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Wie mir Schizophrenie mein Leben versaut hat

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Autor HerrGerko_81
registriert
#31 | Gesendet: 25 Nov 2017 21:10
@all:
Danke für eure Kommentare und Anteilnahme!
Autor Mowa
registriert
#32 | Gesendet: 26 Nov 2017 17:57 | Edited by: Mowa
Hallo HerrGerko_81,
 
danke für Deinen Beitrag. Ich kann herauslesen, dass Du sehr viel hast schon durchmachen müssen. Und doch wirkst Du erstaunlich gefasst, und Deine Gedanken sind geordnet. Ist doch ganz klar, dass Du in Deiner Situation Zukunftsängste erlebst.
 
Ein Pech, wirklich, dass Du im Wahn Deine Wohnung angezündet hast. Ich war auch schon akut psychotisch, und rückblickend kann ich vom Glück reden, dass nichts und niemand dabei beschädigt wurde... Ich kann mir nämlich vorstellen, dass *jeder* Psychotiker im akuten Wahn - je nachdem, wie seine Wahnwelt dann durch Zufälle gelenkt wird - ernsthafte Schäden anrichten kann, bis hin zu (Selbst-)Mord, wirklich tragisch dann.
 
Na ja, und Menschen, die noch nie von psychischen Problemen betroffen waren und damit umzugehen lernen mussten, von ihnen kann man nicht erwarten, Verständnis für uns Psychos aufzubringen, finde ich. Ich kann diesen Nichtbetroffenen nichts nachtragen, wenn sie nichts mit uns zu tun haben wollen. Das wären für mich erstmal ganz normale (Abwehr-)Reaktionen, ja.
 
Wenn Du schreibst, keine "normale" Frau und keine "coolen" Typen könnten künftig etwas mit Dir zu tun haben wollen, dann frage ich mich, was Du genau unter "normal" und "cool" verstehst...?
 
Die meisten Menschen in meinem Umfeld z.B. sind psychisch mindestens durchschnittlich gesund, und doch fühle ich mich ihnen nah. Sie haben mich wie selbstverständlich in ihre Kreise aufgenommen, ohne dass sie irgendetwas von mir gefordert hätten. Ich habe auch über die Jahre allmählich mitbekommen, dass sie schon ihrerseits Schicksalsschläge auf die eine oder andere Art überwinden mussten. Mir erscheint es so, dass Menschen, die in ihrem Leben bereits leidvolle Verlusterfahrungen überwinden mussten, sich selbst und alles, was sie haben umso mehr schätzen und auch mehr dazu bereit sind, überhaupt zu lieben und zu geben.
 
Von daher ja, ich vermute, dass ich mich mit einem Menschen, der noch nie sich und das, was er hat zu schätzen lernen musste, nicht verstehen würde. Wer Psychos von vornherein ablehnt, weil er ahnungslos und unerfahren ist, ist für mich nicht cool. Bis jetzt wurde ich auch nicht gezwungen, privat mit einem solchen Menschen zu tun zu haben. Und als Lebenspartner wünsche ich mir selbstverständlich auch einen Menschen, der die Schmerzen anderer wahrnehmen und verstehen kann, und der seine eigenen Handlungen danach ausrichten kann, um diese Schmerzen nicht noch zu vergrößern. Keine Ahnung, ob ein solcher Mensch "durchschnittlich und normal" wäre, das würde ich mir jedenfalls wünschen, das wäre doch echt cool ;-)
 
Alles Gute für Deine Zukunft,
 
Mowa
Autor HerrGerko_81
registriert
#33 | Gesendet: 27 Nov 2017 14:50
@Mowa:

Vielen lieben Dank für deine nette Antwort! :)
Autor HerrGerko_81
registriert
#34 | Gesendet: 28 Nov 2017 20:35
@Bazifischer:
... und was ist dann passiert (als Konsequenz)?
Autor Glowhollow
Gast
#35 | Gesendet: 28 Nov 2017 22:27
@HerrGerko_81

Hallo, interessante Geschichte. Jeder hat irgendwie mit seiner Krankheit sein päckchen zu tragen. Ich bin knapp 2x am Selbstmord vorbeigeschrammt. Eben wegen dieser psychotischer Eingebung. Mittlerweile stabil und wieder zurück im Arbeitsmarkt.

Nicht Aufgeben ist die Devise. Übrigens für suizidgefärdete Personen die richtige Einstellung.
Autor DaVincic
registriert
#36 | Gesendet: 28 Nov 2017 22:52
herrgerko

ich sage es ist immer eine sache der perspektive. du liegst richtig wenn du sagst das die schizophrenie dir dein leben versaut hat. aber ich liege auch richtig wenn ich sage das mir die schizophrenie die augen geöffnet hat.

es ist ein prozess mit der krankheit umgehen zu können. zurzeit geht es mir gut aber das muss nicht sein das es so bleiben wird, doch habe ich hoffnungen ein schönes leben aufbauen zu können und du kannst das auch! :-)

ich habe so ne beschissene zeit gehabt nach der psychose. keine gefühle nichts. das leben zieht an einem vorbei. doch glaubte ich an schönere tage wo ich ja fast erwürgt werde von der fähigkeit wieder gefühle vernehmen zu können. und es ist passiert. ich unternehme schon viel mehr und habe pläne.

es ist vielleicht ein klischeedenken das mit, denke positiv und glaube daran bla bla. aber das stimmt schon. nur ist es schwer daran glauben zu können wenn man in ein loch ist wo kein licht durch kommt. aber mit eine schönen gedanken und einen funken hoffnung kommst du der oberfläche näher und siehst schon kleine lichtstrahlen. und je weiter du dich bewegst desto heller werden sie bis du schließlich dieses loch verlassen hast und wieder neu durchstarten kannst.

also gib die hoffnung nicht auf :-)
Autor Bazifischer
registriert
#37 | Gesendet: 29 Nov 2017 09:19
HerrGerko_81:
und was ist dann passiert (als Konsequenz)?

