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Narzissmus - eine erfundene Epidemie?

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Autor not_sure
registriert
#1 | Gesendet: 15 Jan 2017 14:20
Der Narzissmus ist zur Seuche unserer Zeit geworden, klagen Psychologen und Feuilletonisten. Die New Yorker Autorin Kristin Dombek hat das angebliche Zeitgeistphänomen Selfiness untersucht – und dabei völlig Unerwartetes gefunden.

http://www.deutschlandradiokultur.de/kristin-dombek-die-selbstsucht-der-anderen-narzi ssmus-eine.1270.de.html?dram%3Aarticle_id=376329
Autor Gammelfleisch
registriert
#2 | Gesendet: 15 Jan 2017 15:58
Nein, das ist keine erfundene Epidemie. Und das lässt sich auch nicht so oberflächlich widerlegen wie diese Domnek es tun will. Narzissmus ist nicht per-se sich selbst auszuleben um sein Selbstwertgefühl zu erhöhen, sondern es ist das selbe zu tun während man parallel ein negatives Selbstkonzept hat das man damit kompensieren will. Diesen negativen Teil des Egos zeigen Narzissten nicht und daher ist es schwierig Leute als Narzissten auszumachen.
Narzissmus entsteht vor allem dann gern wenn ein Kind in seiner Entwicklung nur Liebe für seine Leistung bekommt, also das Gefühl bekommt, dass es nicht um seiner selbst wegen geliebt wird, sondern der Leistung wegen. Und es liegt meiner Meinung nach im zunehmendenden Leistungsdruck der Wirtschaft, dass die Eltern das an ihre Kinder weitergeben.
Autor not_sure
registriert
#3 | Gesendet: 15 Jan 2017 20:37 | Edited by: not_sure
»Narzissmus ist das Schlimmste, was einem heutzutage vorgeworfen werden kann.«

Da meldet sie sich nochmal selbst zu Wort (youtube video)

Gammelfleisch:
Nein, das ist keine erfundene Epidemie.

Na ich denke schon dass es ein bisschen zu verbreitet ist, was man ab und zu auch mit dem wörtchen >schizophren< so ähnlich erleben kann. -Also dort wo es ja eigentlich nicht hingehört. Aber wir verstehen das ja :-)
Autor Gammelfleisch
registriert
#4 | Gesendet: 15 Jan 2017 21:27 | Edited by: Gammelfleisch
not_sure:
Na ich denke schon dass es ein bisschen zu verbreitet ist, was man ab und zu auch mit dem wörtchen >schizophren< so ähnlich erleben kann.

Find ich nicht, dass der Begriff Narzisst bzw. narzisstisch jetzt eine umgangssprachliche Bedeutung hat die so stark von der klinischen abweicht oder, dass man inflationär Menschen Narzissten nennt.

Aus diesem Artikel:
"Narzissmus ist eine seelische Störung, die immer häufiger auftritt. Das zeigt eine grosse Übersichtsstudie, die vor drei Jahren in der Fachzeitschrift «Personality and Social Psychology Review» veröffentlicht wurde. Die Psychologin Sara H. Konrath von der US-Universität Michigan fand heraus, dass Studenten heute weniger Mitgefühl für andere Menschen zeigen als die vorherige Generation. Konrath hatte die Resultate der Psychotests von 14 000 College-Studenten aus den Jahren 1979 bis 2009 miteinander verglichen. Die Psychologin vermutet, die Gründe dafür könnten im stärkeren Konkurrenzkampf im Berufsleben liegen und in der Nutzung von Online-Medien, die die Vereinzelung förderten."
Autor Emmy
Gast
#5 | Gesendet: 16 Jan 2017 04:52
Seh ich auch so, Gammelfleisch. Kann zwar sein, dass jetzt mehr Leute mit einer narzisstischer Störung "auffallen", aber im Grunde gab es das schon immer als schwere Erkranung, wie ich finde.

Vieles wird heute sicher auch schnell als "narzisstisch" in Sinne einer schweren Erkrankung induziert, ist aber m.M.n. mehr ne starke "antisoziale" Einstellung bei bestimmten Bevölkerungsgruppen.

Denen ist einfach nur ihres "eigenes Hemd" näher, als irgendwas-aber das hat im Grunde auch nix mit "Narzissmus" zu tun im eigentlichen Sinne.

