung kriege.
Autor Spachtelmasse
Gast
#8 | Gesendet: 15 Okt 2012 22:27 | Edited by: Spachtelmasse
Hallo Schizophrenic,
ich habe zur Zeit ein Einkommen von <200€ im Monat und damit noch ein paar Monate durchzuhalten. HartzIV möchte nicht mehr beantragen, weil ich mit Amt und der Maßnahme, in die ich damals gesteckt wurde, blöde Erfahrungen gemacht habe, das war die schlimmste Zeit meines Lebens und ich würde unter deren Argusaugen noch mehr unter Druck stehen als beim jetzigen "Einkommen", welches nur Kindergeld ist.
Finanziell habe ich HartzIV beinahe als Luxus empfunden, weil ich sehr sparsam lebe, sodass am Monatsende immer etwas über war (was ich sparte statt es auszugeben, weil ich Angst hatte, sie könnten mir irgendwann aus welchen Gründen auch immer den Hahn abdrehen). Aber wirklich nur finanziell, ansonsten war es die reinste Erniedrigung.
Ich stimmt Salvador zu in Sachen Kreativität, aber finde seine Ergänzung wichtig, dass eine Abhängigkeit von finanziellen Ressourcen besteht.

Gruß, Matsch
Autor GrandmasterFlash
registriert
#9 | Gesendet: 15 Okt 2012 22:48 | Edited by: GrandmasterFlash
psybomb:
bei meinen Eltern kostenlos wohnen

So es ist schon spät, jetzt aber ab ins Bett !


:-S

Sorry aber das könnte ich nicht, bin schon ab 12 ständig ausgebüchst und mit 18 AUSGEZOGEN. Wie willste das machen, wenn du doch mal ein Mädel abschleppst,
ist ja megapeinlich :-D
Autor GrandmasterFlash
registriert
#10 | Gesendet: 15 Okt 2012 22:54
@Matsch
sei doch nicht dumm und hol dir wenigstens die paar Kröten Hartz4 ab, eine Massnahme muss man doch nicht wiederholen und zur Not gibt's doch auch einen Krankenschein!?
Autor Molly
registriert
#11 | Gesendet: 15 Okt 2012 23:05 | Edited by: Molly
Ich komme mit dem Geld, das ich durch Rente, Zuverdienst und Unterhalt von meinem Ex zur Verfügung habe ganz gut zurecht, da ich kein Auto und eine sehr billige Wohnung habe. Manchmal ärgere ich mich sehr, dass ich nicht einfach in mein Auto einsteigen und einfach wann und wohin ich will fahren kann. Auch meine renovierungsbedürftige Wohnung nervt mich. Ich habe aber keine Lust, auf jeden Cent schauen zu müssen, und so wird das halt wahrscheinlich bis an mein Ende so bleiben. Ich kann aber essen was ich will und ab und zu auch etwas unternehmen oder mir kleine Wünsche erfüllen. Das macht das Leben eigentlich recht lebenswert.

LG,
Autor psybomb
registriert
#12 | Gesendet: 16 Okt 2012 00:23
@GrandmasterFlash:

Ich habe eine eigene Wohnung in dem Haus in dem meine Eltern wohnen. Eigene Küche, eigenes Bad, eigene Haustür, eigene Etage, eigener Balkon.
Ich finds super das ich zum Essen 2 Etagen runtergehn kann und meine Eltern sehe. Ansonsten hab ich ein Leben fast wie in ner eigenen Bude nur ich muss keine Miete zahlen.
Autor GrandmasterFlash
registriert
#13 | Gesendet: 16 Okt 2012 00:39
Das ist ja eine eigene Wohnung. Ich dachte schon du wohnst auf Dauer noch bei den Eltern! Da könnte man ja nun mal gar nichts anstellen wenn Mama ständig neugierig um die Ecke lugt!
Schon gar nicht Sex !
Autor psybomb
registriert
#14 | Gesendet: 16 Okt 2012 08:59
Eins kommt hinzu, meine Eltern haben ein Ferienhaus in der Eifel wo sie quasi jedes Wochenende sind. Also da hab ichs ganze Haus für mich, inkl. Sauna im Keller. Das läuft dann schon mit den Mädels ;)
Autor Herrmann
registriert
#15 | Gesendet: 16 Okt 2012 17:32 | Edited by: Herrmann
Wenn man psychisch krank ist, wird man leicht arm – wenn man arm ist, wird man leicht psychisch krank, ein Teufelskreis erster Güte.
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