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Wie viel Dümmer wird man durch Psychose?

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Autor Schizophrenic
registriert
#1 | Gesendet: 16 Nov 2012 02:33
Könnt ihr mir beantworten wie viel dümmer ich durch die Psychose geworden bin.
Überlege mir gerade ein Duales Studium zu machen, meint ihr ich würde das schaffen vor der Erkrankung hab ich erfolgreich an einer Fachhochschule studiert...

Gefühlt bin ich viel Dümmer aber vielleicht täuscht der schein ja...
Autor Roydebatzen
registriert
#2 | Gesendet: 16 Nov 2012 03:16
Huch da bist du ja nochmal :)

Hm, jetzt hab ich mein Pulver schon fast verschossen, erzähl ich halt von mir:

Ich bin früh erkrankt und hatte bis dahin erst gute Noten und dann immer schlechtere Noten.
Mit der Erkrankung hatte ich überhaupt keinen Sinn mehr darin etwas zu schaffen, zu arbeiten oder anderes. Ich hatte fast abgeschlossen und wollte mich eigentlich um so was nicht mehr kümmern. Wie es dann so ist, hört man hauptsächlich durch andere Leute, dass man selber gar nicht so dumm ist und da man ja "irgendwas machen muss", hab ich versucht mein Abitur nach zu holen. Das hat eigentlich erst überhaupt nicht geklappt. Also hab ich nach 2 Jahren abgebrochen. Kurz darauf hab ich es wieder versucht, alles begleitet von wiederkehrenden Psychosen. Es hat wieder nicht geklappt. 1 Jahr für die Katz. Ich bin dann umgezogen und habe in Begleitung einer Therapie immerhin meine Fachhochschulreife nachholen können. Ich denke viel hat mir dabei geholfen, dass ich auch gearbeitet habe, das hat mein Selbstbewusstsein doch merklich verändert. Jetzt studiere ich an einer Universität und bin eigentlich auch nicht richtig glücklich. Ich versuche mich an 2 Studiengängen mit teilweiser Erkrankung und mittelschlechter Sozialisation. Ein Studium muss nicht immer Spaß machen, die Frage bleibt ja was man sich davon erhofft. Selbst wenn du es schaffst, wofür die Chancen gar nicht so schlecht stehen, bleibt die Frage für wen du es schaffst, soviel sei dir Gewiss.

Nundenn Tschö
Autor psybomb
registriert
#3 | Gesendet: 16 Nov 2012 04:20
Ich glaube du täuscht dich. Du bist nur sehr verunsichert.
Autor lania
registriert
#4 | Gesendet: 16 Nov 2012 06:28
Schizophrenic:
Gefühlt bin ich viel Dümmer aber vielleicht täuscht der schein ja...

Höre besser auf dein Gefühl, denn das hat immer recht.
Autor ingo
registriert
#5 | Gesendet: 16 Nov 2012 07:02
hallo Schizophrenic,
ich würde sagen: man wird nicht dümmer, nur unkonzentrierter.
Autor psybomb
registriert
#6 | Gesendet: 16 Nov 2012 09:32
Das mit der Konzentration kommt aber auch wieder! Das dauert halt nur ein paar Monate. Ich habs schonmal gesagt, ich fühl mich jetzt 1,9Jahre nach meiner letzten Psychose wieder zu 90% normal und Leistungsfähig. Gehe Normal leben, habe ein normales Leben, alles im grünen Bereich.

In meinem ganzen Leben hatte ich schon 4 Psychosen und zig Klinik aufenthalte. Lass dir nix einreden du seist dümmer oder sonstwas. Das kommt alles wieder!
Autor Hotte
registriert
#7 | Gesendet: 16 Nov 2012 14:35
Ich hab auch dieses Gefühl, nichts gewachsen zu sein. Genauso wie ich vorher das Gefühl hatte, alles hinzukriegen. Muss an der Krankheit liegen.
Autor Sroetchen
registriert
#8 | Gesendet: 16 Nov 2012 15:16
Habe gelesen, dass es individuell sehr verschieden ist, ob Schiozphrenie die kognitiven Fähigkeiten negativ beeinflusst. Wenn Du so sehr verunsichert bist, frag doch mal z.B. einen Psychologen nach einem Intelligenztest oder so was in der Art.

Übringes habe ich auch gelesen, dass gerade auch bei Schizophrenie Ausdauersport (ca. 3x pro Woche 30 min) sehr positiv auf das Gehirn wirkt. So wurde z.B. bei Schizophrenen, bei denen der Hippocampus geschrumpft war, nach einer Weile Sport wieder eine Vergrößerung festgestellt. Außerdem ist Sport gut gegen Depris und stärkt das Selbstbewußtsein.

