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Meiner Mutter wird die Wohnung gekündigt, unterbindet jeden Kontakt

Autor Lillifee
registriert
#1 | Gesendet: 27 Apr 2016 19:36
Hallo zusammen!

Vielleicht hat hier irgendjemand eine Idee, was wir noch tun können; meine Geschwister und ich sind absolut hilflos...

Meine Mutter hat vor fast zwei Jahren einfach ihre Tabletten abgesetzt und ist seitdem in einer recht schweren schizophrenen Phase. Früher ging es immerhin nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie ein paar Monate gut, aber das letzte Mal hat die jegliche Form von Medikamenten vehement verweigert. Auf ihre Schübe will ich jetzt gar nicht so eingehen, die sind immer sehr verschieden, irgendwie war schon alles dabei...

Sie wohnt seit 8 Jahren alleine, da wir Kinder irgendwann zu unseren Vätern gezogen sind. Es war einfach zu viel für uns. Damit kam sie natürlich nie so ganz klar, weil wir ihr ein und alles sind. Mittlerweile hat sie auch keinen Betreuer mehr, weil sie ihm schwere Vorwürfe gemacht hat, deswegen sind uns die Hände gebunden.

Also: sie lebt allein, nimmt keine Medikamente, hat absolut keine Krankheitseinsicht. Sie hat auch kein Zeitgefühl mehr, randaliert nachts, trommelt, macht Sport, schreit vom Balkon aus nach ihren Kindern. Ihre Nachbarn halten es nicht mehr aus (einer sagte uns, dass er seit Januar keine Nacht mehr durchschlafen konnte, weil sie keine Ruhe gibt). So kam es, dass die Hausbewohner Beschwerde bei der Hausgenossenschaft einreichten und ebenjene meiner Mutter im Februar die Wohnung kündigte. Es wird wohl auf eine Zwangsräumung hinauslaufen. Sie lässt niemanden mehr in die Wohnung, nicht mal ihre Kinder. Telefonisch ist sie auch nicht erreichbar; der einzige Weg, zu erfahren, ob sie überhaupt noch lebt, sind die Nachbarn, die sich über den Lärm beschweren. Übrigens sind die (und auch die Hausgenossenschaft!) wirklich verständnisvoll und haben es lang ausgehalten. Es war absolut absehbar, dass es so kommen würde.

Das letzte Mal, dass wir in der Wohnung meiner Mutter waren, war zu Weihnachten. Sie ist absolut zugemüllt (und zwar wirklich!). Meine Mutter ist zudem furchtbar dürr, da sie ziemlich selten einkaufen geht. Und das auch nur, wenn der Tabak leer ist. Das Gesundheitsamt war auch schon da, meinte aber, dass sie nichts machen können, da sie einigermaßen gesund erscheint.

Wir wissen nicht, wie es nach der Räumung für sie weitergehen soll, da sie sich gegen jede Art von Hilfe sträubt.
Ich habe vor sieben Wochen das letzte Mal Kontakt mit ihr gehabt (sie konnte nicht reden, das hat sie immer, wenn es ihr wirklich schlecht geht. Nicht nur, weil Dinge in passieren, die nicht real sind, sondern wenn sie merkt, dass sie die Kontrolle über sich verliert - wie eben über die Fähigkeit, zu sprechen.) und diese ständige Angst, dass ihr etwas passieren könnte, macht mich fertig. Nebenher ist sie auch noch Epileptikerin und in ihrer Wohnung sollte niemand umkippen - wer weiß, wo man drauf landet.

Ich könnte noch sehr viel mehr schreiben, aber das soll vorerst reichen... vielleicht hat ja jemand von euch Erfahrungen mit solch einer Situation.

Danke im Voraus!!
Autor neverdrugs
registriert
#2 | Gesendet: 27 Apr 2016 19:49 | Edited by: neverdrugs
Lillifee , hier ein Urteil , das wegen Schreien und Weinen durch eine psychische Krankheit nicht die Wohnung gekündigt werden darf.

Vielleicht könnt ihr gerichtlich vorgehen , das die Wohnung nicht zwangsgeräumt wird.

Edit:
Ups , hier geht es um ein Hausverbot. Naja , aber wegen einer psychischen Krankheit könnte man vielleicht doch gegen die Kündigung vorgehen , wenn keine Gefahr für Fremde besteht.
Autor Sporidium
registriert
#3 | Gesendet: 27 Apr 2016 20:26
erinnert mich sehr stark an alkoholismus....dessen ich ergeben bin : |

komplette rettungskette aktivieren..und losslassen : |

auf jedenfall braucht ihr auch (professionelle!) bisschen hilfe ..und nicht nur die mutter...


