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wie ist bei euch die schizophrenie gekommen und wie habt ihr vorher gelebt?

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Autor gelberhund
registriert
#1 | Gesendet: 1 Nov 2012 11:24
Wie ist denn bei euch die Schizophrenie entstanden? Erinnert ihr euch noch gut an euer Leben vor der Krankheit? Glaubt ihr daß ihr euch noch richtig versteht?
Autor zentiago
registriert
#2 | Gesendet: 1 Nov 2012 12:03 | Edited by: zentiago
Ja, ich brauche 3 Bücher um das zu beschreiben, was da alles schon, bevor ich 18 war vorgefallen ist. Ich habe ein äußerst gutes, beinahe fotografisches Gedächtnis, was meine Zeit "davor" angeht. Auch an meine Schübe, kann ich mich sehr gut erinnern und an die Inhalte. Nur die Wochen mit hohen Tavor-Dosen, die sind mir entfallen. Aber ich weiß, was mit mir abgeht.

Meine Psychose hat also auch etwas zu sagen.

So habe ich einen afro-cubanischen Stiefvater mit meinen Brüdern, die er und meine Mutter mir schenkten. (mein leiblicher Vater ist gestorben, als ich 3 jahre alt war. ich lag in seinen armen, als er einen tödlichen Herzinfarkt bekam mit 32 jahren. Ich erinnere mich noch an den Tag) Es sind meine Bruderherzen, aber es war nie leicht, dass sie meinen Stand in der Familie einfach übernommen und ersetzt haben. Ich war an Allem schuld. Sie machten meine Spielsachen kaputt und es hieß: zentiago, sohn, da du deine Spielsachen kaputt machst, bekommst du keine neuen. Mir blieb sehr oft der Atem weg als Kind schon. Ich durfte keine Milch trinken, nach der Schule nichts essen, damit etwas für die Jungs da ist. Ich war aber nie auf meine Brüder sauer, sondern sehr auf meine Eltern. mit 18 Jahren, war ich dann für 3 Tage Jesus Christus, und durfte dafür meine gesamte Ausbildungskarriere, die ich begonnen hatte (Mediengestaltung Bild und Ton) der Psychiatrie und der Pharma übergeben. Die Ärzte waren zwar nett, und lustig, aber sie haben mir meine Zukunft in Scheiben geschnitten. Hätten sie mir nämlich nur mal erklärt, warum ichh denke ich sei Jesus, dann hätte ich jetzt schon mein Fachabi. Ja und einen Arbeitsplatz und wahrscheinlich sogar einen Führerschein.
Autor zentiago
registriert
#3 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:11 | Edited by: zentiago
und was ist es, dass man predigt, dass alle muslime und juden und die restliche schar brüder sind und dafür fixiert wird? und mit beruhigungstabletten gespritzt wird. ich glaube jesus weiß, wie das ist :( (festhängen, sich nicht bewegen können, weil man wecken will, schreien, und predigen!
Autor Schizophrenic
registriert
#4 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:12
Ich war zuvor Student und habe in einem Studentenwohnheim gewohnt...

Ich habe mehrere Semester Maschinenbau studiert und hatte den Bachelor bereits erfolgreich absolviert, als es mich erwischt hat, hatte ich gerade das erste Semester des Master Studiums erfolgreich absolviert.

Mein Problem ist das ich mich kaum an die Zeit vor der Erkrankung erinnern kann, Studieninhalte sind eigentlich so ziemlich komplett weg und auch der Rest meines vorangegangenen Lebens ist sehr verschwommen...
Ich bin mir auch sicher, dass das nicht mehr kommt der akute Krankheitsausbruch ist jetzt auch schon 1,5 Jahre her...

Neija es bietet auch eine neue Chance ich werde im Herbst eine Erzieherausbildung anfangen...

