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Totale Charakterveränderung durch Erkrankung? Kennt das jemand?

Autor Schizophrenic
registriert
#1 | Gesendet: 2 Dez 2012 16:25
Also ich habe mich total durch die Krankheit verändert....

Früher wollte ich unbedingt Karriere machen, heute sind mir Freunde, Familie und vor allem Gesundheit viel wichtiger...

Ich wohne seit ende der akut Phase auch wieder zuhause bei meinen Eltern in ihrem großen Haus und sehe keinerlei Veranlassung in den kommenden Jahren dort auszuziehen.

Ich bin nicht bereit für einen Job oder eventuell nochmals ein Studium umzuziehen...
Ich werde da mit meinem Auto lieber Pendeln.
Mir gibt das zuhause Wohnen irgendwie Sicherheit und Stabilität die ich nicht missen möchte

Ich könnte mir auch Vorstellen noch mi über 30 noch zuhause zu wohnen fühle mich einfach total wohl hier und das Verhältnis zu meinen Eltern ist sehr gut
Autor Hellking
registriert
#2 | Gesendet: 2 Dez 2012 16:27
jo
Autor Hellking
registriert
#3 | Gesendet: 2 Dez 2012 16:29
igo
Autor Schizophrenic
registriert
#4 | Gesendet: 2 Dez 2012 16:33
@Hellking:

ist das jetzt Spam oder hast du vor noch was ernsthaftes zu schreiben, geht es dir vielleicht genauso. Oder könntest du dir niemals vorstellen noch bei deinen Eltern zu wohnen...
Autor Hotte
registriert
#5 | Gesendet: 2 Dez 2012 19:11
Bei meinen Eltern zu wohnen könnte ich mir nicht noch einmal vorstellen. Es reicht für ein Wochenende zu Besuch, mehr aber auch nicht.

Veränderung durch die Erkrankung, ja. Ich komme mir so vor, als sei ich total umgekrempelt worden.
Vorher war ich Quasselstrippe, jetzt kriege ich den Mund kaum noch auf.
Vorher extravertiert, jetzt introvertiert.
Vorher an allem möglichen interessiert, jetzt an nichts mehr.
Vorher ein sehr aktives Leben geführt mit Sport und Parties, jetzt liege ich nur noch im Bett.
Vorher war mir nix zu peinlich, jetzt schäme ich mich in den Erdboden.
Autor Schizophrenic
registriert
#6 | Gesendet: 2 Dez 2012 19:21
kommt denk ich auch ganz auf die Eltern drauf an, meine sind total locker drauf, zumindest bei mir mein Bruder bald 18 treibt es schon manchmal etwas dolle mit Parties zuhause und Besäufnissen
Autor Hellking
registriert
#7 | Gesendet: 2 Dez 2012 19:28
mami papi lasst mich nicht all:(eine
Autor Malwina
Gast
#8 | Gesendet: 2 Dez 2012 19:33
ich glaube nicht, dass das die krankheit ist , sondern dass das die Tabletten sind.
Mich hat Arnhild Lauveng in ihrem Buch "Morgen bin ich ein löwe" drauf gebracht. Sie schreibt, dass sie plötzlich ein völlig ängstlicher Typ war und sich das nicht erklären konnte, so ganz difuse Angstgefühle. Als sie die medikamente abgesetzt hatte, war diese "Charakterveränderung" auch weg. Muss wohl mit Dopamin zusammenhängen.

liebe Grüße Malwina
Autor Schizophrenic
registriert
#9 | Gesendet: 2 Dez 2012 19:42
Hellking:
mami papi lasst mich nicht all:(eine

ja so ähnlich, die kennen einen am besten und merken sofort wenn etwas nicht stimmen sollte und man kann dann ganz einfach mit Medikamenten Gegensteuern
Autor gelberhund
registriert
#10 | Gesendet: 2 Dez 2012 20:01
Manche Medikamente werden gut vertragen, andere nicht. Ich habe etwa gelesen daß einige Schizophrene mit Amisulprid wunderbar auskommen, für mich war es aber eine höllische Zeit damit. Ich widerum komme gut mit Zyprexa klar, für andere ist Zyprexa aber gar nicht gut.

Was bei mir viel ausmacht ist daß ich durch die Stimmen bzw die Wahngedanken manchmal in einen ganz derben inneren Zwang und Krampf komme. Meine Stimmen etwa sind sehr eklig und böse, und ich hatte jahrelang gegen sie gekämpft weil mir das eine christliche Fundamentalistin geraten hatte. Das Ganze wird im Netz als "geistlicher Kampf" verstanden, man geht davon aus daß die Stimmen böse Geister sind gegen die man kämpfen muß. Ein Seelsorger hatte mir geraten daß ich immer laut sagen sollte "Jesus ist der Herr", oder "Ich widerstehe dir Dämon", usw. Durch diese komische Lehre war ich jahrelang in einer Art Guerillakampf gefangen, ich hatte böse Stimmen, dachte sie wären Dämonen, hatte Angst vor ihnen, sprach Kampfgebete usw.

