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Bin ich Normal?

Autor Schizophrenic
registriert
#1 | Gesendet: 15 Okt 2012 22:14
Manchmal frage ich mich ob ich mich ganz normal verhalte wie jeder andere?
Bedeutet einmal akut psychotisch für immer verändert?

Sind meine Handlungen nicht zu unterscheiden von einem Gesunden...
Auf der Arbeit wissen alle von meiner Erkrankung, sagen aber man merke nichts...
Auf der Arbeitsstelle vor dieser wurde ich aufgrund meiner Müdigkeit gekündigt...
Autor Spachtelmasse
Gast
#2 | Gesendet: 15 Okt 2012 22:37
Hallo Schizophrenic,

jedes Ereignis in deinem Leben verändert dich auf die eine oder andere Weise, so auch eine Psychose. Das ist normal. :) Theorien über "schizophrene Natur/Determiniertheit" sind blöde und faschistoid.
Wie dein Verhalten wirkt, ist Ansichtssache und situationsabhängig (ein Schulpsychiater auf einer psychiatrischen Station würde sicher allerlei Gestörtes darin "finden", siehe Rosenhan-Experiment). Die Hauptsache ist doch, dass du mit den Menschen, mit denen du dich umgibst, klarkommst.
Ich habe z.B. bei meinem ersten Aufenthalt an den ersten Tagen zwei Stationsärztinnen für Patientinnen gehalten. Eine Mitpatientin, die später kam, hielt mich für eine Pflegerin und erfuhr nur durch Zufall, dass ich als Irre interniert war. Das als Beispiele für Ansichtssachen. :)

Alles Gute,
Matsch
Autor Schizophrenic
registriert
#3 | Gesendet: 16 Okt 2012 02:01
Sonst noch jemand?
Autor Salvador
registriert
#4 | Gesendet: 16 Okt 2012 02:33
das ist so und so. manchmal zuckt man meinetwegen kurz blöd (sagt oder macht/lässt etwas merkwürdiges), und manchmal verhält man sich normal oder zumindest unauffällig. abnorme sachen werden immer gleich bemerkt. alle gehirne aller lebewesen sollen ja gerade abnormalitäten aufspüren und irgendwie bewältigen ("eh... geht's dir noch gut??!")
besoffene werden auch gemieden und so. also mal so und mal so. es kommt auch auf den einzelnen an, wie er sich gibt. wichtig, sich nichts einzureden wie zB oh wirke ich jetzt komisch????

das wichtige, was ich als schlagzeuger gelernt habe: man spielt was man auch meint.
ich könnte die verdrehtesten rhythmen und breaks spielen, die gerade noch so taktlich korrekt sind, weil ich es kann.. aber meine ich das auch so? also bin ich dann noch mit dem herz dabei oder nur noch mit dem kopf? - und genau das sollte man glaube ich auch auf das reden und meinen übertragen. dann klappts auch mit den anderen. es gab eine zeitung gerade... psychologie heute oderso, da wurde dick dieses thema beworben.

in japanisch heißt es Honne Tatemae (grob übersetzt die Fähigkeit, zwischen „öffentlichem Gesicht" und „wahrem Ich" zu unterscheiden und mit den täglichen Paradoxien des Erwachsenenlebens umzugehen) ask wicky.
Autor Sroetchen
registriert
#5 | Gesendet: 16 Okt 2012 15:16
Ich kenne das auch, man fängt an, sich ständig zu beobachten und zu analysieren, ob das gerade normal war oder nicht, was man gemacht hat. Das ist sehr anstrengend und auf Dauer macht es einen kaputt.

Deshalb versuche ich einfach, mir selbst wieder mehr zu vertrauen, zu vertrauen auf meine Natürlichkeit und darauf, dass ich ein netter Mensch bin. Wenn man mal was verrücktes oder komisches macht, na und? Das macht jeder Mensch mal, einfach mit Humor nehmen.

Man muss sich immer sagen, das man ist wie man ist, und das ist gut so!
Autor Malwina
Gast
#6 | Gesendet: 16 Okt 2012 17:06
Schizophrenic:
Sonst noch jemand?

ich bin unsicherer, auch durch Worte oder Dinge leichter zu verunsichern als vor der Psychose.

liebe grüße Malwina
Autor Herrmann
registriert
#7 | Gesendet: 16 Okt 2012 21:28 | Edited by: Herrmann
Hallo Schizophrenic,

für mich ist einer der wenigen positiven Aspekte von Schizophrenie eben nicht normal zu sein.

Die Krankheit ist verschrien wie die Pest. Aber wenn ich viele Leute hier im Forum sehe, wie angenehm und intelligent sie sind trotz oder besser gesagt aufgrund der Psychosen, dann schäme ich mich nicht diesem Klub anzugehören, sondern bin froh und würde sagen: Uns geht es zwar oft wie Arsch und Friedrich, aber wir sind etwas Besonderes.

Unser Ruf könnte schlechter nicht sein, aber irgendwie wohnt in uns mit dem Wissen, das wir z.B. im Forum ansammeln ein hohes Gerechtigkeitsempfinden fernab von allen gängigen Meinungen und Konventionen. Wir wissen wie schlecht es einem gehen kann. Jeder zehnte von uns bringt sich um und viele andere von uns wissen jede Kleinigkeit zu schätzen.

Also, ich denke, wir sind nicht normal, aber daraus kann man neue Ideen kreieren und Kraft schöpfen. Ich empfinde es positiv nicht normal zu sein.

Schöne Grüße
Herrmann
Autor Malwina
Gast
#8 | Gesendet: 16 Okt 2012 21:36
Herrmann:
Ich empfinde es positiv nicht normal zu sein.

Ich glaube, ich weiß nicht, wie es ist, normal zu sein. gerade als kind denkt man doch, dass jeder auch die gleichen erfahrungen macht und ich war so erstaunt, dass es nicht so ist.
ich wäre lieber normal, weil ich weniger leiden würde.


liebe Grüße Malwina
Autor Herrmann
registriert
#9 | Gesendet: 16 Okt 2012 21:55
Ja Malwina, das stimmt schon:
Wenn wir normal wären, müssten wir nicht so viel leiden.

Das heißt aber nicht, dass unser Leiden vom Nicht-normal-sein kommt.
Ich meine damit, das Nicht-normal-sein an sich ist ja nicht schlecht.

LG, Herrmann
Autor Spachtelmasse
Gast
#10 | Gesendet: 21 Okt 2012 05:19
Malwina:
ich wäre lieber normal, weil ich weniger leiden würde.

Hallo Malwina,
ich habe noch nie einen glücklichen Menschen getroffen.
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