jetzt fällt mir sogar ein... im extremfall.... mutter schnappen ab in psychiatry und behaupten die ist im delirium : |
Autor Chromedust
registriert
#4 | Gesendet: 27 Apr 2016 21:13
Wende dich an den sozialpsychiatrischen Dienst deiner Gemeinde. Die sind dafür zuständig, dass krankheitsbedingt hilflose Menschen nicht obdachlos werden, weil sie sich um nix mehr kümmern (können)

Und dann könnte man auch das Verfahren einleiten, dass sie einen gerichtlich bestellten Betreuer bekommt, da sie ja aufgrund der Krankheit nicht mehr für sich sorgen kann.
Autor schizophren
registriert
#5 | Gesendet: 27 Apr 2016 21:19
Sagen sie ist Suizidgefährdet und in die Psychiatrie mit ihr
Autor Lillifee
registriert
#6 | Gesendet: 27 Apr 2016 21:53
Danke für die schnellen Antworten! Dazu sollte ich noch ein paar Sachen schreiben, die eventuell wichtig wären...

neverdrugs:
Vielleicht könnt ihr gerichtlich vorgehen , das die Wohnung nicht zwangsgeräumt wird.

Wir möchten tatsächlich gerne, dass sie die Wohnung verlässt, da die Situation für die Hausmitbewohner unzumutbar ist. Ich würde auch durchdrehen, wenn jede Nacht jemand trommelt... außerdem hat sie wohl jemand aus dem Haus mit einem Messer bedroht. Am liebsten hätten wir, wenn sie in eine betreute WG zieht - alleine vereinsamt sie nur und wird nie regelmäßig ihre Tabletten einnehmen. Die Hausgenossenschaft kommt uns auch etwas entgegen, indem sie uns auf dem Laufenden hält und auch dazu bereit ist, uns selbst das Räumen der Wohnung zu überlassen, nachdem unsere Mutter draußen ist (damit für sie nicht ganz so viele Kosten entstehen...)

Sporidium:
jetzt fällt mir sogar ein... im extremfall.... mutter schnappen ab in psychiatry und behaupten die ist im delirium

Unsere Mutter lässt niemanden rein. Wirklich niemanden. Die Polizei/Feuerwehr hat mittlerweile auch keinen Bock mehr - die sind schon häufiger bei ihr eingebrochen, wenn wir uns allzu große Sorgen gemacht haben. Sie hat bei der Polizei sogar eine eigene Nummer bekommen, wo sie anrufen kann, damit sie nicht ständig die Leitungen belegt (sie ruft da seit einem Jahr mega oft an... und erzählt komische Sachen. Also, seit Januar meldet die sich dort wohl auch nicht mehr...). Wir können sie also leider nicht einfach in die Psychiatrie bringen :/ Obwohl wir das gerne getan hätten...

Chromedust:
Wende dich an den sozialpsychiatrischen Dienst deiner Gemeinde. Die sind dafür zuständig, dass krankheitsbedingt hilflose Menschen nicht obdachlos werden, weil sie sich um nix mehr kümmern (können)

Und dann könnte man auch das Verfahren einleiten, dass sie einen gerichtlich bestellten Betreuer bekommt, da sie ja aufgrund der Krankheit nicht mehr für sich sorgen kann.

Mit dem sozialpsychiatrischen Dienst stehen wir schon seit einigen Jahren in engem Kontakt. Die meinen, sie könnten gerade wirklich nichts tun. Unsere Mutter hätte evtl. die Chance, in ein Obdachlosenheim zu kommen, allerdings wird sie das ablehnen. Sie hat schlechte Erfahrungen mit dem Ort gemacht.
Eine Chance auf einen Betreuer hat sie momentan auch nicht. Uns wurde gesagt, sie wäre selbstständig genug. Vor Jahren wurde ihr schon einmal einer gestellt, der aber geschmissen hat (sie war früher mal mit ihm zusammen. Sie hat dem Amt erzählt, er hätte sie zu einem gemeinsamen Suizid gedrängt. Und sie vergewaltigt.). Sie selbst will auch keinen Betreuer, da sie nicht einsieht, warum...

schizophren:
Sagen sie ist Suizidgefährdet und in die Psychiatrie mit ihr

Sie hat sich vor vier Jahren tatsächlich versucht, das Leben zu nehmen. Aber wie schon weiter oben geschrieben, nimmt die Polizei sie nicht mehr so ganz für voll. Die Hausgenossenschaft hat uns aber immerhin beteuert, dass, falls die Nachbarn mal sagen, es wäre still, und über eine Woche würden keine Geräusche aus der Wohnung dringen, sie die Wohnung öffnen. Ist natürlich ein klasse Gefühl als Tochter, wenn die Mutter theoretisch eine Woche tot rumliegen könnte... und dann erst die Tür geöffnet wird.

Mir kommt diese Situation so verdammt aussichtslos vor...

Aber wirklich danke für die Antworten! Es ist irgendwie ein schönes Gefühl, dass Leute überhaupt mal wissen, was sie dazu sagen sollen :)
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