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/schi zophrenie/article/630728/radfahren-lindert-schizophrenie-symptome.html

http://suite101.de/article/hilft-sport-auch-gegen-schizophrenie-a131450
Autor zentiago
registriert
#9 | Gesendet: 16 Nov 2012 15:26 | Edited by: zentiago
@Schizophrenic,

man wird nicht dümmer, man wird eher klüger. Nur solange man Nervenbremser nimmt, fühlt man sich selber eingeschränkt und befürchtet immer, dass das so bleiben wird. Das ist aber nicht so. Man bekommt sein Normalgewicht zurück.., man denkt wieder und ist wieder schnell im Kopf und etwas impulsiver. Eine schwerere Phase gibt es meist nach apruptem Absetzen, da die Zellen sich nach längerer Dämpfung natürlich gegenseitig erstmal anschreien. Das fühlt sich nicht so schön an, kann auch fehlerhafte Identifikationen mit sich bringen, geht aber auch vorrüber. Auch wenn man in Zukunft die eine oder andere Sache meidet, die Andere Leute einfach machen können, hat das nichts mit Dummheit zu tun. Dummheit kann man außerdem mit dem Lesen von Büchern und der Beschäftigungen mit intellektuellen Themen ausbessern. Dummheit ist kein festes Ding. Es ist eine Schätzung die ein theoretisch vorübergehendes Phänomen beschreibt. Es ist wie mit dem Fitnesscenter und Sport. Ich kann ein kleiner dünner sein, aber wenn ich viel auch Kraftsport treibe, ändert sich das schon nach zwei Jahren deutlich. Es ist eine, zur Zeit des subjektiven Urteiles, weniger ausgeprägte Form des Ausübens von Aufmerksamkeit auf spezielle Kommunikationsmittel. Bei Bedarf kann man alles nachholen, braucht aber gewisse Reihenfolgen, je nach dem, wie man etwas und was man erreichen möchte um sich dann mit Anderen darüber auszutauschen.

LG
zentiago
Autor Tryptophan
registriert
#10 | Gesendet: 16 Nov 2012 19:33
Hallo!

Die Krankheit macht viele dümmer. Früher hies sie deshalb wohl auch
dementia präcox .. also verfrühte (alters)verplödung.

Grüße
Autor Spachtelmasse
Gast
#11 | Gesendet: 16 Nov 2012 20:39
Das stammt aber von Emil Kraepelin, der die Irren in Betten sperrte und täglich in nasse Tücher wickeln ließ. Klar verblöden Menschen dann.
Autor Teflon9
registriert
#12 | Gesendet: 16 Nov 2012 21:35
Gut erkannt, Matsch. Det stimmt, der Kraeplin hat sich die dementia praecox ausgedacht. Wenn Leute heute damit noch hantieren, ist das für mich ein klarer Fall von Selbststigmatisierung. Diese mal ein bischen zu erforschen und was sie für Einfluss auf das Leben der Leute hat, hat die Forschung wohl bislang größtenteils versäumt. Wie ich gehört habe, wird das von immer mehr Leutchen erkannt, dass das eine Rolle spielt. Man fragt sich, ob der Poster sich selbst auch als frühverblödet ansieht oder nur die anderen "Vielen". Vom Kraeplin gibt es jedenfalls so ein paar Zitate, die ihn schon als einen geistigen Wegbereiter der "Euthanasie" in der NS-Psychiatrie nahe legen:

Er soll gefordert haben: »Ein rücksichtsloses Eingreifen gegen die erbliche Minderwertigkeit, das ›Unschädlichmachen‹ der psychopathisch Entarteten mit Einschluss der Sterilisierung«.

1918: „Ein unumschränkter Herrscher, der ... rücksichtslos in die Lebensgewohnheiten der Menschen einzugreifen vermöchte, würde im Laufe weniger Jahrzehnte bestimmt eine Abnahme des Irreseins erreichen können."

Wiss ihr was, es tut mir wirklich leid, dass ich immer wieder dieses Thema aufbringe. Wahrscheinlich sind schon einige ganz genervt davon. Aber es macht eigentlich jedes Mal Sinn.
Autor Tryptophan
registriert
#13 | Gesendet: 16 Nov 2012 21:37 | Edited by: Tryptophan
Hallo Spachtelmasse!

Das stimmt so nicht.. die cognitiven Fähigkeiten lassen
schon in der Prodromalphase nach... auch bei Leuten
die vor der Erstmanifestation noch kein psychiatrisches
Krankenhaus von innen gesehen haben.

Grüße
Autor Spachtelmasse
Gast
#14 | Gesendet: 16 Nov 2012 22:38
Hallo Teflon9,
ich werd auch ganz wuschig bei der vielen Selbststigmatisierung, dir mir gerade in der Klapse oft entgegenwehte. Ich persönlich finde den Verweis auf die geistigen Väter der Psychopathologie nicht nervig, sondern immer wieder nötig, um sich die tatsächlichen Grundlagen internalisierter Konzepte bewusst zu machen.

Hallo Tryptophan,
wenn die Leute in der Prodromalphase keinen psychiatrischen Kontakt haben, wer hat dann den Nachlass kognitiver Fähigkeiten festgestellt? Meines Wissens ist die Prodromalphase nicht gut erforscht und wurde guten Grundes nicht in die neue DSM-Version aufgenommen.
Autor Bazifischer
Gast
#15 | Gesendet: 16 Nov 2012 22:52
Tryptophan:
die cognitiven Fähigkeiten lassen schon in der Prodromalphase nach... auch bei Leuten die vor der Erstmanifestation noch kein psychiatrisches
Krankenhaus von innen gesehen haben.

Das kann ich bestätigen. Mit 16 – zwei Jahre vor der ersten Psychose – hatte ich in Fächern, wo man auswendig lernen muss, z.B. Biologie, Erdkunde, Religion enorme Probleme. Kurz vor der ersten Psychose war meine Merkfähigkeit fast nicht mehr da. Ich konnte überhaupt nichts Neues mehr aufnehmen. Das merkte ich an Englisch und Französisch, wo ich keine neuen Vokabeln mehr lernen konnte.
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