Geht es anderen auch so das fast alles weg ist, zumindest sehr vieles!!!
Autor zentiago
registriert
#5 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:14 | Edited by: zentiago
Schizophrenic:
Neija es bietet auch eine neue Chance ich werde im Herbst eine Erzieherausbildung anfangen...

ziehe das mal durch :)

ich habe leider auch alle Chancen danach nnicht mehr bewältigen können, weil ich an Neuroleptika glaubte.
Autor Schizophrenic
registriert
#6 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:18
@zentiago

wie alt bist du denn, habe letztens ne Führerschein Erweiterung gemacht und werde bald mal Motorrad Führerschein machen...
Autor zentiago
registriert
#7 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:19 | Edited by: zentiago
seit 22.10.

(waage aszendent waage hahahaha - das passiert, wenn man genau bei sonnenaufgang geboren wird;)

27 jahre alt :)

LG
Autor zentiago
registriert
#8 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:21
Schizophrenic:
ne Führerschein Erweiterung gemacht und werde bald mal Motorrad Führerschein machen...

cool :)
Autor Schizophrenic
registriert
#9 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:23
darf ich fragen ob es dir etwa auch so schwer gefallen ist wieder tritt zu fassen nach der Erkrankung unter neuroleptika
Autor zentiago
registriert
#10 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:25
ich kann bis jetzt keinen richtigen Fuß fassen, leider. Erst nachdem ich nach vielen gescheiterten versuchen mit Tabletten, es jetzt seit zwei jahren ganz gut ohne schaffe (etwas rest-borderline-groll), denke ich überhaupt erstmal nach, was mir übrig geblieben ist.
Autor gelberhund
registriert
#11 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:25
Neuroleptika ist ein griechisches Wort und bedeutet eigentlich sowas wie "Nervendämpfer" oder "Nerveneinschläferer". Sie sollen eigentlich verhindern daß man sich zuviele Gedanken macht, die allgemeine Hirnaktivität wird gebremst.

Es werden eben nicht nur die Schizophreniesymptome abgemildert sondern auch andere Hirnaktivitäten, deswegen sollte man keine zu hohen Dosierungen nehmen sondern immer nur soviel wie gebraucht wird damit man nicht so produktiv ist, und es muß erstmal gesehen werden welches NL nun wirklich paßt.

Ich habe zum Beispiel ganz schlechte Erfahrungen mit Solian gemacht, denn ich habe davon Angstzustände bekommen und empfand mich selbst als ohnmächtig gegen diese. Dann habe ich das Zyprexa bekommen statt dem Solian und mir ging es gleich viel besser.

Es ist ein Problem daß die Ärzte immer so sehr einem bestimmten Mittel vertrauen und nicht probieren wollen bis man das richtige Mittel findet, und das obwohl man eigentlich nur probieren kann und nicht aus Blutuntersuchungen oder so feststellen kann ob das Mittel auch wirklich anschlägt. Die Ärzte schauen uns quasi nur an und wenn ihnen zusagt was sie sehen dann denken sie ihre Medizin wirkt. Die subjektive Wahrnehmung des Patienten wird manchmal gar nicht ernst genommen, oder es heißt das Medikament wird erst später anschlagen bis dahin müssen man so hinkommen. Und dieses später dauert manchmal Jahre.

Man muß da als Patient richt mitmachen, dem Arzt genau sagen ob man sich wohlfühlt oder nicht und nicht immer gleich sagen "es geht schon". Nur so kann dann der Arzt sehen ob man ein NL gut verträgt, ob es gut wirkt und so, oder eben nicht. Wenn man trotz NL noch Schizophreniesymptome hat müßte man eigentlich ein anderes NL finden das besser wirkt.