Das ist dann schon mehr eine ganz schwere Erkrankung, die die Betroffenen auch mehr gar nicht im Griff haben.

lg Emmy
Autor Bazifischer
Gast
#6 | Gesendet: 16 Jan 2017 07:55 | Edited by: Bazifischer
Gammelfleisch:
während man parallel ein negatives Selbstkonzept hat das man damit kompensieren will.

Es gibt aber mittlerweile auch andere Theorien.
Der Narzissmus heutzutage hat viel mit dem Erziehungsstil zu tun, der sich in den 80er Jahren etabliert hat. Da hieß es, man muss das Kind immerzu loben, damit es genug Selbstbewusstsein aufbaut. Deshalb bekamen die Kinder ein falsches Selbstbild, das nicht ihren tatsächlichen Leistungen entsprach. Ihnen wird von den Eltern vermittelt, dass sie etwas ganz Besonderes sind, ohne dass sie etwas dafür leisten müssten. Sie sind von Haus aus mehr wert als die anderen.

Emmy:
hat im Grunde auch nix mit "Narzissmus" zu tun im eigentlichen Sinne.

Es gibt niemanden der 100% ein Narzisst ist und jeder hat narzisstische Züge in sich. Also, man muss hier nicht von entweder oder reden.
Das Phänomen nimmt zu. Das Gegenteil zu Narzissmus lautet Perfektionismus. Wenn man also immer meint, man ist nicht gut genug, ist es ebenso krankhaft.

Ein typisches Merkmal für Narzissmus ist fehlende Selbsttranszendenz. Also, Atheisten neigen häufig zur Selbstbezogenheit, weil sie nichts Größeres als sich sehen.
Ein Wesensmerkmal ist auch die Fremdabwertung, also alles was sie nicht sind, ist automatisch weniger wert.
Neid ist auch eine Charaktereigenschaft des selbstverliebten Narzissten. Weil sie sich so toll finden, meinen sie immer, alle anderen seien auf sie neidisch. Gleichzeitig sind sie aber auch missgünstig auf andere Leute zu sprechen und können keine anderen Leistungen außer die ihrigen wirklich anerkennen.

Ich glaub schon, dass man das kritisch sehen muss in der Welt der Trumps, Putins und Ronaldos.
Autor Emmy
Gast
#7 | Gesendet: 16 Jan 2017 08:22 | Edited by: Emmy
Ne, Bazifischer. Ich denke, da wird Egosimus im Alltag (und das spüren wir ja Alle) einfach mit Narzissmus gleich geetzt, was nochmal was ganz anderes ist.

Letztendlich denke ich ist diese Diskussion nur eine Definitionsfrage. Ich für meinen Teil würtde halt sagen, dass vermehrt Egoismus spürbar ist, so nach dem Sinne ala "nach mir die Sinnflut, ist mir mehr scheissegal", aber ich bleibe dabei das Narzissmus noch mal ne ganz andere Nr. ist.

Lg Emmy
Autor Bazifischer
Gast
#8 | Gesendet: 16 Jan 2017 09:22 | Edited by: Bazifischer
Emmy:
Egosimus

Emmy:
Narzissmus

Im Endeffekt bedeuten diese beiden Begriffe aber das Gleiche. Die Leuten kreisen um sich selbst.
Egoismus und Narzissmus verhalten sich zueinander so ähnlich wie Psychose und Schizophrenie. Wenn man sehr oft egoistisch (egozentrisch) handelt, dann ist man krankhaft narzisstisch.
Autor Lightness
registriert
#9 | Gesendet: 16 Jan 2017 09:29
Der Trick ist, einen Narzissten mit der Frage zu konfrontieren:

"Wie narzisstisch halten Sie sich auf einer Skala von 1 bis 10?"
Autor not_sure
registriert
#10 | Gesendet: 16 Jan 2017 12:04
Gammelfleisch:
Find ich nicht, dass der Begriff Narzisst bzw. narzisstisch jetzt eine umgangssprachliche Bedeutung hat die so stark von der klinischen abweicht oder, dass man inflationär Menschen Narzissten nennt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus#Psychiatrische_Perspektive:_Alltagsnarzissmu s_versus_pathologischer_Narzissmus

Alltagsnarzissten sind jedoch, wie die jüngere Forschung aufgewiesen hat, emotional stabil, mit sich selbst und ihrem Leben zufrieden und an ihre Lebenssituation gut angepasst.[49] Zwar sind sie mehr als andere Menschen auf Bewunderung angewiesen, verfügen jedoch über eine große Bandbreite von Verhaltensweisen und Wahrnehmungsmustern, um ihren Bedarf an Bewunderung zu decken und Kritik abzuwehren.[50] Für die psychiatrische Diagnostik, die sich per definitionem mit Pathologien und mit Leiden beschäftigt, ist Alltagsnarzissmus daher nicht relevant.

