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Sind Psychiater überbezahlt (und Ihr Nutzen bei de

Autor Amethyst
Gast
#1 | Gesendet: 19 Jun 2010 21:32
Hallo

Ich bin mit meinem jetzigen Psychiater zwar einigermassen zufrieden. Was meine früheren Psychiater anbelangt, kann ich nicht viel Positives sagen. Sie haben es alle leider nicht geschafft mich von meinen wahnhaften Ideen abzubringen. Ich habe über 1.5 Jahre in der Öffentlichkeit Selbstgespräche geführt, weil ich dachte, dass ich in einer "wichtigen politischen Mission" unterwegs wäre und meine Gespräche abgehört würden (ein in die Schuhe eingebautes Aufnahmegerät, dachte ich, würde meine Gespräche aufnehmen und übertragen). Ich habe in dieser Zeit nicht mehr gearbeitet und mein Psychiater (bzw. die Psychologin) intererssierte sich eigentlich nicht wirklich was ich den ganzen Tage so mache. Es wäre für mich sehr hilfreich gewesen, wenn der Psychiater betr. meiner Wahnideen mehr nachgefragt hätte. Ich hatte zwar kein Vertrauen in ihn, allerdings hätte man mich mindestens bezüglich gewisser Sachen überzeugen können. Ich habe meine Zeit mit diesen Therapien vergeudet. Medikamente haben mir schliesslich z.T. geholfen (ich hatte keine Hallûzinationen mehr).

Bei einer Langzeitbehandlung der Krankheit stellt sich für mich die Frage, inwiefern ein Psychiater nach Abklingen der pos. Symptome und nach Krankeneinsicht noch helfen kann. Ich finde die Gespräche mit meinem Psychiater zwar ingesamt in Ordnung und eigentlich auch noch wichtig. Es dreht sich bei diesen Gesprächen eigentlich immer mehr um praktische Sachen (z.B. Arbeitsuche) etc. Ich finde jedoch, dass der Psychiater für solche allgemeine Gespräche etwas überbezahlt ist. Im Vergleich zu anderen Fachärzten verdient der Psychiater relativ wenig. Allerdings braucht man für solche Gespräche auch keine überschnittliche Fähigkeiten. Wie sieht Ihr das? Sind Psychiater für Ihren Job überbezahlt? Was ist der Nutzen von Psychiatern über eine längere Phase bei der Schizophreniebehandlung (pos. und neg. Symptomatik)?

Gruss, Jupiter
Autor Doris316
Gast
#2 | Gesendet: 19 Jun 2010 21:46
"Der Neurotiker baut sich ein Wolkenkuckucksheim, der Psychotiker wohnt darin, und der Psychiater kassiert die Miete." Jerome Lawrence

Hi Jupiter,

bist Du in Deutschland zuhause?

Ich, ja. So wie ich die Situation einschätze, verdient ein Psychiater, der hier niedergegelassen ist und ambulant behandelt, nicht unbedingt viel. Und er hat auch nicht sonderlich viel Zeit für den einzelnen Patienten. Bei mir dreht sich das Gespräch normalerweise darum, wie es mir gerade geht, ob die Medikation noch passt, ob ich wieder ein Rezept brauche und ggf. Außerordentliches (z.B. läuft zur Zeit ein Kurantrag). Zu mehr langt die Zeit nicht, obwohl ich mir sicher bin, dass ich von ausführlicheren Gesprächen sehr profitieren könnte - ihn für absolut fähig halte und auf beiden Seiten Sympathie da ist. Mein Nutzen: unermesslich. Z. B.: ich lebe noch.

Gruß von
Doris
Autor Molly
registriert
#3 | Gesendet: 19 Jun 2010 21:56
Der Nutzen?:

Weil ich 13 Jahre ununterbrochen jeden Monat zu meinem Psychiater gewandert bin, hab ich 2007, als der Fortgang meines weiteres Lebens davon abhing, ohne irgendwelche Probleme die Dauerrente gewährt bekommen. Ich musste nicht mal mehr zu einem Gutachter.

Ansonsten hat es mir sehr viel geholfen, jemanden (ansonsten hatte ich nur meine Schwester) zu haben, mit dem ich meine ganze Beziehungsproblematik immer wieder bereden konnte. Es war allerdings nicht mehr drin, als sich mal auszuheulen. Ich hätte mir zB. oft gewünscht, dass der Arzt meinem Mann mal ordentlich den Kopf gewaschen hätte. Am Ende war man also wieder auf sich selbst gestellt und selbst eine Lösung herbeizuführen war in der abhängigen Situation in der ich mich befand einfach nicht drin auch wenn einem vieles durch das Reden klarer geworden war.

LG,
Autor Amethyst
Gast
#4 | Gesendet: 19 Jun 2010 22:25
Hi Doris316

Ich wohne in der Schweiz. Fast alle meine behandelnden Psychiater kamen übrigens aus Deutschland. Jetzt, wo ich Krankeneinsicht habe bringen mir die Gespräche auch ziemlich viel. Ich frage mich einfach wie dies längerfristig aussehen wird. Mein grösstes Problem zur Zeit ist, dass ich mich beruflich wegen meiner Krankheit nicht wirklich verwirklichen konnte. Vielleicht wird noch etwas daraus. Ich bewerbe mich zur Zeit. Auch wollte ich dann noch eine Familie gründen. Sodann habe ich wenig soz. Kontakte. Dies sind Themen, welche ich mit meinem Psychiater besprechen kann. Er gibt mir z.T. auch praktische Ratschläge. Aber so wirklich lösen kann er meine Probleme nicht. Überbezahlt ist er wahrscheinlich nicht.

