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Wieso fühlt man sich eigentlich so dumm nach der Erkrankung

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Autor Schizophrenic
registriert
#1 | Gesendet: 2 Nov 2012 01:47
Hab mal ne frage ob sich auch andere so dumm fühlen. Vor der Erkrankung dachte ich lange Zeit ich wäre total schlau, hatte so eine art manische Selbstüberschätzung, diese hat sich nun ins Gegenteil verkehrt und ich traue mir nicht mehr viel zu...

Liebe Grüße Markus
Autor Schizophrenic
registriert
#2 | Gesendet: 2 Nov 2012 01:58
es wird ja immer gesagt man verblödet nicht, aber ich bekomme einfache arbeiten wie zum Beispiel die Arbeit in der Apotheke als Apothekenhelfer gut hin aber komplexer aufgaben wie zum Beispiel programmieren oder so stell ich mir schwierig vor

Auch kann ich mir Dinge sehr schlecht merken oder die Produktvielfalt im Supermarkt überfordert mich

Ich glaub eine geringe Verblödung gibt es doch durch Neuroleptika oder die Erkrankung
Autor invi
registriert
#3 | Gesendet: 2 Nov 2012 03:05
Hallo Markus,

ich hatte Phasen, wo ich mich unfassbar begabt fühlte. Ich fühlte mich mächtig und dieser Glaube an meine Macht machte mich auch mächtig. Ich hatte einen spürbaren Einfluss auf Mitmenschen, konnte sie beinahe steuern und alles schien zu gelingen. Und Dialoge ergaben, dass die Menschen auch gewisse Begabungen (Überlegenheit?) in mir sahen. Alles eine Frage des Egos. Jedoch: dein Ausdruck "manische Selbstüberschätzung" trifft es sehr gut. Meine Mutter hat es nach einer schweren familiären Krise meinem Arzt gegenüber als "übersteigertes Selbstbewusstsein" bezeichnet.

Vorher, Später und leider auch momentan hatte/habe ich Phasen, die von Zukunfts- und Versagensängsten geprägt sind, in denen ich mich auch dumm fühle und mit den einfachsten Aufgaben überfordert bin.
Ein Arzt würde das vermutlich als Negativsymptomatik einordnen und evtl. medikamentös einschreiten. Ich werde meinen Arzt auf jeden Fall das nächste Mal auf meinen Leistungsabfall ansprechen.

Ich denke: das gehört einfach zu unserer Grunderkrankung dazu. Verschiedene Phasen mit verschiedenen Eindrücken des Ich machen uns doch aus.

Außerdem: mein IQ ist seit Ausbruch der Schizophrenie um 10 Punkte gesunken. Ich habe mal gelesen, dass besonders heftige und langandauernde Schübe sich tatsächlich negativ auf die messbare Intelligenz auswirken.
Und: dass du dich dumm fühlst, ist ein gutes Zeichen. Wirklich dumme Menschen machen sich über so etwas gar keine Gedanken.
Autor Schizophrenic
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#4 | Gesendet: 2 Nov 2012 03:12
Autor invi
registriert
#5 | Gesendet: 2 Nov 2012 03:17
Dumm ist der, der dummes tut ;-)
Autor lania
registriert
#6 | Gesendet: 2 Nov 2012 10:28
Sich selbst für total schlau zu halten kann auch eine ganz normale, nicht krankhafte Sache sein, besonders wenn man auch wirklich total schlau ist. Ansonsten ist es Gesund sich selbst zu lieben und wertzuschätzen. Solange man sich selbst nicht für Gott hält oder so, gibts da kein Problem. Krankhaft ist dann wohl eher sich selbst für einen lebensunwerten Untermenschenkrüppel zu halten.

