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Autor achso
registriert
#46 | Gesendet: 30 Sep 2018 23:38
Nichtraucher:
Was ist, wenn es Hitler ist?

Gutes Dilemma.

Was ist, wenn es Jesus ist?

Du verstehst das Paradox daran?
Autor Nichtraucher
registriert
#47 | Gesendet: 30 Sep 2018 23:45
achso:
Ach so. Missverständnis meinerseits?

Da ging es um die Privilegien, die sich aus der Menschenwürde "ergeben". Es war eher auf Turtel bezogen und seinem Irrsinn.

Die Frage ist allerdings ob es die Würde verlangt zu leben und wie? Überleben, betteln? Im Dreck? Im Djungel?

Welches Essen ist menschenwürdig?

Ist dumpster diving menschenwürdig? Bettel? Hungern? Zigaretten?

Ist ein Drogenentzug menschenwürdig?

Ist es menschenwürdig wenn jemand arbeitet um jemand anderen zu ernähren den er nicht mag?

Was ist wenn jemand für jemanden sorgt oder sorgen muss den er hasst? Sollte die Unterstützung in der Abhängigkeit nicht auch an Bedingungen geknüpft werden oder ist das nicht menschenwürdig? Soll ich jemandem Geld geben müssen, der mir auf der Nase herumtanzt, mich bedroht und mich beleidigt?

Ist die Menschwenwürde abhängig vom emotional empfundenen Mitleid?

Es ist eben nicht so einfach.
Autor Nichtraucher
registriert
#48 | Gesendet: 30 Sep 2018 23:46
achso:
Was ist, wenn es Jesus ist?

Wenn jesus in der Gosse liegen sollte, würde ich ihm natürlich helfen, hoffe ich.
Autor Nichtraucher
registriert
#49 | Gesendet: 30 Sep 2018 23:48
achso:
Du verstehst das Paradox daran?

Nein
Autor Armleuchter
registriert
#50 | Gesendet: 1 Okt 2018 08:49
Nichtraucher:
Ich tue, was ich gutes tue, nicht weil ich den anderen mag, oder weil ich selbst so gut bin, sondern ich tue es für Gott, weil ich glaube dass er das im nächsten Leben honoriert.

Genau das ist eine eklige egoistische Einstellung der Christen. Wäre es nicht Gottes Gebot zu helfen ohne etwas zu erwarten ? Die Christen erwarten dafür den Himmel als Belohnung.
Autor achso
registriert
#51 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:06 | Edited by: achso
Die Frage, ob man auch Hitler aus der Gosse vor dem Tod retten sollte und das Paradox:

Im Gleichnis vom Samariter wird eine ganz ähnliche Zwickmühle aufgebaut, es geht um die Frage: Wer ist mein Nächster? Da werden einfach die Kategorien Freund/Feind ad absurdum geführt.

(Und weil ich jetzt vermute, dass sich Turtel für einen Helfer der Menschen hält: Das ist er nicht, und zwar deswegen, weil er sich nachweislich und durchgängig feindselig verhält und sogar so weit geht, dass er wortwörtlich auffordert, man solle Menschen töten, wenn sie seinem bizarren Vorhaben entgegenstehen.

Jesus dahingegen, mit dem sich Turtel moralisch gleich setzt, wie er öfter mal erwähnt, also Jesus handelte nicht nach Maßstäben wie ein Turtel, selbst dann nicht, als es Karfreitag wurde.

Es geht also in der Frage NICHT um Turtel! Weder als Opfer noch als Helfer! Er ist weder ein Hitler noch ein Heiliger, sondern ein User im kns, der sich meistens nicht benehmen kann. Das nur, damit er weiß, er ist jetzt nicht angesprochen.)

Ich persönlich überlege: würde ich Hitler retten oder liegen lassen?

Ich hätte natürlich ein Netz von Freunden im Widerstand. Wir würden ihn aus der Gosse holen und heimlich nach Dachau bringen lassen.

Und dort würden wir ihm sagen: "Also. Du hast die Wahl. Du kannst jetzt andere retten. Willst du das nicht, dann verstecken wir dich hinten in der letzten Baracke, scheren dir Haare und Bart, geben dir Sträflingskluft und Sträflingsessen, nähen dir einen "Winkel" an, dann kennt dich keiner mehr, und dann sagen wir dem Aufseher, da wäre ein Neuer, der so verrückt sei, dass er behauptet, er sei "der Führer persönlich". Er bringe mit dieser Behauptung die Sicherheit des Volkes in Gefahr. Er habe auch eine sehr, sehr vage Ähnlichkeit, aber wenn man genau hinsähe: nee.
Außerdem würden wir einen begabten Schauspieler finden samt Maskenbildner, vielleicht Charlie Chaplin, der einigermaßen Gestalt des Adolf hätte, und ihn nach Berlin schicken, so dass er einen politischen Richtungswechsel vornimmt, seine berühmte Rede an die Menschheit hält und dann Neuwahlen vorbereitet.

Das klingt natürlich viel zu phantastisch, aber die Frage ist auch eine unmögliche, Zeitreisen ...

Selbstverständlich würde ich heute den Rettungswagen holen, wenn jemand vor mir in der Gosse liegt, ohne Ansehen der Person.
Autor Nichtraucher
registriert
#52 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:12 | Edited by: Nichtraucher
Armleuchter:
Wäre es nicht Gottes Gebot zu helfen ohne etwas zu erwarten

Ohne etwas vom anderen Menschen als Belohnung zu erwarten, ja
Autor Nichtraucher
registriert
#53 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:33
achso:
Wer ist mein Nächster? Da werden einfach die Kategorien Freund/Feind ad absurdum geführt.