Und man muß auch selbst dazu beitragen daß es besser wird, also auf sein Leben achten, das zu lassen was nicht gut tut und versuchen so zu leben wie es auch andere Leute tun und im Leben zu finden was gut und richtig ist. Das machen nämlich die gesunden Leute die ganze Zeit, sie schauen sich einen aufbauenden Film an, gehen mal ein Picnic machen im Wald, gehen am Wochenende zusammen essen usw. Ich brauche auch immer wieder mal ein Gespräch mit einem Seelsorger da ich christlich bin, das hilft mir auch immer sehr.
Autor zentiago
registriert
#12 | Gesendet: 1 Nov 2012 13:31 | Edited by: zentiago
@gelberhund,

ich finde das immer super was du schreibst, wirklich :)

Den Ärzten war aus meiner Sicht nur wichtig, dass ich meine Klappe halte. Ich habe auf einer Station mal fast eine Revolution ausgelöst. (Feueralarm, Sprechanlagen quergeschaltet, alle Türen waren offen! man konnte in jedes Zimmer reinhören, über die Anlage verfolgte ich (und mein ungarischer zimmergenosse, aus unserem Zimmer ein Gespräch im Raucherzimmer.) Die anderen mochten mich ohne Ausnahme mehr und meine Worte, als die Ärzte. Deswegen muss man mir da den Gar ausmachen. Bisschen so wie einer flog über das Kuckucksnest. Nur im kleinen :) den Film habe ich erst danach angeschaut, er ist ein Knüller!

edit:

einmal habe ich eine Krankenschwester mit einem Aikido griff "sanft auf den Boden geknallt" da wurde ich dann fixiert. ich wollte ihr mein händy nicht geben und sie zerrte an mir rum. da hat sie sich dann fast selbst hingelegt. aber zackig. ich mag die schwester aber sehr gerne, und hatte mich auch aufrichtig entschuldigt. wurde nach der spritze auch defixiert. nach 20 min. die chefschwester weinte, als ich mich fixieren LIEß ohne mich zu wehren.

drei tage war ich ein zombi, die spucke lief mir aus dem mund, und ich konnte den yoghurt nicht essen morgens. weil meine hand mit dem löffel so zitterte.
Autor Schizophrenic
registriert
#13 | Gesendet: 1 Nov 2012 14:03
zentiago:
drei tage war ich ein zombi, die spucke lief mir aus dem mund, und ich konnte den yoghurt nicht essen morgens. weil meine hand mit dem löffel so zitterte.

gefällt mir gar nicht!!!
Autor Fenriz
registriert
#14 | Gesendet: 1 Nov 2012 14:17
Jau, Fixierung und Ruhigstellung hatte ich auch, sehr unschöne Erfahrung.
Mich hat man während meines Studiums auf dem Dach gefunden, sie meinten, ich würde springen, ich wollte mir nur die Skyline ansehen und war dabei fast katatonisch. Damit fing alles an und man vermutete noch Epilepsie. Dann habe ich angefangen, Bons aus Einkaufswagen zu sammeln, um mehr über meine Mitmenschen zu lernen und so mental Kontakt aufzunehmen. Als ich dann ein Diktiergerät in der Tasche hatte, um meine Gespräche des Tages abends analysieren zu können und mich bei Radionachrichten persönlich angesprochen fühlte, dämmerte mir selbst, dass da etwas nicht stimmen kann. Unverständliche Stimmen kamen dann in der Isolation meines Zustandes dazu und damit war dann auch die erste Diagnose beim Arzt fällig. Als ich dann eines Nachts zwei Hunde aus einem Zwinger befreite, um mit ihnen durch die Nacht zu streifen (damals hatte ich noch keine eigenen Hunde), war der erste Trip in die Geschlossene fällig.
Vorher hatte ich stinknormal gelebt, eine Biografie von mir wäre wohl ein probates Einschlafmittel gewesen.
Autor Schizophrenic
registriert
#15 | Gesendet: 1 Nov 2012 15:11
@ Fenriz

erzähl doch mal von deiner Biografie interessiert hier bestimmt mehrere...

Geschlossene und Fixierung kenn ich auch
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