Gruss, Jupiter
Autor fhes
registriert
#5 | Gesendet: 19 Jun 2010 23:41
Hallo Jupiter,

ich habe mich ca. 2 Jahre lang mit diversen verschiedenen Aerzten rumgestritten, und ich habe ihnen laufend Inkompetenz, Ignoranz und (auch heimlich) Dummheit vorgeworfen. Teilweise habe ich mich sogar bei Vorgesetzten und auch bei der Aerztekammer ueber fragwuerdige Behandlungsmethoden beschwert. Die meisten koennen froh sein, dass ich mich ueberhaupt zahlungswillig gezeigt habe.

Nun habe ich eine Aerztin, ueber die ich mich sehr freue. Es ist mir eine Ehre, mit ihr zusammenzuarbeiten. Ich weiss nicht, wieviel Geld sie verdient, aber in meinen Augen kann es nur zuwenig sein.

Gruss
Autor Sanjo
registriert
#6 | Gesendet: 20 Jun 2010 00:03
@ Hallo Ihs…

wie viel Geld meine Psychiaterin verdient – ich weis es nicht. Das ist für mich auch nicht zwingend wichtig, wobei ich persönlich bezweifle, dass sie das Geld bekommt, was sie tatsächlich verdient hätte (?)!

Ihr Wartezimmer ist ständig voll. Und sie nimmt sich mit mir mitunter mehr Zeit, als mir manchmal lieb ist – eben weil das Wartezimmer voll ist! Und dann übersehe ich auch nicht die gestapelten Unterlagen im Sprechzimmer, die auch noch aufzuarbeiten sind.

Es ist ihr Job sicher. Aber ich habe mich schon oft gefragt, wie sie das schafft? Auf mich wirkt sie permanent überfordert, was sich aber nicht auf die Behandlung auswirkt, sondern vielmehr mein subjektiver Eindruck ist.

Selbiges gilt übrigens auch für meine Hausärztin und alle anderen Fachärzte u. Therapeutin, bei denen ich regelmäßig in Behandlung bin und auf die ich nichts kommen lasse!

Ich glaube, dass in der Wirtschaft und in „bestimmten“ Unterhaltungsbranchen – mit weniger Kraftaufwand und wesentlich kürzeren Arbeitszeiten und ohne Verantwortung für Gesundheit / Leben v. Menschen – unverhältnismäßig mehr Geld gezahlt wird!!

LG
Sanjo
Autor Paulina
registriert
#7 | Gesendet: 20 Jun 2010 05:37
Morgen

Ein ambulanter Psychiater bekommt für das 1/4 tel Std. Beratungsgespräch keine 20 € - ich meine es waren 17,50€. Es hing in der Praxis mal eine Liste am schwarzen Brett, die Ärztehonorare mit anderen Dienstleistungen verglich.
Ich fand es schon komisch, dass mich eine neue Frisur oder die Reinigung meines Schornsteins (keine 5 min.) weitaus mehr kostet.
Ich bin froh, dass sich mein Arzt die Mühe macht, sich mit meinen Fragen auseinanderzusetzen und mir nicht nur das Rezept in die Hand drückt und mir `nen schönen Tag wünscht.


LG Paulina
Autor bjoern100
registriert
#8 | Gesendet: 20 Jun 2010 11:05
Ich weiß nicht ob sie überbezahlt sind. Aber ich schätze Sie verdienen für Medikamenten Einstellungen mehr als Maurer oder Dachdecker, und die arbeiten wirklich schwer.
Aber mal davon abgesehen denke ich nicht das ein Psychater die Aufgabe hat mit in meinem Leben weiter zu helfen. Er sollte meine Dosis im Auge behalten und bemerken wann ein Schub droht.
Denn ein Psychater ist im Vorfeld immer mehr von seinen Büchern überzeugt als von meinen Aussagen. Ich habe meiner ersten Psychaterin 5 Jahre lang gesagt das ich von den Medikamenten müde werde. Sie meinte das ist Ihre Krankheit. Aber mal ehrlich war ich bei meinem Schulabschluss und meiner Lehre in einem Dauerschub nur weil in Ihrem schlauen Buch nichts davon stand das man von den Medikamenten müde wird?
Jeder Psychater hat seine eigene Sicht der Dinge. Man kann nur sagen das man im Leben mit seiner Familie und seinen Freunden viel mehr besprechen kann als mit einem Psychater den man ein mal im Monat sieht.
Autor Doris316
Gast
#9 | Gesendet: 20 Jun 2010 13:40
Hi bjoern,

in den schlauen Büchern steht sehr wohl was von den Nebenwirkungen.

Die Dame hat sich Deine Behandlung mit ihrer Aussage Dir gegenüber lediglich einfacher gemacht - auf Deine Kosten.

Habe mal mit meinem Psychiater über die Vergütung gesprochen. Er hat mir das so erklärt: es gibt so etwas wie eine Psychiater-Flat, einen festen Betrag, den er für meine Behandlung pro Quartal erhält. Daher kommen dann wohl auch die Quartalstermine a 5 - 15 Minuten, je nach Arzt wenn man nicht gerade kriselt.

LG Doris

LG
Doris
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