Das stimmt nicht. Im Gleichnis des Barmherzigen Samariters geht es darum dass ein unschuldiger Mann ausgeraubt wurde und ihm wurde von einem (halb-wegs) ungläubigen geholfen. Es heißt aber nicht, dass man jemandem helfen muss, der sich zutiefst schuldig gemacht hat. Es heißt eben nicht, dass jeder Beliebige jede mögliche Hilfe bekommen soll.

Es bedeutet auch nicht, dass man jemandem helfen muss, der einem nach dem Leben trachtet, oder jemandem der einen ausrauben will. Das wäre eine Perversion und eine krankhafte Fehlauslegung, glaube ich.
Autor achso
registriert
#54 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:39
Nichtraucher:
Es bedeutet auch nicht, dass man jemandem helfen muss, der einem nach dem Leben trachtet, oder jemandem der einen ausrauben will.

Ich war mal tatsächlich in einer ähnlichen Situation. Ich wurde an einem einsamen Ort überfallen und habe den Typ gefragt, ob wir nicht besser zusammen Kaffee trinken sollten. Dazu ist nicht gekommen, aber er hat mich lebend laufen lassen.
Autor achso
registriert
#55 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:43
Nichtraucher:
Perversion und eine krankhafte Fehlauslegung

In unserer Gesetzgebung ist vorgesehen, dass auch einem rechtmäßig verurteiltem Mörder im Knast zusteht, dass er ärztlich behandelt wird, wenn er krank wird. Ich finde das nicht pervers, sondern richtig.
Autor achso
registriert
#56 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:51
Nichtraucher:
Es heißt aber nicht, dass man jemandem helfen muss, der sich zutiefst schuldig gemacht hat. Es heißt eben nicht, dass jeder Beliebige jede mögliche Hilfe bekommen soll.

Mt 5-7

Lk 23,34

usw.
Autor Nichtraucher
registriert
#57 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:54
achso:
In unserer Gesetzgebung ist vorgesehen, dass auch einem rechtmäßig verurteiltem Mörder im Knast zusteht, dass er ärztlich behandelt wird, wenn er krank wird. Ich finde das nicht pervers, sondern richtig.

Ein verurteilter Mörder im Knast verbüßt ja schon seine Strafe. Aber ein Mörder oder Entführer, der eine akute Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt, der darf auch durch die legitimierten Kräfte (Polizei, etc) erschossen werden, wenn es sein muss.
Autor achso
registriert
#58 | Gesendet: 1 Okt 2018 09:57 | Edited by: achso
Nichtraucher:
Aber ein Mörder oder Entführer, der eine akute Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt, der darf auch durch die legitimierten Kräfte (Polizei, etc) erschossen werden, wenn es sein muss.

Aber nur dann, wenn es gar kein anderes Mittel zur Deeskalation gibt.

Ein Besoffener im Rinnstein hingegen stellt aus meiner Sicht keine akute Gefahr für andere dar, selbst dann nicht, wenn es sich um Al Capone handelte.
Autor Nichtraucher
registriert
#59 | Gesendet: 1 Okt 2018 10:01
achso:
Mt 5-7

Lk 23,34

Naja, aber haben die Jünger selbst bei der Kreuzigung mitgemacht? Haben sie den Feinden geholfen?

Jesus hat für sie gebetet, ja, und er hat sich freiwilig dem Willen des Vaters ergeben. Aber er hat seine Feinde nicht unterstützt. Nichteinmal er.

Man muss auch niemandem vergeben, der nicht darum bittet, denke ich. Es wäre sogar ein großer Fehler, weil man dann den anderem im Glauben lässt, er hätte sich gar nicht verfehlt. Man darf das Böse nicht mit dem Guten verwechseln. Man darf das Falsche nicht richtig nennen. Genau das ist aber die Perversion.
Autor achso
registriert
#60 | Gesendet: 1 Okt 2018 10:16 | Edited by: achso
Nichtraucher:
Aber er hat seine Feinde nicht unterstützt. Nichteinmal er.

Richtig. Das verlangt auch niemand.

Es ist ein Unterschied, ob ich jemand das Leben rette, der sich in einer hilflosen Lage befindet, oder ob ich ihm hinterher ermögliche, sich seiner Verantwortung zu entziehen, wenn sich dann herausstellt, er hat ein Kapitalverbrechen begangen, o.ä.
Letzteres würde ich natürlich nicht tun.

Nichtraucher:
Man muss auch niemandem vergeben, der nicht darum bittet, denke ich. Es wäre sogar ein großer Fehler, weil man dann den anderem im Glauben lässt, er hätte sich gar nicht verfehlt. Man darf das Böse nicht mit dem Guten verwechseln. Man darf das Falsche nicht richtig nennen. Genau das ist aber die Perversion.

Dann wäre ich pervers. Ich vergebe auch, wenn sich jemand nicht bei mir entschuldigt. Gerade letzte Woche. Und es war eine ganz schöne Sauerei, die die Person angerichtet hat. Sie weiß auch gar nichts davon, dass ich ihr vergeben habe, zumal sie nicht darum gebeten hat. Meinem Herz war leichter, und ich überlasse es einem Höherem als mir, da zu richten, wenn was zu richten ist. Dass man das MUSS oder SOLL, das glaube ich nicht, es ist eine Frage der Seelenhygiene, finde ich.
Ich nenne das dann auch nicht richtig oder gut, was diese konkrete Person angestellt hat, aber ich räche mich nicht.
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