Der "Alltagsnarzist" also. Wieder was gelernt :-)
Autor Gammelfleisch
registriert
#11 | Gesendet: 16 Jan 2017 14:58 | Edited by: Gammelfleisch
Bazifischer:
Da hieß es, man muss das Kind immerzu loben, damit es genug Selbstbewusstsein aufbaut. Deshalb bekamen die Kinder ein falsches Selbstbild, das nicht ihren tatsächlichen Leistungen entsprach. Ihnen wird von den Eltern vermittelt, dass sie etwas ganz Besonderes sind, ohne dass sie etwas dafür leisten müssten. Sie sind von Haus aus mehr wert als die anderen.

Das gibt es auch. Solche Leute fallen dann manchmal auf die Nase wenn die erleben, dass im realen Leben die nicht der große Prinz bzw die große Prinzessin sind. Das ist aber seltner, harmloser und was anderes als eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Emmy:
... aber im Grunde gab es das schon immer als schwere Erkranung, wie ich finde.

Persönlichkeitsstörungen gelten bis auf Borderline nicht als schwere psychische Erkrankungen.
Autor Emmy
Gast
#12 | Gesendet: 16 Jan 2017 17:59 | Edited by: Emmy
Nein, Bazi zwischen Egoismus und Narzissmus gibt es noch die krankhafte Grenze zum Narzisssmus. Egoisten können auch sehr abgehen, da hast Du Recht, aber sind nix gegen einen "wirklichen" Narzissten.

Egoisten sind zwar auch sehr "Ich-bezogen", aber das ist nix gegen einen Narzissten mit seiner "Selbstverliebheit". Da kommen ganz andere psychische Mechanismen in Gange und nein, Gammelfleisch für mich zumindest ist eine auch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ne schwere Erkranung. A) weil die Umwelt wirklich sehr darunter leidet und b) weil die Betroffenen auch sich mehr kaum bremsen können. Dagegen find ich mehr Borderline harmlos, denn da weiss man ja wenigstens wo man dran ist-die psychischen Mechanismen sind auch eindeutig da , find ich.

Na klar, muss man sich auch davor schützen, aber bei einem ausgewachsenen "Narizissten" weisst Du ja mehr erst mal gar nicht, find ich.

Lg Emmy
Autor klarsehend42
registriert
#13 | Gesendet: 16 Jan 2017 19:59 | Edited by: klarsehend42
Nicht voll zum Thema, aber ich habe letztens ne doku gesehen, wo sie einige neue Krankheiten vorgestellt haben, wegen dem neuen DSM-V usw. und da kann ich nur sagen, das ist doch alles vollkommener abfall. ein großer teil der sogenannten psychischen krankheiten ist nichts als ein schlechter witz.
Autor Gammelfleisch
registriert
#14 | Gesendet: 16 Jan 2017 20:55
Wegen der besseren Differenzierung der Störungen im DSM-V kommen sicher nicht viel mehr Leute zum Psychiater. Da hat die Pharmaindustrie sicher die Rechnung größtenteils ohne die Patienten gemacht.
Autor not_sure
registriert
#15 | Gesendet: 17 Jan 2017 12:34 | Edited by: not_sure
klarsehend42:
ein großer teil der sogenannten psychischen krankheiten ist nichts als ein schlechter witz.

Das kann ich nach dem Durchstöbern des DSM-IV leider nur bestätigen. Darin tauchen Dinge auf, die so dermaßen banal sind, dass ich mich wundere wie solche Dinge es in so ein Verzeichnis schaffen können. Aber da schaut man am Besten mal selbst. Ich kann das hier nicht zusammenfassen.

An dieser Stelle einmal ein Dankeschön für die Beteiligung am Thema. Gerne wollte ich lediglich diesen Artikel verlinken. Wieviel ich davon halte was Frau Dombek meint, könnte ich vielleicht dann erst formulieren, nachdem ich in ihr neues Buch geschaut habe.

Was das Selfieness-Phänomen betrifft, so habe ich da eine ganz andere Theorie die in Richtung Informations-Überwachung sowie Markt-Statistik-Forschung usw. geht.
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