Da ist nicht viel passiert. Mein Bruder konnte mich bald wegdrücken. Er hat mich eben bis aufs Blut gereizt, das muss man auch berücksichtigen. Trotzdem war es blöd von mir; hab mich hinterher sehr schlecht gefühlt. Wir hatten öfter solche Streitereien. Er ging auch oft auf mich los.
Ich wollte das nur schreiben, um mich solidarisch zu erklären.
Autor HerrGerko_81
registriert
#38 | Gesendet: 29 Nov 2017 12:04
@Bazifischer:

Okay, verstehe.

@DaVincic:

Danke dir! ;)

@Glowhollow

Freut mich für dich, dass alles gut läuft bei dir!
Autor HerrGerko_81
registriert
#39 | Gesendet: 7 Dez 2017 20:33
@Mowa:

Unter "cool" und "normal" meinte ich die Leute, die eben nicht psychisch erkrankt sind, die kaum ein Päckchen zu tragen haben, voll im Leben stehen und mit denen man gerne zusammen ist...
Autor Mowa
registriert
#40 | Gesendet: 7 Dez 2017 23:07
Hallo HerrGerko_81, na ja ich verstehe Dich schon, glaube ich, wer hat sich nicht schon mal seine Probleme weggewünscht!
Autor HerrGerko_81
registriert
#41 | Gesendet: 11 Dez 2017 11:40 | Edited by: HerrGerko_81
"... Das sind Einschränkungen, mit denen man leben kann, solange man kein geregeltes Erwerbsleben führen muss."

Hier fängt allerdings mein Problem an: ich möchte gerne Vollzeit arbeiten gehen, aber man lässt mich indirekt (siehe vorher) nicht. Teilzeitstellen sind in meiner Branche schwer zu finden und etwas anderes geht nicht einher mit meiner Ausbildung (abgeschlossenes Studium). Bleibe ich zu lange dem 1. Arbeitsmarkt fern, so kann ich es mir „abschminken“ dort jemals wieder Fuß fassen zu können. Es lässt sich so absehen, dass ich dadurch nacheinander meiner Existenz beraubt werde (Absicht?), da man sich mit ALG II nichts aufbauen kann und Alternativen findet man auch nicht so leicht. Ferner will kein Mensch ein Leben lang von Hartz IV existieren. Ich möchte jetzt in meinem Alter auch nicht noch ein neues Studium oder eine Ausbildung beginnen, wenn es Vollzeit genug Stellen gäbe und man eben arbeiten könnte…

(In eigener Sache: Bitte entschuldigt vielmals den Nachtrag!)
Autor HerrGerko_81
registriert
#42 | Gesendet: 11 Dez 2017 11:42
@Mowa:

Probleme wegwünschen, klar, möchte ich auch können. Normalerweise muss man sich seinen Problemen stellen, aber mit dem ganzen Batzen bin ich jedoch schon ziemlich überfordert. ;)

Vielleicht wird es mal besser...
Autor psypha2
registriert
#43 | Gesendet: 11 Dez 2017 14:23
HerrGerko_81:
Ferner will kein Mensch ein Leben lang von Hartz IV existieren.

Da kenn ich aber genug andere die genau das tun und keinen Finger krümmen wollen. Du musst halt geduldig sein, irgendwas wird sich schon finden. Wir haben momentan in Deutschland mehr Arbeitsstellen als es genug geeignetes Personal dafür gibt. Eventuell umziehen eine Alternative?
Autor HerrGerko_81
registriert
#44 | Gesendet: 11 Dez 2017 14:28
@psypha2:

Hi, grüß dich!

Umziehen ist eher kontraproduktiv, da es hier genug Arbeitsplätze gibt, bzw. wenn es hier schwierig ist, dann woanders noch mehr.

Die, die keinen Finger krumm machen wollen, ja, da kenne ich auch ein paar. An denen messe ich mich nicht - habe meine eigene Einstellung zur Arbeit. Wünschte, mir wäre alles egal, aber das ist es nunmal nicht. ;)
Wie ist das: mit ALG II kannst du überleben, aber nicht wirklich leben...

Und ja, Geduld brauche ich auch.
Autor psypha2
registriert
#45 | Gesendet: 11 Dez 2017 14:34
Ja, falls es dich tröstet. Ich sitz jetzt seit fast einem Jahr nur rum und komm gar nicht voran. Bevor ich arbeiten gehen kann, muss jetzt erstmal eine Reha gemacht werden, um festzustellen ob ich überhaupt noch arbeitsfähig bin und bis dahin Anspruch auf Hartz 4 habe. Das heißt wieder 6 Monate in einer Klinik, bevor es dann weitergeht.
Momentan sitz ich den ganzen Tag rum und versuch mich mit irgendwas zu beschäftigen, aber arbeiten gehen will ich trotzdem.
Die jeweilige Erkrankung legt einem halt massiv Steine in den Weg, ich sag mir deswegen immer, ich muss geduldig bleiben und hoffen.
Sich jetzt verrückt zu machen, weil es gar nicht vorangeht, ist der falsche Weg, auch wenn es schwer fällt. Irgendwann kommt schon wieder der richtige Moment.
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