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das problem mit der psychiatrie

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Autor poxt
registriert
#1 | Gesendet: 29 Okt 2016 20:17
ist, dass sie uns, die wir per gesellschaft an die psychiatrie verwiesen werden, ein weltbild vermittelt, das uns unter umständen in der entwicklung behindert. nach meiner ersten psychose, wurde das darin aktive esoterische gedankengut ersetzt durch eine innerweltliche sichtweise auf psychologische, neurologische, gesellschaftliche zusammenhänge. das nahm zwar wesentlich den schrecken einer gewalttätigen übernahme durch unsichtbare wesenheiten aber es hatte mich auch amputiert. spirituell amputiert. das heisst, was jenseitig, transzendent ziel meines innerstens strebens gewesen war, war plötzlich weggeschnitten. mich wieder gefunden in einer öden traurigen welt. durch eine schmerzhafte erfahrung bin ich aufgebrochen worden und habe die realität eines raumes realisiert, der mir vorhin bloss "gehirn" war. und weil ich weiss, dass dieser existenzraum real ist, weiss ich, dass mein spirituelles streben von damals nicht hinfällig oder einfältig war, sondern dass das von der durch die psychiatrie vermittelte weltbild falsch ist. ich denke nicht nur, dass wir durch das so vermittelte weltbild am richtigen leben behindert werden, sondern dadurch über die wahre ursache/behandlung von schizophrenie getäuscht werden, indem wichtige erfahrungen pathologisiert werden. bösartig würde ich nicht unbedingt sagen und auch sinnvoll im akutfall, aber als wissenschaft ein weiterer baustein im verblendungszusammenhang. das heikle ist natürlich jetzt, dass deswegen die krankheit nicht wegdiskutiert ist, im psychotischen zustand ist man weder erleuchtet noch weise, sondern tatsächlich krank, aber ich habe die ahnung, dass die lösung tatsächlich eine spirituelle ist und nicht eine rückkehr zu den konventionen der gesellschaft, denn da haben wir die krankheit ja erst aufgelesen.
Autor Chromedust
registriert
#2 | Gesendet: 29 Okt 2016 20:29 | Edited by: Chromedust
Ich würde nicht sagen, dass spirituelle Hirngespinste eine Lösung sind.


Ich halte Empathie, emotionale Zuwendung und Mitmenschlichkeit bei jeder Art von psychischen Problemen für eine ganz ganz wichtige Quelle von Heilung. Und genau diese drei sind doch auch der Kern von echter Spiritualität.


Leider dämpfen nun antipsychotische Medikamente mit den Wahnvorstellungen, Wahnängsten etc auch diese positven Gefühle mit, weil sie eben völlig unselektiv alle mentalen Prozesse dämpfen, auch gesunde und potentiell heilsame.


Und ja, klar. Wir leben in einer ziemlich mitleidlosen Gesellschaft. Das ist nicht gut für psychisch kranke Menschen.
Autor poxt
registriert
#3 | Gesendet: 29 Okt 2016 20:49
meine selbsterkenntnis habe ich nicht in der freundlichen stube erhalten. schutz vor der bösen welt kann schlimmer sein als ins kalte wasser geworfen zu werden. weiterentwicklung des bewusstseins, nicht nettigkeit, was wir brauchen.
Autor Bazifischer
Gast
#4 | Gesendet: 29 Okt 2016 21:02
poxt
Für mich spielte Transzendenz auch eine große Rolle in der Psychose. Jetzt, da ich mich wieder gesund fühle, beschäftige ich mich trotzdem mit diesem Gedankengut, weil es zu meinem Bewusstsein gehört.
Wenn man so wichtige Teile seines Wesens verleugnet, kann man nicht richtig leben.
Ich stimme Dir zu.
Autor Kondor
registriert
#5 | Gesendet: 30 Okt 2016 02:24 | Edited by: Kondor
Was mich schon immer irritiert hat, ist die Form der zwischenmenschlichen Verständigung, auf die Psychiater oder auch die Psychiatrie fast schon bestehen.
Sie bestehen im Prinzip darauf, daß jeder, der mal mit ihnen zu tun hatte, in der " Ich- Form" sich mit anderen Personen verständigt.
Wenn zum Beispiel eine normale Person sagt " Das hat Spaß gemacht", wird von mir erwartet daß ich sage " Das hat mir Spaß gemacht".
Wenn ein normaler Mensch allgemeingültig sagt " Es ist soundso", wird von mir erwartet daß ich sage " Ich denke, es ist soundso".
Welche Form der Verständigung ist nun die wirklich Richtige?
Ich habe noch nie einen Psychiater gehört der sagte " Ich denke, daß sie eine Psychose haben", sondern sie sagen allgemeingültig " Sie haben eine Psychose".
Komisch, nicht?
Autor Kondor
registriert
#6 | Gesendet: 30 Okt 2016 02:58
Sorry, hätt ich wohl einen eigenen Thread aufmachen sollen.
Autor sixi
registriert
#7 | Gesendet: 30 Okt 2016 08:42
Kondor:
Welche Form der Verständigung ist nun die wirklich Richtige?

Hm, kommt darauf an, was man will. Will man Denkmuster erkennen und verändern, macht es Sinn, genau zu sagen ...

Z.B. "du machst mich wütend" ... damit entmachtet einer sich selbst und ermächtigt den anderen, mit einem zu tun, was der will.