@Schizophrenic

Hauptsache du machst NIEMALS die Neuroleptika für dein "Ich fühl mich so dumm" verantwortlich, denn diese können das Gefühl per Definition nicht auslösen. Es ist nur zufällig so, dass bei sehr vielen Leuten die Neuroleptika nehmen gleichzeitig das "ich fühl mich dumm ; hässlich ; wie ein Untermensch ; usw" auftritt. Keine Angst, dass ist ganz normal und geht auch nicht mehr weg. Allerdings habe ich gehört, dass wenn man Neuroleptika reduziert, recht häufig diese Minderwertigkeitskomplexe zufälligerweise und nicht im Zusammenhang stehend abnehmen.
Autor muede
registriert
#7 | Gesendet: 2 Nov 2012 10:30 | Edited by: muede
Gefühlte Dummheit als Phänomen der Negativsymptomatik (entsprechend empfundene Intelligenz während Akutphase) dürfte nicht überraschen. Wahrscheinlich gibt es hinsichtlich dem Kreativitätsaspekt gewisse objektive Bestätigung für diese Selbsteinschätzungen http://www.pressetext.com/news/20090717009 . Ansonsten finde ich, wird hier eher ein gesellschaftliches Problem angesprochen. Wir leben in einer ableistischen Gesellschaft (einer, in der es als Norm gilt intelligent zu sein), wer hier fehlt, wird entsprechend degradiert inklusive gesamte Diskriminierung Behinderter und psychisch Kranker. Entsprechend wird (mangelnde) Intelligenz auch immer wieder als Beleidigung missbraucht, was ein schlimmes Sprachvergehen ist, dessen sich aber die wenigsten bewusst sind.
Dabei wird Intelligenz als Eigenschaft überschätzt und falsch verstanden. Per IQ-Tests, welche Relativität und Mannigfaltigkeit der Intelligenz nicht in Betracht ziehen bzw. die Dummheit als etwas lediglich schlechtes wahrnehmen. Demgegenüber kann dieselbe soviel mehr Charme, Mystik, Poesie und Witz entgegensetzen, dass die Intelligenz erstmal dumm dastehen würde, wäre sie schlau genug, Dummheit als ihr eigener Anteil zu erkennen.
Es wäre ratsam die ganze dualistische Konzeption von Intelligenz/ Dummheit aus humanitären und kreativitätstechnischen Gründen über den Haufen zu werfen.
Autor Fenriz
registriert
#8 | Gesendet: 2 Nov 2012 11:04
Ich denke auch, dass mit der Krankheit das Selbstvertrauen abnimmt, zudem (so stelle ich es mir jedenfalls vor) werden auch jede Menge Kapazitäten des Hirns für all den Dreck, den unser Geist mit uns anstellt, gebraucht. Wenn mein Gehirn schon begeistert an meiner Psychose arbeitet, bleibt weniger Platz und Konzentration für wichtige Dinge. Ich stelle mir immer einen Computer wo die Hälfte der Prozessoren an einem Hintergrund-Dienst (madness.exe oder so) arbeiten, da läuft man von der Leistungsfähigkeit halt auch neben der Spur.
Autor lania
registriert
#9 | Gesendet: 2 Nov 2012 12:19
Das Schwinden des Selbstvertrauens ist doch ein ganz normales parkinson Symptom. Und Parkinsonson Symptome treten halt auch zufällig häufig auf, wenn man Neuroleptika nimmt. Es geht hier nicht darum, dass das mangelnde Selbstvertrauen normal ist, denn das ist es nicht. Dafür muss man auch keine therapie machen... ist sowieso Zwecklos....

muede:
Ansonsten finde ich, wird hier eher ein gesellschaftliches Problem angesprochen.

Hier gehts keineswegs um gesellschaftliche Normen. Es geht ja um einen irregulären zustand, quasi ein individuelles Leiden, so wie ein Vogel, den man die Flügel zusammengebunden hat, nicht fliegen kann. So sind das Problem nicht die anderfen Vögel, die nunmal fliegen, sondern das die Flügel des einen Vogels zusammengebunden sind.

Irgendwie verwechselst du Intelligenz mit der gesellschaftlichen Leistungsfähigkeit, doch wird doch zum Beispiel für künstlerische Betätigungen sehr viel Intelligenz benötigt. Wenn ich früher lieber mit der Gitarre am Rhein hockte, anstatt nur irgendetwas für die Schule zu lernen, hat das nichts mit Dummheit zu tun, auch wenn man ja von mir erwartet was für die Schule zun tun. "Charme, Mystik, Poesie und Witz" ist nun nicht gerade mit Dummheit assoziiert....