Aber dann traf ich einen christlichen Pastor der mir das so erklärte daß manche Menschen aus verschiedenen Gründen manchmal "dämonische Gedanken" kriegen. D.h. so etwas wie böse Zwangsgedanken. Es ist prinzipiell nicht anders wie normale Zwangsgedanken, es gibt ja psychisch Kranke die haben einen Sauberkeitszwang oder einen Ordnungszwang. Genauso hatte ich eine Art Zwang mit Bezug auf böse Gedanken.

Weil ich Christ war dachte ich lange ich müßte Verantwortung für die bösen Gedanken übernehmen. Also nahm ich die bösen Gedanken dann als meine eigenen an und fühlte mich dann total böse und schuldig und betete was das Zeug hält. Dadurch und durch diesen geistlichen Kampf verlor ich aber viel von meinem inneren Frieden und stand ständig unter Anspannung.

Als ich das aber erfuhr mit den dämonischen Gedankenbesetzungen habe ich dann die Stimmen und bösen Gedanken nicht mehr als von außen kommend gesehen sondern als von mir selbst produziert. Ich vertraute mich der sanften Güte Gottes an und betete mehrmals bewußt darüber daß ich mich als Kind Gottes sehen wollte. Und da wurde ich dann gelassen und als die Stimmen wiederkamen versuchte ich so über sie zu denken daß sie vom Gehirn produziert wurden weil ich an sie dachte - der schizophrene Knackpunkt, denn gesunde Leute können über etwas Böses nachdenken ohne daß da eine böse Stimme hochkommt und ohne daß sie dann glauben der böse Gedanke muß bestraft werden.

Und da merkte ich dann daß der dämonische Gedanke das Dämonische verlor und ich nahm ihn ohne die sonst übliche Angst und Wut wahr. Und dann konnte ich den Gedanken ganz einfach abstellen und mußte ihn nicht mehr kontrollieren.
Autor Doris4319a
registriert
#11 | Gesendet: 3 Dez 2012 02:35
Malwina:
Mich hat Arnhild Lauveng in ihrem Buch "Morgen bin ich ein löwe" drauf gebracht. Sie schreibt, dass sie plötzlich ein völlig ängstlicher Typ war und sich das nicht erklären konnte, so ganz difuse Angstgefühle. Als sie die medikamente abgesetzt hatte, war diese "Charakterveränderung" auch weg. Muss wohl mit Dopamin zusammenhängen.

Ja, das kann ich bestätigen. Dass kommt sogar bei Tests raus. Ich habe in meinem Personaler-Aufbaustudium den Myers-Briggs-Typen-Indikator gemacht (MBTI). Da kam eine deutliche Introvertiertheit raus. Heute, nach dem Absetzen, bin ich sehr schwungvoll und extrovertiert unterwegs. Ich habe auch keine Angst, was falsch zu machen oder in eine Fettnäppfchen zu tappen oder eine Witzfigur zu werden. Wenn ich was deppertes mache, dann lache ich zusammen mit meinen Freunden/ Kollegen etc. drüber.

Mittlerweile würde ich die Neuroleptika als chemische Zwangsjacke bezeichnen. Die Käseglocke, die die NL darstellen, ist streckenweise gut und richtig - aber man ist schon als Person und auch in seiner Identität massiv eingeschränkt/behindert.

Lieber Gruß
Doris
Autor Kampfpommes
registriert
#12 | Gesendet: 3 Dez 2012 15:37
Hotte:
Bei meinen Eltern zu wohnen könnte ich mir nicht noch einmal vorstellen. Es reicht für ein Wochenende zu Besuch, mehr aber auch nicht.

Veränderung durch die Erkrankung, ja. Ich komme mir so vor, als sei ich total umgekrempelt worden.
Vorher war ich Quasselstrippe, jetzt kriege ich den Mund kaum noch auf.
Vorher extravertiert, jetzt introvertiert.
Vorher an allem möglichen interessiert, jetzt an nichts mehr.
Vorher ein sehr aktives Leben geführt mit Sport und Parties, jetzt liege ich nur noch im Bett.
Vorher war mir nix zu peinlich, jetzt schäme ich mich in den Erdboden.

ist bei mir genau so...

habe mich auch doll geändert
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