"Ich sehe, dass du das tust, und werde wütend, weil ich mir wünsche, dass ..."
beschreibt dieselbe Situation anders.

Wenn ein Behandler sagt: du bist soundso, begeht er einen Kunstfehler.
(Wehrt seinen eigenen Anteil ab an der Situation, quasi: damit will ich nichts zu tun haben, weil es mich erinnert daran, dass ich auch hie und da ..." )

lg.
Autor sixi
registriert
#8 | Gesendet: 30 Okt 2016 08:50
poxt:
per gesellschaft an die psychiatrie verwiesen werden, ein weltbild vermittelt, das uns unter umständen in der entwicklung behindert

Ursprünglich, denke ich war schon vorher was faul. Das Weltbild, dass vom Umfeld vermittelt wurde. Und ja, ein ich-gegen-den-Rest-der-Welt-bild behindert Entwicklung.

poxt:
spirituelle

ist das Gegenteil von
Chromedust:
spirituelle Hirngespinste

Der Unterschied: letzteres ist nur die verschärfte Form von Egozentrik, mehr desselben, während "spirituell" qualitativ anders ist.

Ich halte "Normalität" nicht für "Gesund", auch wenn im Sprachgebrauch das oft gleichgesetzt wird und - denken und sprechen hängen zusammen - den Blick verengt auf: sei so, wie du denkst, dass du sein sollst statt:
sein ist werden (spirituell).

Allerdings sieht sich das ähnlich. Hörte mal: bisschen Zen ist beschissener als gar keiner.

lg.
Autor poxt
registriert
#9 | Gesendet: 30 Okt 2016 10:38 | Edited by: poxt
was meinst du mit ich-gegen-den-rest; wenn man eine psychose hat oder wenn man von der psychiatrie in den ausschluss kommt?

und ja das spirituelle problem mit der täuschung. wie weiss ich, dass ich etwas wirklich weiss, oder ist es nur eine neue täuschung. und habe ich jetzt das ego abgestreift oder einfach ein neues gefunden etc.
Autor sixi
registriert
#10 | Gesendet: 30 Okt 2016 10:47 | Edited by: sixi
poxt:
was meinst du mit ich-gegen-den-rest; wenn man eine psychose hat oder wenn man von der psychiatrie in den ausschluss kommt?

Ich meinte: Nahezu ubiquitär. Begründung: sonst wäre dieser Planet voller "Erkenntnis" und "gelebter Intersubjektivität", was sie nach meiner Beobachtung nicht zu sein scheint, zum Beispiel denke ich das dann, wenn ich morgens die Zeitung lese. Nicht nur die Schlagzeilen und Artikel, sondern auch die Werbeanzeigen, die offenbar Produkte bewerben, mit denen man sich stärken solle GEGEN dies oder das.

Phänomen "Psychose" als zugespitzter Symptomträger und der psychiatrische Ausschluss als sein Gegenstück (ebenfalls Symptomträger).

Mir ist keine Kultur bekannt, jetzt oder historisch, in der es keine Bemühungen gäbe, Auswege zu finden, die in Folge jedoch ebenfalls entgleisen, sei es totalitär oder elitär.

M.a.W.: ich habe noch nie einen gesunden Mensch erlebt, persönlich. Ich würde mich auch nicht als "gesund" sehen. Es scheint mir dennoch so, dass es solche gibt ... das immerhin!
Autor ingo
registriert
#11 | Gesendet: 30 Okt 2016 10:58
sixi:
ich habe noch nie einen gesunden Mensch erlebt, persönlich. Ich würde mich auch nicht als "gesund" sehen. Es scheint mir dennoch so, dass es solche gibt ... das immerhin!

ich bin gesund ;) sogar meine erkältung ist fast weg :)
Autor sixi
registriert
#12 | Gesendet: 30 Okt 2016 11:01
poxt:
neue täuschung

sixi:
sein ist werden

d.h. Es kam ein Schüler, fragte den Meister: wenn ich hier in Händen Erkenntnis hielte, was würdest du dann sagen?
Meister: wirf weg.
Schüler: aber Meister, Satori wegwerfen?
Meister: na, gut, leg es vorsichtig weg.

Verstehe ich so: es hört nie auf, sein ist werden ...

und du?
Autor poxt
registriert
#13 | Gesendet: 30 Okt 2016 11:05
ich habe einfach gedacht, das problem mit der identität, also dass wir von uns annehmen wollen jemand zu sein, dass wir da angreifbar sind (eben uns auch GEGEN angriffe vorbereiten) ein spirituelles problem ist und mit der schizophrenie unmittelbar zusammenhängt, zumal eben diese identität in der psychose angegriffen wird.
Autor sixi
registriert
#14 | Gesendet: 30 Okt 2016 11:06
ingo:
ich bin gesund ;) sogar meine erkältung ist fast weg :)

freut mich! Und wenn die nächste kommt, geht die auch wieder weg. :-)
Autor poxt
registriert
#15 | Gesendet: 30 Okt 2016 11:08 | Edited by: poxt
ich verstehe den dialog im obigen sinn. "erkenntnisse" sind konzeptualisierungen und damit "identitäten" die sagen wir angesichts einer nichtpropositionalen wahrheit immer nur ableitungen sind.
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