Wo ist die Dummheit ein Anteil der Intelligenz? Leistungsstreben wird m.E. viel eher überbewertet als Intelligenz...
Autor zentiago
registriert
#10 | Gesendet: 2 Nov 2012 12:21 | Edited by: zentiago
weil man wegen der Tabletten keine Lust hat nachzudenken, aber nicht weiß warum. "alles so anstrengend, bin müde" - klar dann. Vor Allem ist man meistens nach einer "Hochphase" ausgelaugt und erholt sich besser erstmal.
Autor muede
registriert
#11 | Gesendet: 2 Nov 2012 12:30
ich verwechsle gar nichts. es geht um den Stellenwert von Intelligenz (ob als IQ-Intelligenz, Streetsmart oder Leistungsfähigkeit) als Bedingung gesellschaftlicher Akzeptanz (natürlich gesellschaftlich). Sprachverhalten beweist das.
Autor zentiago
registriert
#12 | Gesendet: 2 Nov 2012 14:05 | Edited by: zentiago
muede:
Sprachverhalten beweist das.

genau!

das Sprachverhalten ist vermindert und auch das Bedürfnis danach stockt. Das kann man selbst, und auch die Anderen um einen selbst, bemerken. "wieso bist du denn so still, und guckst so traurig? geht es Dir nicht gut?" - "ehm, mir geht es gar nicht :S"

Die Zellen werden am Austausch gehindert, so dann auch das Gesamtsystem, "einzelner vollwertiger Mensch, also die Person"... so wie innen, auch außen, leider. Die Welt ensteht im inneren, und lebt sich "aus". Sie strahlt innere Vorgänge nach außen. Ich denke erst und rede dann... und bevor ich denke, ist da erstmal das reine Bedürfnis, etwas dazu sagen zu wollen, nämlich das Geistige, Unfassbare, das, was wir sind :)
Autor zentiago
registriert
#13 | Gesendet: 2 Nov 2012 15:03
...das ist aber wirklich nur, solange man die Tabletten nimmt. Schon nach drei Tagen Absetzen, werde ich um manches Wörtchen gesprächiger... Also von der Persönlichkeit geht nicht so viel verloren, wie man glaubt. Überhaupt es kommt eher ne Menge dazu. Man ist und bleibt der gleiche und wird ja älter, wie jede/r andere. Die Tabletten überschatten das leider solange. Keine Sorge, Volksfürsorge :)
Autor Sanjo
registriert
#14 | Gesendet: 2 Nov 2012 15:34
@ Hallo Schizophrenic,

ich denke nicht, dass man sich dumm fühlen sollte, weil es das - aus meiner Sicht - nicht wirklich trifft.

Vielmehr ist zu vermuten, das alles Wissen vorhanden ist - wir aber aufgrund der Krankheit und Medikamente nicht mehr jederzeit den Zugriff zu vorhandenen, abgespeicherten Informationen haben.

Bei Besserung der Krankheit lösen sich i.d.R. Blockaden und damit ist auch das vorhandene Wissen wieder zugängig.

LG
Sanjo
Autor Malwina
Gast
#15 | Gesendet: 2 Nov 2012 15:39
ich bin wirklich so dumm, dass ich eine halbe Seite lese und hinterher nicht mehr weiß, was ich gelesen habe. ich frage meine tochter oft für die schule ab und bewundere immer wieder,
wieviel sie nach einmaligem Lesen im kopf behält.
Dumm durch Neuroleptika?
dumm durch Negativsymptome?
weiß ich nicht so genau.

nach der Krankheit komme ich mir aber auch dumm vor, mich in meine ideen so verrannt zu haben. Der einzige Weg meine Würde zu behalten ist doch mir einzureden, an meiner Psychose müßte was dran gewesen sein.....

liebe Grüße malwina
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